Am Ostermontag gabs Geld fürs Strom verbrauchen!

Lesedauer: 3 Minuten

Nicht nur die soziale Welt, auch die Energiewelt steht in Zeiten wie diesen Kopf. Aufgrund des geringen Verbrauchs und der fabelhaften Wetterlage produzieren die Photovoltaikanlagen in Österreich, aber vor allem in Deutschland, massenhaft günstigen Strom.

Das führt dazu, dass an bestimmten Tagen und Uhrzeiten die Strompreise so weit in den Keller fallen, dass man Geld fürs Stromverbrauchen bekommt! Was in früheren Zeiten nur Pumpspeicherkraftwerksbetreibern vorbehalten war, können jetzt auch Privatverbraucher. Kurz zur Erklärung: Früher (oder vielleicht auch noch jetzt) gab es Überproduktionen meistens nur in der Nacht, wenn Atom- oder Kohlekraftwerke nicht runtergefahren wurden, aber in der Nacht logischerweise keine Verbraucher waren. In diesen Zeiten konnten Pumpspeicherkraftwerksbetreiber oft richtig viel Geld verdienen, weil sie dafür bezahlt wurden, den Strom abzunehmen.

Der Sonderfall Ostermontag

Seit es die Erneuerbaren gibt, hat sich das Spiel etwas geändert, denn diese produzieren manchmal auch mehr, als in dem Moment gerade verbraucht wird, und dann sinkt der Preis an der Strombörse (EEX), über die wir ohnehin auch erst kürzlich berichtet haben. Was sich zudem verändert hat, ist, dass nun nicht nur Energieversorger von diesen negativen Strompreisen profitieren, sondern auch Privatkunden, die einen Tarif, welcher über Viertelstundentarife abgerechnet wird und einen Smart-Meter haben. Ich habe seit einem Jahr so einen Zähler und habe hier auch über meinen Weg zum Smart-Meter und dem Viertelstundentarif, den ich seither habe, berichtet. Seitdem beobachte ich den Strommarkt noch genauer und bekomme mit, wenn so außergewöhnliche Ereignisse an der Strombörse passieren wie dieses Jahr am Ostermontag.

Strompreise an der EEX am Ostermontag – Quelle: aWattar.com

Man sieht hier genau, dass sowohl die Windkraft als auch die Photovoltaikanlagen sehr viel Strom produziert haben, und so um 15 Uhr, also wohl alle nach dem ausführlichen Ostermonntagsessen eine Siesta gemacht haben, für die Abnahme von Strom sagenhafte 7,7 ct/kWh bezahlt wurden, wenn man Strom verbraucht!! Das ist wirklich irre und solche Ereignisse werden sich in der Zukunft mehren. Und es wird sehr viele Maschinen und Produkte geben, die sich genau dann einschalten, wenn so ein Fall eintritt, was langfristig auch wieder zu einer Abflachung dieser Kurven führen wird, wenn der Strommarkt es zulässt, dass Menschen belohnt werden, die netzdienliche Maßnahmen treffen und genau dann Strom verbrauchen, wenn gerade zu viel da ist. Man sieht auch sehr gut, dass der Preis zu Mittag zwar noch immer positiv, aber nicht ganz so hoch war, weil da die Herde geglüht haben ;).

Ostersonntag gabs weniger Wind

Wer sich wie ich fragt, wie diese ganze Geschichte am Ostersonntag ausgesehen hat, wird mit diesem Bild schlauer.

Strompreise am Ostersonntag – Quelle: aWattar.com

Hier sieht man, dass es sogar noch mehr Sonnenstrom gab, als am Ostermontag, aber dafür keinen Wind. Es war einfach ein herrlicher Frühlingstag und wir werden uns noch lange an diesen wunderschönen Tag erinnern.

Wie seht ihr diese Entwicklungen? Freu mich über Fragen und Einschätzungen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

4 Comments

  1. Früher gab es zwar in der Nacht günstigere Preise, die zum Hochpumpen genutzt und dann durch Spitzenverbrauchsabdeckungen wieder versilber wurden, aber in der reinen Fossilen Zeit gab es keine Negativpreise. Das gibt es erst in der jüngeren Geschichte, wenn EE punktuell sehr viel Stromliefern. Nachdem das aber nur für wenige Stunden passiert, können konventionelle Kraftwerke nicht einfach herunterfahren und zum anderen braucht es die rotierenden Massen für die Systemstabilität, sonst kracht das Ganze zusammen. Siehe dazu auch https://www.saurugg.net/2020/blog/krisenvorsorge/die-corona-krise-und-die-steigende-blackout-gefahr

    Und die geringen Kosten oder sogar Gutschrift werden dann locker wieder durch die Netzentgelte aufgefressen, weil die erforderlichen Eingriffe zur Stabilisierung darüber abgerechnet werden.

    Wir brauchen ein dezentralisiertes Energiezellensystem, damit dieser Wahnsinn (in jeder Hinsicht) eingebremst wird. Denn ein Blackout würde einen immensen Schaden verursachen, der durch nichts ersetzbar ist.

    lg
    Herbert

  2. Eine feine Sache; mit dem Konzept konnte ich meinen durchschnittlichen Preis pro Kilowattstunde bereits auf 2,89cent drücken, letzten Monat.

    Ostermontag haben wir dann einfach das Vorkochen für die Woche auf 14 Uhr gelegt und so, rein was den Energiepreis betrifft, sehr viel gespart.

    Was ich aber am Artikel noch vermisse: Ja, für die Energieabnahme werde ich bezahlt, man darf aber nicht vergessen, dass Netzabgaben und Steuern immer noch 2/3 des Gesamtpreises betreffen und hier natürlich auch nach kWh bezahlt. Das sollte man immer erwähnen denn mit einem „Plus“ wird man als normaler Anwender ohne Photovoltaik am Dach nie aussteigen können.

    • Das ist ein sehr wichtiger Punkt Holger. Vielen Dank für den Hinweis. Für mich ist das so logisch, dass ich manchmal vergesse das dazuzusagen. Deutlich mehr sparen kann man mit der eigenen Photovoltaikanlage. Aber auch das ist eben eine Möglichkeit.

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