Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Dämmwolle als Bordünger

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Beim Thema Ressourcenverbrauch und Rohstoffkrise denken die meisten Menschen an seltene Erden, Öl, Kohle und Gas und eventuell noch an den Klimawandel. Dass die EU alle 3 Jahre eine Liste mit kritischen Rohstoffen publiziert, wissen die wenigsten. Unter 30 mehr oder weniger bekannten Rohstoffen, wie zum Beispiel Phosphor, Cobalt oder Lithium, befindet sich auch die Gruppe der Borate.

Borate werden primär in der Glas- und Keramikherstellung sowie als Düngemittel eingesetzt. Bor ist wichtig für die Zellwandstruktur und Zellmembranen und ist als Düngemittel auch in der biologischen Landwirtschaft zugelassen. Die weltweiten Reserven konzentrieren sich auf die USA, Chile und die Türkei, die EU bezieht jedoch 98% seiner Boratimporte aus der Türkei. Bei der derzeitigen Förderungsrate reichen die Reserven noch für ca. 110 Jahre, Recycling von Boraten findet derzeit nicht statt. Die Begrenztheit des Rohstoffs und die Versorgungsabhängigkeit von einem Land, welches ein sehr ambivalentes Verhältnis zur EU pflegt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Innovativ reagiert die Firma Isocell aus Salzburg, welche Dämmwolle aus Altpapier herstellt. Um das Dämmmaterial feuer- und schädlingsresistent zu machen, muss dem Material in der Herstellung Borsäure beigefügt werden. Bei Abriss muss nach derzeitigem Standard das Dämmmaterial jedoch als gefährlicher Abfall entsorgt werden, da Borsalze für den Menschen in hohen Konzentrationen als reproduktionstoxisch gelten. Die Dämmwolle wird zu hohen Kosten in eigenen Müllverbrennungsanlagen entsorgt und die Schlacken mitsamt den Borsalzen in Deponien endabgelagert. Um dieser Ressourcenverschwendung eines seltenen Rohstoffs ein Ende zu setzen, hat sich die Salzburger Firma gemeinsam mit Dr. Konrad Steiner und der BOKU eine Alternative überlegt: in einem Pyrolyseverfahren („Verkohlung“) wird das Dämmmaterial bei 600° C und unter Luftabschluss zu Kohle gemacht, um so Masse und Volumen zu reduzieren und den relativen Borgehalt zu erhöhen. Die so hergestellte Borkohle kann dann am Acker ausgebracht werden und bringt neben den positiven Eigenschaften der Kohle einen hohen Anteil des Spurennährstoffs Bor mit. Erste Versuche waren bereits erfolgreich und wurden publiziert. Alle Grenzwerte an Schadstofften wurden unterschritten (siehe Paper: „Functional Recycling of Biobased, Borate-Stabilized Insulation Materials As B Fertilizer“).

Die rechtliche Zulassung für dieses Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft ist jedoch schwierig, da grundsätzlich kein Abfall und insbesondere kein gefährlicher Abfall als Düngemittel ausgebracht werden darf. Auch wenn die Borsalze, welche für die Einstufung als gefährlicher Abfall verantwortlich sind, genau jene Inhaltsstoffe sind, die der Boden für die Bewirtschaftung benötigt. Die Firma Isocell will dennoch weiter an der Verwertung der Dämmwolle forschen, um so ihre Ressourcen wieder in den natürlichen Kreislauf rückzuführen.

 
About the Author

Lukas Moder

Lukas Moder

Lukas hat seinen Bachelor an der Universität für Bodenkultur in Umwelt- und Bioressourcenmanagement gemacht und macht nun einen Master an der BOKU sowie den Master technisches Umweltmanagement am FH Technikum. Er engagiert sich beim ökosozialen Studierendenforum und hat ein Praktikum bei Global 2000 absolviert. Sein Fokus liegt auf einer effizienten und langfristig möglichen Ressourcennutzung und Nachhaltigkeit integriert in Unternehmensprozessen.

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