Neue eFuel Alliance in Österreich?

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(v.li.) Jürgen Rechberger und Prof. Helmut List (beide AVL List GmbH), Magnus Brunner (Klimaschutzministerium) und Jürgen Roth (IWO)

Im Rahmen einer Online-Pressekonferenz kündigte das Institut für Wärme- und Öltechnik (IWO), die Vertretung der heimischen Heizöl-Lobby, den Beitritt zur europäischen eFuel Alliance an. Dies verwundert im ersten Augenblick, setzt doch die eFuel Alliance den Fokus auf das Thema synthetische Kraftstoffe für den Mobilitätsbereich.

Die IWO hat jedoch damit nichts zu tun. Die Produktion von synthetischen Brennstoffen wird aber als letzter Rettungsanker für die Branche gesehen, da doch die Regierung plant, alle Ölkessel bis 2035 aus den Haushalten zu verbannen. Die Kooperation ist für das IWO aus diesem Grunde überlebenswichtig.

Im Vorjahr hat die Mineralölwirtschaft noch mehr als 1 Million Liter Heizöl in Österreich verkauft, etwa 700.000 Ölheizungen sind in Österreich in Betrieb. Die Mineralölwirtschaft möchte den Raumwärmemarkt nicht aufgeben. Das Regierungsprogramm proklamiert einen klaren Phase-out-Plan für Ölheizungen. Nicht nur, dass der Austausch aller Heizölkessel bis 2035 abgeschlossen sein soll, ist der Einbau einer Ölheizung im Neubau bereits seit Jahresbeginn und ab 2021 beim Heizungswechsel verboten. Ab 2025 soll der Austausch von Ölkesseln älter 25 Jahre verpflichtend sein.

In einer breiten Kooperation soll eine Demonstrationsanlage für die Herstellung eines synthetischen Kraftstoffes errichtet werden. Man spricht von einer Leistung von 1 MW und einem Produktionsstart von 2022 – ideale Größen wären zwischen 50 und 80 MW. Ziel ist es, die Produktion möglichst effizient zu gestalten. Pro kWh eingesetztem Strom sollen bis zu 0,5 kWh Treibstoff erzeugt werden, so die Vision. Als Produktionskosten werden mit 1 bis 1,5 Euro/kWh beziffert – wenn der Strompreis stimmt. Die Investitionskosten sollen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Im Augenblick ist man auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Da für die Synthese Kohlenstoff benötigt wird, würde eine Kooperation mit der Zementindustrie naheliegen, die sich an dem Projekt auch sehr interessiert zeigt.

Die großen Unbekannten in den Visionen des IWO sind die benötigten Mengen an Ökostrom und die exergetische Priorisierung. Im Rahmen der Pressekonferenz war man sich einig, dass in Österreich trotz 27 TWh Ausbau nicht genug Strom für eine komplette Umstellung bereitgestellt werden kann. Es wurde von zusätzlicher Solarenergie aus Afrika und der Nordsee gesprochen. Hinzu kommt, dass man bei der Pressekonferenz dauernd den Eindruck hatte, dass man über den Treibstoffmarkt spricht, der auch wesentlich wichtiger ist als der Wärmemarkt für Heizöl. Sprich – auch wenn man einen synthetischen „Diesel“ herstellt, wäre dieser zu wertvoll, um ihn in einem Haushalt für Heizzwecke zu verbrennen. Anwendungen in der Mobilität wären zum Beispiel weitaus wichtiger.  

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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