Mädels: Keine Angst vor der Kilowattstunde!

Energiefrühstück: Mehr Frauen in technischen Berufen

Lesedauer: 5 Minuten

Ich bin CE3-Ambassador des Programms C3E International, welches darauf abzielt mehr Frauen in die Energiewirtschaft zu bringen. Die Zahlen sind tatsächlich erschreckend und ich darf heute die spannenden Informationen aus dem Energiefrühstück von letzter Woche teilen.

Zuerst ein paar Zahlen, die in der wirklich interessanten Veranstaltung gefallen sind: In der gesamten Energiewirtschaft arbeiten nur 22% Frauen und in der Führungsetage verringert sich dieser Wert auf 10%. Im Vortrag wurde auch die These aufgestellt, dass es für das Gelingen der Energiewende unglaublich wichtig ist, mehr Frauen in die Energiewirtschaft zu bringen. Die Mammutaufgabe der Energiewende, ist nur durch Diversität und unterschiedliche Problemlösungskompetenzen, zu schaffen. Dass Männer und Frauen wirklich unterschiedlich sind und andere Ideen haben, ist, glaube ich, unumstritten.

Hier das Einstiegsvideo, indem das Thema nochmal gut aufbereitet wurde:

Amela Ajanovic von der TU-Wien erzählte dann die Entwicklung der Chancengleichheit am Beispiel der TU selbst. Erst 1919, also erst vor hundert Jahren waren Frauen an der TU-Wien zugelassen. 1940 gab es dann die erste Habilitation einer Frau und 1996 die erste Professur. Seit 2011 ist O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Dr.-Ing. h.c. Sabine Seidler die erste Rektorin der TU-Wien. Ich glaube das zeigt ziemlich eindringlich, dass es eine großartige Entwicklung gab.
All das liegt wirklich extrem kurz zurück und es ist noch ein weiter Weg, der vor uns liegt. Wie wichtig die Chancengleichheit und Diversifizierung in der Energiewirtschaft auch wirtschaftlich sind, erzählte dann Silvia Neumann vom BMK. Die Nutzung des weiblichen Potenzials würde 12 Mio. Trillionen US Dollar bringen. Ich konnte leider die Studie dazu nicht mehr finden und würde mich über einen Hinweis freuen, da mich hier genauer interessieren würde, was untersucht wurde. Ich Freue mich daher über einen Kommentar dazu.

Es wurde in der Veranstaltung auch das C3E Programm genauer vorgestellt. Die Abkürzung steht für: Clean Energie Education and Empowerment – Advancing Gender Equality in Clean Energy

  • Es handelt sich dabei um ein Regierungsnetzwerk international, jetzt auch mit IEA. In Summe sind 11 Länder beteiligt und aus Österreich sind vier Botschafterinnen dabei. Ich freue mich mit den anderen drei tollen Damen, diese Aufgabe zu verfolgen und so vielleicht die ein oder andere Frau zu animieren, auch in diesem Bereich zu arbeiten. Die anderen Damen sind:
  • Christine Materazzi-Wagner, E-Control
  • Elisabeth Spitzenberger, Energie AG Oberösterreich
  • Theresia Vogel, Klima- und Energiefonds

Alle Botschafterinnen sollten ein kurzes Impulsstatement an die Studentinnen richten, die bei dieser Veranstaltung teilgenommen haben.

Mein kurzer Beitrag hatte den Titel:

Keine Angst vor der Kilowattstunde

Eine Erkenntnis, die ich schon vor vielen Jahren hatte ist, dass viele Menschen sofort zusammenzucken, wenn sie das Wort Kilowattstunde hören. Es ist so wenig greifbar: Dann auch noch der Begriff Kilowatt und wie das mit der Kilowattstunde zusammenhängt. Ich darf Sie hiermit beruhigen, egal ob Frau oder Mann. Sie sind in guter Gesellschaft. Ich denke, 99% der Gesellschaft geht es gleich. Das soll aber bitte niemanden davon abhalten, sich im Bereich der Energiewirtschaft umzusehen, politisch in diesem Bereich zu agieren oder den Beruf in diese Richtung zu entwickeln.

Wenn man sich nämlich nur ein paar Tage mit dem Thema beschäftigt und das erste Projekt umsetzt, lichtet sich der Nebel. Ich weiß aus Erfahrung, dass nur das Lesen von Erklärungsartikeln nicht gleich zum Erfolg führt, auch wenn dieser Artikel hier den Unterschied schon ganz gut erklärt: „Was ist der Unterschied zwischen kW und kWh„.

Bei manchen war es dann auch vielleicht nur die falsche Physiklehrerin oder der falsche Physiklehrer, der die Faszination zu Energie nicht wirklich rübergebracht hat. Ich kann mich nicht mehr genau an meinen „Erleuchtungsmoment“ erinnern, aber ich glaube, es hatte tatsächlich mit einer Glühbirne zu tun. Auf einmal wurde der Zusammenhang zwischen den 100 Watt, die auf den Glas standen, und dem Strom der dabei in einer Stunde verbraucht wird (100 Wattstunden oder 0,1 Kilowattsunden) einfach klar. Und keine Angst, auch ich bemühe bei manchen Umrechnungen gerne noch Online-Einheitenrechner, weil die Tausendersprünge im Kopf nicht immer einfach sind.

Weibliche Vorbilder und die heiße Kartoffel

Nach den Vorträgen gab es Online-Break-Out Sessions, die wirklich gelungen waren. In diesen konnten die Studentinnen ihre Erfahrungen teilen. Dabei gab es viele wichtige Erkenntnisse, die hier nun den Rahmen sprengen würden. Ein wichtiges Thema war, dass es eben viel mehr weibliche Vorbilder braucht und eine bessere Vernetzung derer. Noch wichtiger fände ich persönlich, wenn es als völlig normal angesehen wird, wenn Frauen in technischen Berufen sind und es eben nicht die Extratreffen bräuchte. Auch Brigitte Ratzer von der TU-Wien plädiert dafür, nicht von Frauenförderung zu sprechen, denn das impliziere, dass es Frauen ohne diese Förderung nicht schaffen würden. Chancengleichheit müsse das Ziel sein, und dass es eben nicht zu strukturellen Benachteiligungen kommt. Ihr Bild der heißen Kartoffel, die von der Uni in die Schule, von der Schule in den Kindergarten, vom Kindergarten zu den Eltern und von den Eltern auf die Medien geschoben wird, blieb bei allen hängen und ich werde sie mir sicher für immer merken. Die heiße Kartoffel ist in dem Fall die Schuldzuweisung, wer denn nun dafür verantwortlich ist, dass es so wenig Frauen in technischen Berufen gibt. Ich glaube, am Ende kann man in jedem Bereich ein bisschen mehr tun und ich freue mich, heute so viele, tolle, junge Frauen kennengelernt zu haben, die es jedenfalls schon geschafft haben, TROTZ all der Hürden so weit zu kommen. Und es werden jedes Jahr mehr.

Weiterführende Links zum Thema:

Femtech – Frauen in Forschung und Technik inkl. Expertinnendatenbank mit 2300 Expertinnen inkl. Plattform für Femtech Praktika für Studentinnen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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