PPAs als Zukunftsmodell und warum sich unser Energiedenken ändern wird

Lesedauer: 4 Minuten

In diesem Beitrag skizziere ich Ideen, wie man mit PPAs (Power-Purchase-Agreements) einige große Hürden in der erneuerbaren Energiewirtschaft überwinden könnte, und warum man den großen Unterschied zwischen fossil und erneuerbar erkennen muss.

Warum der jährliche Anbieterwechsel ein Problem ist

Früher war es so, dass man ein Leben lang beim selben Stromanbieter war. Es waren Monopole und man musste den Preis schlucken, der eben gerade vorgegeben war. Das war wichtig, weil die Energieversorger eben Investitionen mit einer Laufzeit von 50 bis 100 Jahren getätigt haben. Deshalb war es auch wichtig, dass sie überleben, damit auch die Kraftwerke überleben können. Irgendwann wurde das vielleicht ein biiiisssi übertrieben und dann fiel dieses Modell der Liberalisierung vieler Märkte zum Opfer. Kunden wurden mit viel Geld animiert doch bitte nicht immer beim selben Energieversorger zu bleiben, sondern tunlichst jährlich zu wechseln, damit sie immer den günstigsten Stromanbieter haben. Dann kamen die Erneuerbaren und haben alles auf den Kopf gestellt.

Bei Fossilen ist der Preis volatil – bei Erneuerbaren über Jahrzehnte kalkulierbar

Diese Erkenntnis hat mich diese Woche getroffen wie der Blitz. Auch wenn das wie eine „Eh-logisch-Geschichte“ klingt, ist mir die Tragweite davon erst jetzt so richtig bewusst geworden. Bei fossilen Energieträgern hängt der Preis für die Kilowattstunde sehr stark vom Rohstoffpreis von Öl und Gas ab. Dieser hüpft je nach Wirtschafts- und Marktlage fröhlich hin und her und ist eigentlich unberechenbar, wie wir auch beim kürzlichen Preissturz während COVID-19 gesehen haben. Bei den Erneuerbaren ist das Spiel hingegen völlig anders. Mit dem Tag, an dem das Windrad oder die Photovoltaikanlage steht, ist klar, um wie viel ct/kWh die Anlage die nächsten 20 – 40 Jahre produzieren wird, weshalb auch in der Krise ganz normal weitergebaut wurde. Es gibt keinen Raum für Spekulation und es ist eine relativ sichere Sache.

Die Erneuerbaren müssen bei einem Spiel mitspielen, welches für eine andere Sportart gemacht wurde

Diese beiden Energieformen, die völlig andere Rahmenbedingungen brauchen und haben, werden ständig in einen Topf geworfen. Die Erneuerbaren müssen bei einem Spiel mitspielen, das für eine andere Mannschaft, ja sogar für eine andere Sportart, gemacht wurde. Das ist, als würde man einer Fußballmannschaft sagen, sie müsse jetzt Volleyball spielen. Diese Mannschaft wird nie eine Meisterschaft gewinnen. So haben die Erneuerbaren im jetzigen System eben mit all den Hindernissen zu kämpfen, die diese Ungleichheit ausmacht.

Mir ist dieser eklatante Unterschied heute aufgefallen, nachdem ich viel über PPAs (Power-Purchase-Agreements) nachgedacht habe.

Die Zukunft der Erneuerbaren liegt in langfristigen Lieferverträgen

Ich glaube fest daran, dass die Zukunft in diesen PPAs liegt. Diese sind nichts Anderes als langfristige Stromlieferverträge. Im Grunde geht es darum, dass ein Betreiber eines Kraftwerks während der Bauzeit mit einem Abnehmer einen Vertrag abschließt, in dem geregelt ist, dass er oder sie für 10 – 20 Jahre den Strom um, sagen wir, 5 – 7ct/kWh abnimmt. Nachdem mit dem Tag der Installation klar ist, um wie viel ct/kWh bei der Sonneneinstrahlung am jeweiligen Standort produziert werden kann, ist das gerade für Wind- und Solarkraftwerke die ideale Form. In der Vergangenheit hat der Staat diese Rolle übernommen und über Einspeisetarife die langfristige Abnahme gesichert. Für den richtig großen Roll-Out braucht es aber einen Rechtsrahmen, in denen PPAs möglich sind und idealerweise auch incentiviert werden. Denn von heute auf morgen wird sich sicher kein Unternehmen langfristig verpflichten, Strom abzunehmen.

Öffentliche Institutionen als erste Abnehmer von PPAs?

Nachdem die langfristigen Verträge mit Unternehmen derzeit vielleicht noch etwas schwierig sind, könnten im ersten Schritt zum Beispiel öffentliche Unternehmen den Strom von großen Solarkraftwerken abnehmen, weil sie vielleicht selbst keine Dachfläche in ausreichender Größe zur Verfügung haben. Im nächsten Schritt könnten dann Auflagen kommen, dass jeder mindestens 30 % Sonnenstrom in seinem Energiemix haben muss und, wenn das eigene Dach dafür nicht reicht, eben über PPAs diesen Strom zukaufen muss. Dieser wird langfristig um nichts teurer, ja sogar günstiger sein, als jener vom Netz. Einzige Bedingung ist eben ein langfristiger Liefervertrag. Dieser wird in unserer kurzlebigen Welt nur dann eingegangen, wenn es Regularien gibt, die dies vorgeben.

Was meint ihr zu diesen Ideen? Wo funktionieren PPAs bereits? Wie sind dort die Konstellationen? Freue mich auf eure Inputs.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

3 Comments

  1. Liebe Cornelia,

    ja, die gleichen Möglichkeiten bestehen auch über Energie-Gemeinschaften wie zB ourpower.coop. Die regionalen ÖkostromerzeugerInnen können „Ihren“ Energiepreis selbst einstellen und auf 7-10 Jahre fixieren – die NutzerInnen am OurPower-Marktplatz „sichern“ mit Ihren Bezug den eigenen Strompreis auf eben so viele Jahre ab. In Zukunft können auch neue Ökostromkraftwerke über dieses commitment, unabhängig von sonstigen Unterstützungen, errichtet werden …

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