Mehr Wachstum nötig

Die Marktentwicklung der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien bis zum Jahre 2019 wurde kürzlich im Rahmen einer Zoom-Konferenz präsentiert. Die in der Branche bekannte „Biermayr-Studie“ des Bundesministeriums für Klimaschutz (BMK), benannt nach einem der Autoren Peter Biermayr, zeigt ein differenziertes Bild der Marktlage auf.

Die anhaltend niedrigen Preise für fossile Energien, geringe Sanierungsraten, verhaltene Signale seitens der Politik, hoher Wettbewerb unter den Technologien sowie die letzten warmen Winter behindern die Marktentwicklung erneuerbarer Energien. Auf der anderen Seite verstärken das allgemeine Marktwachstum sowie die steigenden Privatausgaben die Marktentwicklung.

Mit einem Umsatz von annähernd 2,5 Milliarden Euro und einem Beschäftigungseffekt von etwa 21.400 Vollzeitstellen erwirtschaftet die Bioenergiebranche 47 % des Jahresumsatzes und stellt 58 % der Jobs im Bereich der erneuerbaren Energien. Außerdem gehen mit 9 Millionen Tonnen CO2 etwa 64 % der Treibhausgaseinsparungen, durch die Nutzung erneuerbarer Energien auf das Konto der Bioenergie. Nicht berücksichtigt wurde im Bericht „Innovative Energietechnologien:  Marktentwicklung 2019“ des BMK die Wasserkraft, Biogas und Biotreibstoffe. Damit sind für die Ergebnisse der Bioenergie ausschließlich Holzbrennstoffe verantwortlich.

Die Marktentwicklung der untersuchten Technologien war 2019 – wie schon in den Vorjahren – insgesamt eher durchwachsen. Der Absatz von Biomassebrennstoffen stieg 2019 gegenüber dem Vorjahr geringfügig auf 181 PJ (+0,6%) an. Hackgut verzeichnete den größten Zuwachs auf 83,2 PJ (+1,7%). Bei Pelletskesseln (+30%), Photovoltaik (+33%) und Wärmepumpen (+13%) wurde 2019 ein Wachstum des Inlandsmarktes beobachtet. Dagegen wiesen Scheitholzkessel (–15%), Biomasseöfen, Solarthermie (–8%) und Windkraft (bei neu installierten Anlagen) teils deutliche Marktrückgänge auf.

Diese Marktentwicklung reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Energiewende-Ziele zu erreichen. Für das Ziel von 100 % Ökostrom bis 2030 müssten ab 2020 jährlich 873 MWpeak Photovoltaik (2019: 247 MWpeak) und 400 MW Windkraft (2019: 152MW) installiert werden. Dies gilt nur unter der Voraussetzung, dass das im Szenario unterstellte Wachstum für Wasserkraft, Biomasse-KWK und Biogas ebenfalls stattfindet.

Peter Biermayr betonte im Rahmen der Präsentation, dass die Ziele für 2030/40 sofort umgesetzt und mit den heute verfügbaren Technologien erreicht werden müssten. Aufgrund der Systemträgheiten reiche die Zeit nicht aus, um auf die Entwicklung von Innovationen zu warten. Die Umsetzung der Energiewende müsse jetzt dringend vonstatten gehen. Weiteres Zuwarten bedeute lediglich, dass die fossilen Energien weiterhin den Markt beherrschen und die Klimaziele unerreichbar bleiben. Es seien bei allen vorhandenen Erneuerbaren genug Ausbaupotenziale vorhanden, um die Energiewende zu schaffen. Anstrengungen im Bereich der Energie- und Umweltpolitik müssen deutlich gesteigert werden. In Zeiten billiger fossiler Energie und fehlender Kostenwahrheit müssen politische Instrumente in einem völlig neuartigen Umfang eingesetzt werden, um die Energiewende voranzutreiben. Ein positives Beispiel sei die „Raus aus Öl“-Kampagne. Diese sollte intensiviert werden und der Start einer „Raus aus Erdgas“-Kampagne müsste unmittelbar folgen, forderte Biermayr. Ein Ausstieg aus der Nutzung von Erdöl und Erdgas sei eine Voraussetzung zur Erreichung der Klimaziele. Die Neuinstallation von fossilen Heizungssystemen müsse daher dringend unterbunden werden.

Die durch die Corona-Pandemie herbeigeführten Strukturbrüche könnten genutzt werden, um historisch gewachsene Barrieren zu überwinden, unterstrich Biermayr. Konjunkturpakete sollten einen eindeutigen Fokus auf die Entwicklung eines nachhaltigen Energie- und Gesellschaftssystems legen.

Linktipp:

https://nachhaltigwirtschaften.at/de/publikationen/markterhebungen.php

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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