Sonne schlägt Kohle

Aktuelle Studie zu Energie-Gestehungskosten

Lesedauer: 6 Minuten

Ein sehr guter Indikator für die Gesundheit und das Wachstum einer Branche ist die Menge an Studien und Erhebungen, die gemacht werden. Zumindest ist das meine Erfahrung aus den letzten 10 Jahren im Energiebereich.

Im goldenen Zeitalter von 2008-2012, wo das Wachstum in Deutschland, Spanien und Italien so massiv war, gab es fast monatlich irgendwo neue Studien. Als der Markt eingebrochen war, war es bis 2018 vorbei mit den Studien, vor allem zu den Kosten von Photovoltaik . Ich musste mir alle Zahlen selbst mühsam zusammensuchen.

Diese Zeit scheint nun endlich vorbei zu sein und nach der Marktstatistik der Photovoltaik in Österreich darf ich eine spannende internationale Studie präsentieren, die sich mit den unfassbar niedrigen Kosten der Erneuerbaren auseinandersetzt.

Renewable Power Generation Costs in 2019 – Kosten der Stromerzeugung aus Erneuerbaren im Jahr 2019

In dieser Studie arbeitet IRENA – die Internationale Energieagentur für Erneuerbare Energien – natürlich mit dem Ansatz von Gestehungskosten. An der gelben Linie sehen wir, was in den letzten 10 Jahren passiert ist. Die Gestehungskosten von Photovoltaik sind von 40 ct/kWh auf bis zu 4ct/kWh gesunken!

IRENA (2020), Renewable power generation costs in 2019 (Kosten der Stromerzeugung
aus Erneuerbaren Energien 2019), International Renewable Energy Agency, Abu Dhabi

82% Kostensenkung im Photovoltaikbereich!!

In dieser Studie wurden die Inhalte endlich mal wirklich gut aufbereitet und auch eine interaktive Grafik erstellt. Man sieht auch, dass Wind schon vor 10 Jahren eine relativ günstige Energiequelle war und Photovoltaik jetzt auf gleichem Niveau wie Wind an Land liegt.

IRENA (2020), Renewable power generation costs in 2019 – Infografik der Studie

Hier noch die Ergebnisse für Photovoltaik zusammengefasst:

Die Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien sind in den letzten zehn Jahren stark gesunken.

  • Gründe dafür sind:
    • optimierte Technologien
    • vor allem Skaleneffekte
    • wettbewerbsfähige Lieferketten
    • wachsende Erfahrung in der Projektentwicklung
  • Erkenntnisse aus der Studie:
    • Bei 56% aller neu in Betrieb genommenen Großanlagen für die regenerative Stromerzeugung lagen die Kosten für 2019 unter der günstigsten Alternative aus fossilen Brennstoffen.
    • Die regenerative Stromerzeugung wächst trotz der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 weiterhin.
    • Die Stilllegung der am wenigsten wettbewerbsfähigen 500 Gigawatt (GW) bestehender Kohlekraftwerke und ihr Ersatz durch Photovoltaik und Windenergie an Land würden die Systemgestehungskosten – und eventuell auch die auf die Verbraucher umgelegten Kosten – je nach Kohlepreisen zwischen 12 und 23 Mrd. US-Dollar pro Jahr senken.

Boom der Erneuerbaren trotz Corona

Spannend finde ich, dass in der Studie bereits jetzt Erkenntnisse im Zusammenhang mit Corona gewonnen werden. Ich selbst habe ja ebenfalls das Privileg, im Photovoltaikbereich zu arbeiten – eine Branche die lange unter dem Radar der Wirtschaft war, aber sich als krisenfest, weil zukunftsentscheidend, herausgestellt hat. Folgende Gründe wurden in der Studie dazu erörtert:

  • Die stetig steigende Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien sowie ihre Modularität, die kurzfristige Skalierbarkeit und die Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen machen sie höchst attraktiv.
  • Erneuerbare Energien können kurzfristige Konjunktur-Belebungsmaßnahmen mit mittel- und langfristiger Energie- und Klimanachhaltigkeit in Einklang bringen. Photovoltaik und Windenergie an Land bieten einfache und schnelle Einführungsmöglichkeiten.

WACC also große Black Box in allen Studien!

Ebenfalls höchst interessant finde ich den unscheinbaren Teil der Studie, der sich mit dem Thema WACC – Weighted Average Cost of Capital – beschäftigt. Dieser sogenannte Kapitalkostensatz hat einen IMMENSEN Beitrag auf die Gestehungskosten von jedem Kraftwerkstypus. Ich habe mehrmals darauf hingewiesen, dass hier die größte Manipulationsgefahr bei Vergleichen unterschiedlicher Energieträger besteht, wie zum Beispiel hier in meinem Kostenartikel zu Atomenergie oder eben auch bei meinem persönlichen Recherchehighlight, als ich einen Weg gefunden habe, einen WACC-Rechner in meinen Gestehungskostenrechner einzubauen. In der IRENA-Studie steht dazu:

With either no, or trivial, fuel costs for renewable power generation technologies – except for bioenergy – and typically low O&M costs, the level of total installed costs, capacity factor and the cost of capital become key determinants of the cost of electricity from renewable power generation projects.

Yet, while the IRENA Renewable Cost Database provides insights into the total installed cost at the project level, the data for cost of capital is almost always unavailable.

Unfortunately, even the availability of this information from secondary sources for timely, up-to-date data on the average cost of capital for individual renewable technologies in different markets in different years is seriously lacking. Indeed, the data available provides only a very partial view of the cost of capital in some markets, for some technologies and for some years. There is not nearly enough data available for IRENA to include a technology, country and year-specific WACC assumption that can be based on robust empirical data. This remains a key gap in our understanding of the global trends in the cost of electricity from renewable power generation projects.

IRENA (2020), Renewable power generation costs in 2019

Ja, ja und nochmal ja, kann ich dazu sagen. Man muss dabei verstehen, dass es hier eigentlich um Opportunitätskosten geht. Es geht darum, wie viel % das Geld woanders erwirtschaften würde. Für Otto-Normal-Verbraucher ist diese Antwort extrem traurig: Nämlich am Sparbuch sogar unter 0%! Trotzdem werden bei manchen Studien im Privatbereich noch immer 5% angenommen, was einen enormen Unterschied beim Ergebnis macht.

Gerade die Photovoltaik ist für Investoren interessant, die eben keine 10% Rendite bei einem anderen Investment erwirtschaften können. Wie wir wissen, sind diese Arten von Investitionen nicht mehr so einfach wie früher. Deshalb habe ich ja auch meinen Rechner entwickelt, wo jeder individuell für sich entscheiden kann, wie hoch seine Kapitalkosten sind. Daraus ergibt sich auch ein hochspannender LCOE (levelized cost of energy: Stromgestehungskosten) und die Kosten für PV im Privat- und KMU-Bereich liegen damit noch deutlich unter den Werten, die in Studien angegeben werden.

In der Studie steht natürlich viel mehr als ich hier wiedergeben kann. Ich kann diese Studie aber jedem, der sich mal wieder Up-To-Date bringen will, jedenfalls nur empfehlen und freue mich auf eure Erkenntnis darauf im Kommentarfeld.

Links und Quellen:

https://www.irena.org/newsroom/pressreleases/2020/Jun/Renewables-Increasingly-Beat-Even-Cheapest-Coal-Competitors-on-Cost

https://www.irena.org/publications/2020/Jun/Renewable-Power-Costs-in-2019

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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