Gratis PV-Anlagen in Italien?

Was steckt dahinter?

In Italien wurde der COVID-19 Relaunch Decree (Decreto Rilancio) veröffentlicht und ich möchte mir heute ansehen, was hinter diesen Headlines steckt, wie Italien vor hat, den Photovoltaikmarkt zu beleben, und ob wir auch für Österreich etwas daraus lernen können.

Wer aufmerksam die Online-Medien im Energiebereich durchforstet, ist diese Woche an folgender Meldung nicht vorbeigekommen.

Mehrere Magazine titelten:

Rabatt auf die Einkommensteuer als Öko-Bonus für Investitionen bis 31.12.2021

Ich habe mir nun angesehen, was es mit den Headlines auf sich hat. Es ist jedenfalls nicht so, dass den Leuten in Italien jetzt kostenlos die Panels aufs Dach montiert werden. Es handelt sich viel mehr um ein sehr schlaues Modell, um SCHNELL inländische Investitionen auszulösen, weil es gerade jetzt wichtig ist, dass die Menschen nun in für die Gesellschaft wichtige Dinge investieren. Dabei können zwischen 65 und 110% der Investitionen als Rabatt auf die Einkommensteuer (IRPEF) geltend gemacht werden. Das PV-Magazin erklärt auch drei verschiedenen Modelle, wie dieser Bonus eingelöst werden kann:

  1. Abschreibung der Kosten über die nächsten 5 Jahre und damit Steuervergünstigungen in dem Ausmaß, wie hoch der eigene Steuersatz ist.
  2. Übertragung der steuerlich absetzbaren Zulagen für Installateure und Produktlieferanten – Das finde ich besonders spannend, weil das dann auch für Menschen, die z. B. wenig Steuern zahlen, ein Benefit sein kann, hier dann tatsächlich weniger zu bezahlen ist, und es den Installationsmarkt stark belebt.
  3. Durch in Rechnung gestellte Rabatte.

Den letzten Punkt verstehe ich nicht ganz und ich konnte bei Italia Solar auch niemanden erreichen, der mir das genauer erklären konnte. In den letzten beiden Fällen ist es nämlich tatsächlich so, dass sich die Summe, die investiert werden muss, substantiell verringern kann. Falls hier jemand von euch mehr Infos hat, wie das gehandhabt wird, freue ich mich über Infos in den Kommentaren.

Überschussstrom muss dem Staat geschenkt werden

Einen ganz besonderen Nebensatz habe ich auch noch entdeckt. Dafür, dass der italienische Staat hier so großzügig auf Einkommensteuer verzichtet, möchte er zumindest den überschüssigen Strom vermarkten können. Es gibt daher für Strom keine Einspeisetarife und der Überschuss muss kostenlos an die Gestore dei Servizi Energetici (GSE) übergeben werden. Das löst im Privatanlagenbereich gleich zwei große Probleme: Es wird ein Anreiz für den Bau von Privatanlagen geschaffen, und der Überschussstrom, für den es ohnehin meist nicht viel gibt, wird gemeinschaftlich von der GSE vermarktet.

Italien könnte der nächste Boommarkt werden

Ich denke, dass diese tatsächlich STEUERNDE Maßnahme wirklich sehr gut funktionieren wird, und die Italiener die nächsten 1,5 Jahre massiv in diese Richtung marschieren werden. Dadurch, dass ein Enddatum definiert wurde, werden alle starten, die schon lange über eine Anlage nachdenken. Was meint ihr? Wird die Post abgehen? Könnte dieses Modell, in dem der Staat mit Steuern steuert, auch für uns funktionieren?

Ich freue mich auf Kommentare!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

  1. Die Steuerbegünstigungen für Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare rund um’s Wohnhaus sind in Italien ja schon seit vielen Jahren erfolgreich. Dieses gut eingespielte System kann man dort jetzt nützen, um durch das Anheben der Fördersätze Klimaschutz und Konjunkturbelebung gemeinsam weiter zu bringen.

    Der eine oder die andere wird sicher schon länger angedachte Investitionen vorziehen. Ich bin auch der Meinung, dass so ein Klimabonus in Form eines Steuerabzugs in Österreich durchaus einen Versuch wert wäre…. wir sehen uns das gerade auch genauer an.

    Übrigens: auf Seite 2 unter folgendem Link sind die drei Varianten nochmals etwas anders beschrieben: https://kdocs.kpmg.it/Marketing_Studio/270520_COVID-19_Relaunch_Decree_Tax.pdf

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