Coronabedingte CO2-Reduktion „kostete“ $5.000,-/Tonne

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Es gibt erste Zahlen über die Auswirkungen der Coronazeit auf die globalen Emissionen. Spoiler vorab: Es gibt diese „Kosten“ natürlich nicht tatsächlich, es ist ein Gedankenexperiment. Die Ergebnisse machen einen aber nicht unbedingt zuversichtlich, außer man erkennt, dass man das Ganze auch deutlich günstiger haben kann, wenn es eben endlich mutige politische Entscheidungen auf globaler Ebene gibt.

Auf Gatesnotes.com erläutert Bill Gates, wie viel größer die Herausforderung des Klimawandels im Vergleich zur derzeitigen Krise sind, und wie die Headlines 2060 aussehen werden, wenn wir nicht schnell handeln. Vor allem aber bringt er einen spannenden Vergleich über die CO2-Reduktionen in dieser Zeit und mich würde interessieren, ob er das wirklich selbst schreibt. Jedenfalls ist es ein extrem aufwändiger und mit tollen Zahlen gespickter Beitrag, aus dem ich heute zitiere und meine Lehren ziehe.

CO2-Reduktion bei ca. 8%

Es gibt laut Gates noch Uneinigkeit darüber, wie hoch die CO2-Reduktionen dieses Jahr sein werden, nachdem viele Monate sowohl der Auto- als auch der Flugverkehr zum Stillstand gekommen sind. Laut IEA liegen sie bei ca. 8%, oder in Tonnen CO2 ausgedrückt bei 47 Milliarden Tonnen statt 51 Milliarden Tonnen.

Ist das wenig oder viel?

Er beschreibt dann weiter, dass das ein guter Start wäre, wenn es in den nächsten Jahren in diesem Tempo weiterginge. Aber eben dafür, dass alle Menschen so massive Einschränkungen auf sich genommen haben, sei das extrem wenig. Er rechnet dann vor, wie viel uns diese Reduktion gekostet hat.

$100 pro Tonne vermiedenes CO2 als Spiegel der externen Kosten

Ich habe hier auch schon häufiger über die Kosten von CO2 geschrieben, weil jeder, der sich nur halbwegs mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, sehr schnell zu dem Schluss kommt, dass wir im Energiebereich einfach mit einer massiven Form des Marktversagens zu tun haben. Kosten, die durch die derzeitige Energieproduktion entstehen, werden zu einem Großteil von der Gesellschaft getragen und sind nicht im Produkt direkt sichtbar. Trotz all der Kostendegressionen der Erneuerbaren haben diese, aber auch regionale Lebensmittel in den letzten Jahren noch immer Probleme sich gegen schmutzige Energieträger bzw. importierte Lebensmittel (Transport kostet nix) durchzusetzen.

Diese sogenannten externen Kosten müssen eben in die Produkte eingepreist werden, damit tatsächlich ein fairer Markt entsteht. Dies passiert derzeit schon teilweise über das Instrument der CO2-Preise bzw. der Kosten für jede Tonne vermiedenes CO2.

Gates bringt hier ein anschauliches Beispiel: Wenn man z.B. eine Technologie um eine Million Dollar installiert und mit dieser Investition werden 10.000 Tonnen CO2 verhindert, kostet es $100 pro vermiedener Tonne CO2. Das ist schon richtig viel Geld, aber in wissenschaftlichen Kreisen ist dieser Wert schon ziemlich nah an den wahren Kosten dran, die eine Tonne CO2 kosten müsste.

Was wenn COVID19 eine CO2-Reduktionsstrategie gewesen wäre?

Er geht dann weiter in seinem Gedankenspiel, bei dem der Shutdown eine CO2-Reduktionsstrategie gewesen wäre und er stellt die Frage, ob sich diese Reduktion mit $100/t ausgeht. Die klare Antwort darauf lautet NEIN. Die Rhodium Group, eine Institution, die die amerikanischen CO2-Emissionen auswertet, hat bereits die Kosten dafür erhoben und kommt auf die unglaubliche Zahl von $3.200/Tonne und $5.400/Tonne. Also das 32- bis 54-fache als der Preis, der schon einen riesigen Unterschied machen würde – eben die $100/Tonne.

$100,-/Tonne wären genug und das tut dann nichtmal wirklich weh

Derzeit liegt der CO2-Preis übrigens bei mageren € 25,-/Tonne und lag die zweite Dekade unseres Jahrhunderts die meiste Zeit unter € 10,-/Tonne. Was auch die extrem zähen Entwicklungen und Schwierigkeiten der letzten 10 Jahre ganz gut erklärt.

Es müssen also nicht unbedingt $ 3.000,- oder gar $ 5.000,-/Tonne sein. $100 würden schon reichen um richtig in die Gänge zu kommen. Weniger Fliegen und weniger Autofahren bringt uns nämlich, wie wir hier sehen, zwar ein wenig aber nur mäßig weiter. Wir müssen weltweit unsere Energie einfach viel viel sauberer erzeugen und dafür müssen die externen Kosten der schmutzigen Quellen einfach eingepreist werden. That’s it. Let’s do it.

Hier nochmal der Link zum gesamten Artikel auf Englisch.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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