EAG-Serie – Interview mit Vera Immitzer: Vielversprechend aber PV-Kleinanlagen brauchen noch mehr Aufmerksamkeit!

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Wie in unserem letzten Beitrag angekündigt, mache ich gerade eine Interviewserie zum derzeit in Begutachtung befindlichen EAG – Erneuerbaren Ausbau Gesetz. Den Anfang macht die Geschäftsführerin des Photovoltaik Verbandes „Photovoltaic Austria“ Vera Immitzer, die hier schon mehrfach ihre Expertise mit uns geteilt hat.

Anfangs eine noch allgemeine Frage zum Prozess und der Gesetzesentstehung. Wie ward ihr als Verband in den Gesetzesentwicklungsprozess eingebunden und wie habt ihr das letzte Jahr erlebt?

Immitzer: Der Regierungsbruch im Mai 2019 war für uns sehr schlimm, da die Arbeiten am Erneuerbaren Ausbau Gesetz bereits sehr fortgeschritten waren und in eine erste Begutachtungsrunde geschickt hätten werden sollen. Mittlerweile können wir darüber sehr froh sein, da die nun gänzlich überarbeitete Version des Gesetzes wesentlich vielversprechender ist.

Wir waren von Anfang an in die Gesetzesentwicklung eingebunden. Es hat dazu mehrere Gesprächsrunden in größeren aber vor allem auch kleineren Runden gegeben.

Auf einer Skala von 1-10: Wie „groß“, „entscheidend“, „bahnbrechend“ ist aus eurer Sicht dieses Gesetz, wenn 1 bedeutet: „Es wird sich genau gar nichts ändern“ und 10: „Das Gesetz wird den gesamten Energiemarkt über die Grenzen Österreichs hinaus verändern“. 

Immitzer: Der Entwurf, so wie er vorliegt, erhält von uns die Zahl 6. Unser Ziel ist es aber, das finale Gesetz zu einer 10 zu bringen. Hierfür müssen jedoch dringend noch einige Adaptierungen erfolgen.

Die Marktprämie soll ab Anlagen für 20 kWp kommen. Weiß man schon wie und wie hoch die kleineren Anlagen gefördert werden?

Immitzer: Die Höhe der Marktprämie wird wettbewerblich ermittelt und soll für Anlagen ab 20 kW frei wählbar sein (alternativ der Investitionszuschuss) und für Anlagen ab 500 kW muss sie gewählt werden. Damit muss zukünftig jeder Anlagenbetreiber, der eine Prämie für den eingespeisten Strom erhalten möchte, selber angeben, wieviel Prämie er gerne hätte. Damit hat er seine Förderung selbst in der Hand. Zur Berechnung der Prämie muss der Betreiber seine Kosten und seine Stromproduktion über die Laufzeit kennen. Darauf aufbauend kann er seine Stromgestehungskosten berechnen. Seine Stromgestehungskosten (plus einen Gewinnaufschlag) sind dann der Wert, den er bei der Förderstelle angibt und dafür eine Förderung beantragt.

Gibt es generell schon Zahlen und genauere Abstufungen für die Förderhöhen in jeder Größenklasse?

Immitzer: Der aktuelle Entwurf sieht, bei der Investitionsförderung (für Anlagen bis 500 kW) die Segmente 0-20 kW, 20-100 kW und 100-500 kW vor. Innerhalb dieser Segmente sollen die Anträge nach Förderbedarf gereiht werden. Auch hier soll der Antragsteller selber angeben, wieviel Förderung er zur Umsetzung der Anlage benötigt. Danach wird gereiht (anstatt First Come – First Serve). Hier sehen wir den größten Handlungsbedarf, da v.a.  Endkunden ihren Förderbedarf nicht einschätzen können! Hier fehlt das Wissen über den angemessenen Förderbedarf. Ist er zu hoch, bekommt er ev. keine Förderung. Ist der Bedarf zu niedrig, ärgert er sich weil sein Nachbar mehr Unterstützung erhält. Der Beratungsaufwand und das Frustpotential steigen enorm.

Anstatt dieser Reihung braucht es fixierte Fördersätze, wie es bisher bereits der Fall war. Dieses System hat sich bewährt. Es ist gut handhab- und erklärbar, weshalb es fortgesetzt werden sollte.

Anlagen größer 500 kW müssen in die Ausschreibung der Marktprämie gehen. Anlagen < 500 kW können an der Ausschreibung teilnehmen, wenn sie wollen, um für den eingespeisten Strom eine Prämie zu erhalten.

Nachdem hier auch immer wieder Nichtenergieprofis mitlesen noch eine grundsätzliche Frage, die auch mir immer wieder gestellt wird. Was ist genau der Unterschied zwischen einem Einspeisetarif und der jetzt geplanten Marktprämie?

Immitzer: Die Marktprämie gleicht die Differenz zwischen dem Produktionskosten (Anm: Stromgestehungskosten+Risikoaufschlag) und dem Strompreis aus. Die Prämie soll bei der Photovoltaik eben vom Anlagenbetreiber selber festgelegt werden. Beim Einspeisetarif ist es so, dass jeder Anlagenbetreiber den selben Tarif erhält, also jenen Tarif den das Ministerium verordnet hat.

Was ist der wichtigste des Teil EAG?

Immitzer: Der wichtigste Teil im EAG sind, die Fördermittel die zur Verfügung stehen. Hier sehen wir die Bemühungen, aber vor allem im Bereich der Investitionsförderung wird das Budget nur leicht aufgestockt. Damit werden wir den Ausbauturbo nicht starten. Entsprechend braucht es da noch mehr Zuwendungen.

Was fehlt und was muss auf jeden Fall noch geändert werden?

Es braucht jedenfalls noch eine besonderer Beachtung der Anlagen, die kleiner als 500 kW sind. Diese Anlagen können nicht mit den großen Anlagen verglichen werden. Hier gibt es ganz anderen Voraussetzungen und damit auch Kosten, weswegen diese Anlagen nicht in den Wettbewerb mit größeren Anlagen gehen können. Es braucht daher bei der Investitionsförderung fixe Fördersätze und bei der Ausschreibung einzelne Größensegmente, innerhalb derer die Anlagen antreten können. Hier wünsche ich mir mehr Fokus auf die „Kleinanlagen“, die schlussendlich für die breiten Masse umsetzbar sein müssen!

Vielen Dank liebe Vera für dieses Interview und den Einblick und vor allem dafür, dass du dich dafür einsetzt, ein passendes Gesetz für das Solarzeitalter zu finden. Es ist keine leichte Aufgabe aber es wird euch gelingen!

Hier gibt es übrigens ein Webinar mit Vera Immitzer und Florian Stangl zum EAG.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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