Marktwirtschaft lohnt sich

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Der Marktwirtschaft wird misstraut – auch in Deutschland, dem Land Ludwig Erhards. Trotz der Erfolge dieses Wirtschaftssystems bemerkt man bei vielen Menschen eine „heimliche Liebe zur Planwirtschaft“. Grund dafür ist, dass der Wettbewerb – und damit ein Grundpfeiler unserer Wirtschaftsordnung – auf breite Ablehnung stößt. Der Staat soll es richten, davon sind viele überzeugt.

Ökosoziale Marktwirtschaft bedeutet, die Ökologie in den Ordnungsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft zu integrieren. So wie der Agenda 2030 und den darin enthaltenen UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs), liegt auch der Ökosozialen Marktwirtschaft der Wunsch zugrunde, wirtschaftliches Wachstum, sozialen Ausgleich und die Tragfähigkeit des Planeten in Einklang zu bringen. Hier muss klargestellt werden: Ökologie ist keine Ergänzung oder Ausgleich oder Reparatur der Ökonomie. Sondern in den Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Prozesse muss die Ökologie schon enthalten sein.

An keinem Ort der Welt versammelt sich so viel Wissen wie auf dem Markt. Dieses Wissen will zur Geltung kommen – durch und im Wettbewerb. In diesem Wettbewerb, in diesem Spiel muss es Spielregeln geben – auch ökologisch bestimmte Spieregeln. Diese bestimmt der Staat. Er setzt sie durch – durch Haftungsregeln. Auf die Regeln muss Verlass sein. Daher braucht Marktwirtschaft einen starken Staat.

Es ist wie auf dem Fußballplatz: Die Regeln stellt der Internationale Fußballverband auf, die Spielzüge machen die Spieler. Oder wie es Ludwig Erhard ausdrückte: Wer die Spieregeln aufstellt, sollte nicht auch Mitspieler sein. Und hier gibt es ein weitreichendes Problem: Der Staat spielt fast überall mit. Er bestimmt auch die Spielzüge. Soviel Markt wie möglich, soviel Staat wie nötig – so sollte es sein, so ist es aber leider nicht.

Gute Politik bestimmt die Wettbewerbsordnung, aber nicht die Resultate. Ein Staat, der sich nicht an ordnungspolitischen Prinzipien orientiert, löst keine Probleme, vielmehr ist er das Problem. Und vor allem braucht der Staat immer Wachstum und kann nie genug davon haben. Der Journalist Gabor Steingart sagte dazu: „Die heutige Marktwirtschaft leidet, weil man ihr wahres Wesen manipuliert hat. Sie wird für etwas verantwortlich gemacht, was sie selbst nicht zu verantworten hat. Denn am Beginn aller Verwerfungen stand eben nicht der Markt, sondern das Wort des Staates. Nicht freie Märkte, sondern staatliche Stellen haben der Volkswirtschaft eine sie ständig vergrößernde Kreditinfusion verpasst.“

Der frühere deutsche Bundespräsident Horst Köhler formulierte es so: „Die Ordnung der Freiheit bedeutet: Die Bürger beauftragen den Staat, die Spielregeln zu setzen. Aber das Spiel machen die Bürger. Die Regeln lauten: Privateigentum und Vertragsfreiheit, Wettbewerb und offene Märkte, freie Preisbildung und ein stabiles Geldwesen, eine Sicherung vor den großen Lebensrisiken für jeden und Haftung aller für ihr Tun und Lassen. … Auf diese Regeln muss Verlass sein. Die Bürger müssen wissen, was auf sie zukommt. Ohne Verlässlichkeit kein Vertrauen.“

 
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Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter schloss 1965 die landwirtschaftliche Meisterprüfung ab und übernahm 1970 den elterlichen Hof in Belecke in Nordrhein-Westfalen. Von 1969 bis 1975 war er Bürgermeister der Stadt Belecke und von 1975 bis 1989 Bürgermeister der Stadt Warstein. 18 Jahre (von 1972 bis 1990) gehörte Kroll-Schlüter als CDU-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 1991 bis 1998 amtierte er als Staatssekretär und Amtschef im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Freistaates Sachsen. Hermann Kroll Schlüter ist Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa und vielfältig ehrenamtlich tätig, zuletzt 1995 bis 2000 als Präsident der Internationalen Assoziation Ländlicher Katholischer Organisationen und von 2001 bis 2009 als Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland. Von 2001 bis 2017 hatte der den Vorsitz des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes inne.

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