Kohleausstieg in Österreich

Und keinen kümmerts?

Soeben habe ich mehr durch Zufall denn durch große Headlines erfahren, dass mit 17.4.2020 der Kohleausstieg in Österreich vollzogen wurde! Das letzte Kohlekraftwerk in Mellach, betrieben vom Verbund, ist vom Netz gegangen!

Ich finde, das sind wirklich Big News, warum hört man davon so wenig? Ich verstehe ja, dass in Zeiten von Corona in den Medien wenig Platz für solche Themen ist, aber das ist ja nicht unwesentlich für das viel stärkere Fieber, das uns plagt… die Erderwärmung. Und ein solcher Schritt hat sogar in Deutschland für einen Bericht im Hauptabendprogramm gereicht, aber in Österreich habe ich wenig mitbekommen.

Ich habe dazu kurz auch mit der EEÖ – dem Verband der Erneuerbaren – gesprochen und die neue Geschäftsführerin Martina Prechtl-Grundnig um ihre Einschätzung dazu gebeten. Außerdem habe ich ihr ein paar Fragen dazu gestellt, wie Sie die Zukunft der Erneuerbaren im Lichte Coronas einschätzt.

Liebe Frau Prechtl-Grundnig, seit wann sind Sie die neue Geschäftsführerin des Verbandes und was werden Ihre Schwerpunkte sein?

Martina Prechtl-Grundnig: Der Vorstand des Verbandes hat mich vergangenen Dienstag einstimmig mit der Geschäftsführung betraut. Für mich ist es eigentlich eine Rückkehr, denn nach der Gründung des EEÖ, an der ich maßgeblich mithelfen durfte, war ich bereits für 6 Monate interimistische Geschäftsführerin des Verbandes.

Was meine Schwerpunkte betrifft – inhaltlich liegt die Arbeit mehr oder weniger auf der Hand: es gilt, die Erneuerbaren als Herzstück der „wirtschaftlichen Wiederbelebung“ nach der Corona-Krise zu etablieren. Die Weichen müssen jetzt richtig gestellt werden und das aktuell schwierige wirtschaftliche Umfeld muss als Chance für echte Systemveränderungen begriffen werden und nicht als Verhinderungsgrund. In der Detailarbeit geht es dann natürlich um entsprechende Manifestierung dieses Leitbildes im Erneuerbaren Ausbaugesetz, aber auch bei der Dekarbonisierung des Wärmebereiches und in Sachen Energieeffizienz. Wir möchten uns da intensiv einbringen und stehen breit aufgestellt mit viel Kompetenz, Erfahrung und Mut zur Verfügung.

Innerhalb des EEÖ werde ich mich darum kümmern, dass die Zusammenarbeit der Mitgliedsverbände gut koordiniert abläuft, sodass die große vorhandene Kompetenz optimal gebündelt wird und wir so eine schlagkräftige Vertretung der Branche darstellen.

Warum hört man vom Kohleausstieg so wenig, sollte das nicht auch in Coronazeiten die Titelblätter füllen?

In Sachen Kohleausstieg haben wir in Österreich heute mit der Schließung vom Kohlekraftwerk Mellach einen guten Tag erlebt. Die Erfahrungen aus Corona zeigen uns, wie wichtig es ist, die Versorgung und die heimische Wirtschaft auf unabhängige Beine zu stellen. Und das gilt natürlich auch für die Energieversorgung. Das bedeutet also ein Wirtschaften in regionalen Kreisläufen. Im Falle der Energie wird diese Qualität nur von den Erneuerbaren geboten! Das muss die Zeitungen füllen, aber auch die Bewältigung der Klimakrise. Denn die Auswirkungen dieser Krise übertreffen sonst jene von Corona bei weitem. Auch darüber muss man reden und auch in diesem Fall bieten die Erneuerbaren einen guten Teil der Lösung.

Wie sehen Sie politisch gerade die Entwicklung für das Erneuerbare Ausbaugesetz? Wird es trotzdem im Sommer den Entwurf geben?

Davon gehe ich aus. Ich bin hier einfach einmal zuversichtlich. Die aktuelle grün-türkise Regierungskonstellation und die Zuständigkeit von Frau BM Gewessler für diese Agenden bietet hier durchaus Chancen, wenn sie das Beste aus Wirtschaftskompetenz und Klimaschutz und Ressourcenverantwortung vereint. Natürlich besteht in der aktuell wirtschaftlich schwierigen Situation auch die Gefahr, dass ambitionierte Ziele im Klimaschutz hintangestellt werden und bei der Wiederankurbelung der Wirtschaft und der Schaffung von Arbeitsplätzen altbekannte Pfade beschritten werden, anstatt die hohen wirtschaftlichen Potentiale von Klimaschutzmaßnahmen zu erkennen.

Was wünschen Sie sich in Ihrer Amtszeit, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Dass man rückblickend Corona als die Zäsur festmachen kann, welche die echte Systemänderung brachte und den Weg in die Erneuerbare Energiezukunft endgültig frei gemacht hat.

Liebe Frau Prechtl-Grundnig, das nenne ich ein schönes Abschlusstatement. Ich bedanke mich für Ihre Einschätzungen, und wünsche viel Erfolg für diese so wichtige Aufgabe für die Entwicklung der Erneuerbaren!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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