Photovoltaik Tarifförderung im Jänner fix!

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Es ist gerade einiges im Umbruch in der Photovoltaikbranche. Wir erwarten das Erneuerbare Ausbau Gesetz (EAG) mit Spannung, wie wir auch in unserer Serie zum EAG zeigen. Trotzdem darf bis dahin der Ausbau der Photovoltaik nicht gebremst werden, denn es gab die Befürchtung, dass mit dem neuen EAG das alte Ökostromgesetz außer Kraft tritt, womit die jetzt geplanten Anlagen, nicht zu den bekannten Bedingungen umgesetzt werden könnten und wie wir wissen ist Planungssicherheit das höchste Gut bei langfristigen Investitionen.

Seit gestern ist bekannt, dass das EAG nicht wie geplant am 1.1. in Kraft treten kann. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist aber dafür, dass die sogenannte OeMag Förderung und damit die Bedingungen für Anlagen bis 200 kWp, die auch von einem Überschusstarif abhängig sind, gleich bzw. annähernd gleich bleibt.

Überdimensionierte Anlagen sollten jetzt diese Chance nutzen

Kurz nochmal zur Erinnerung wie diese Förderung derzeit aussieht:

250,-/kWp bis 200 kWp + 7,67 ct/kWh für 13 Jahre fixiert für den Überschuss. Diese Förderung ist besonders gut für Dächer, die größer sind als der Verbrauch darunter, weil man die Anlage nicht nur eigenverbrauchsoptimiert auslegen muss, sondern manchmal die Wirtschaftlichkeit besser wird, wenn man die Anlage größer machen kann. Zur Erinnerung: In der Photovoltaik sind die Skaleneffekte enorm und gerade bei kleinen Größenklassen gibt es massive Kostenunterschiede pro kWp.

Welche Anlagengröße ist nun die „richtige“?

Wer sich ein wenig mit der Photovoltaikbranche und der Projektentwicklung von Anlagen beschäftigt, stolpert immer wieder über den Begriff der Eigenverbrauchsoptimierung. Ich selbst habe viel meiner Beratungszeit damit verbracht, auszurechnen, was denn nun die ideale Anlagegröße bei einem Dach ist. Dabei kam ich zu einer sehr klaren Erkenntnis. Die perfekte Anlagengröße gibt es nicht. Wenn ein Kunde drei Berater hat, wird er drei oder mehr verschiedene Antworten auf diese Frage bekommen. Hier ist es dann wichtig, auf den Menschen einzugehen sowie die herrschenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderanreize zu kennen. Folgende Fragen sind dabei wichtig:

  • Geht es darum möglichst viel vom erzeugten Strom, selbst zu verbrauchen? = KLEINE ANLAGE
  • Geht es darum, genauso viel Strom zu erzeugen, wie verbraucht wird? = MITTELGROSSE ANLAGE
  • Geht es darum, die gesamte Dachfläche auszunutzen? = GROßE ANLAGE
  • Geht es darum, möglichst viel Kapital zu investieren, um eine langfristig inflationssichere Anlage zu haben? = GROßE ANLAGE
  • Geht es darum, eine große Anlage zu bauen, um die degressive Abschreibung in den nächsten Jahren zu nützen? =GROßE ANLAGE

Je nachdem wie die Antwort auf die jeweilige Frage lautet, ergibt sich eine andere Anlagengröße. Und dann wiederum kommt es darauf an, wie der Staat diese Fragen beantwortet und was dieser gerne von seinen Bürgern hätte:

  • Die Bürger sollen Anlagen mit hohem Eigenverbrauch bauen = KLEINE ANLAGEN
  • Die Bürger sollen die Anlagen möglichst nach netzoptimierten Bedingungen bauen. = KLEINE ANLAGEN
  • Die Bürger sollen möglichst viel privates Kapital in den Ausbau Erneuerbarer Energien stecken. = GROSSE ANLAGEN FORCIEREN
  • Die Bürger sollen die gesamte Dachfläche ausnutzen = GROSSE ANLAGEN FORCIEREN DURCH TARIFE FÜR ÜBERSCHUSS

Wie ist der Anreiz derzeit gestaltet?

Mit dem ÖSG 2012, welches ungerechterweise eher schlecht geredet wurde (Förderung in einer Minute weg, Eigenverbrauch wird vorgereiht…) und nur Insider wussten, dass es auch in Österreich wirklich attraktive Möglichkeiten für Dachinvestoren gibt, gab es bis jetzt ein Instrument, welches den Investoren die Wahlmöglichkeit gab, zwischen den verschiedenen Ausprägungen zu wählen. Wer eine eigenverbrauchsoptimierte Anlage wollte, wurde mit dem Investitionszuschuss bedient. Wer keinen Verbrauch aber eine große Dachfläche hatte, konnte über den Tarif das Projekt trotz geringem Eigenverbrauch wirtschaftlich umsetzen, weil zwar der Tarif gering war, aber noch der Investitionszuschuss hinzukam. In Zukunft soll eine entweder/oder – Lösung mit noch unklaren Regelungen über die Tarifhöhe bzw. die Marktprämie kommen. Ich hoffe, dass diese Punkte in der Überarbeitung des Gesetzes noch gut überlegt werden, damit es zu keiner Verschlechterung der Bedingungen kommt. Ich kann nur an alle appellieren, die schon lange über das Thema nachdenken, dies jetzt zu den derzeitigen Bedingungen zu machen. Vor allem, wenn man wenig Verbrauch hat, ist es gut, jetzt noch die Tarifförderung anzusuchen und es wurde gestern bestätigt, dass es sie im Jänner wieder geben wird.

Welchen Tarif wird es geben?

Die „kleine“ Unbekannte in der Geschichte ist, welcher Tarif dann tatsächlich kommen wird. Derzeit sind es 7,67 ct/kWh für 13 Jahre und wenn weder ein neues Gesetz noch eine neue Verordnung kommt, wird es einen 8% Abschlag geben und man kommt in Richtung 7ct/kWh. Auf der anderen Seite nehmen die Anforderungen der Netzbetreiber immer mehr zu, was die Investitionskosten im Moment wieder stark in die Höhe treibt, weswegen ein Abschlag auf die Förderung schmerzhaft wäre.

Wir halten euch auf dem Laufenden sobald wir mehr wissen!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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