2. Österreichische Jugendkonferenz

Persönliche Erfahrungen

Die Uni hatte gerade erst wieder in ein neues Semester gestartet, erste Frühlingsgerüche machten sich bemerkbar und ich saß in einem Railjet, um quer durch ganz Österreich zur 2. Österreichischen Jugendkonferenz nach Vorarlberg zu fahren und fragte mich nur „Was genau tue ich da eigentlich?“. Doch wie kam es überhaupt dazu?

Monate zuvor stieß ich durch Zufall auf die Anmeldeseite zur besagten Jugendkonferenz, las etwas von Youth Goals und engagierten Jugendlichen, und beschloss in einer Kurzschlussreaktion, mich einfach einmal auf gut Glück zu bewerben. In meinem Gedächtnis schon recht nach hinten geschoben, kam dann Ende Jänner nach einer ersten Absage, doch plötzlich eine Zusage und ich beschloss, die Chance zu ergreifen. Anfang März begab ich mich also früh morgens in den Zug, um nach Vorarlberg zu reisen, wo ich schon die erste Teilnehmerin kennenlernte, die ähnlich planlos wie ich erschien und auch nicht wusste, was uns erwarten würde.

Insgesamt nahmen an der dreitägigen Konferenz rund 60 Jugendliche im Alter von 16 bis 29 Jahren aus ganz Österreich und Südtirol teil, sowie mehrere ältere Personen, die im Bereich der Jugendarbeit und Jugendpartizipation tätig waren. Der erste Halbtag bestand darin, einen Überblick zu bekommen, wer die Teilnehmerinnen und Teilnehmer denn wahren, mit welchen Hintergründen sie teilnahmen, und was die Ziele der Konferenz waren. Ein Teil der Jugendlichen war anwesend um allgemein die Meinungen und Bedürfnisse der österreichischen Jugend zu repräsentieren, weitere um deren Jugendorganisationen zu vertreten – so wie ich das Ökosoziale Studierendenforum – und ein dritter Teil arbeitete beruflich mit Jugendlichen zusammen. Ziel der Konferenz war es, die Umsetzung der Youth Goals in den einzelnen Bundesländern zu diskutieren.

Doch was sind jetzt diese Youth Goals? Basierend auf der Meinung von rund 50.000 jungen Europäerinnen und Europäern wurden 2018 die 11 Youth Goals mit konkreten Unterzielen definiert. Beteiligt waren dabei Jugenddelegierte aller EU-Staaten in wissenschaftlicher Begleitung. Ziel ist es, die Politik auch im Sinne junger Menschen zu gestalten. Dazu gibt es den EU-Jugenddialog auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene.

Der EU-Jugenddialog beschäftigt sich jeweils immer drei Jahre mit dem Fokus auf drei spezielle Ziele. Zur Zeit sind diese #6 „Jugend im ländlichen Raum voranbringen, #7 „Gute Arbeit für alle“ und #8 „Gutes Lernen“, weshalb sich auch die 2. Österreichische Jugendkonferenz auf diese drei Ziele fokussierte. Diskutiert wurden die Ergebnisse einer österreichweiten Befragung zu den drei Zielen, um in weiterer Folge Visionen und Forderungen an die Politik zu formulieren. Die Ergebnisse dazu sind hier einsehbar.

An den ersten beiden Tagen der Konferenz wurden also viele verschiede Sichtweisen, Erfahrungen, Bedürfnisse, aber auch Projekte aller Art diskutiert. Dies geschah in verschiedensten Formaten, von Kamingesprächen bis zum Open Space und stets sehr diszipliniert. Es war bemerkenswert zu sehen, wie die vielen Jugendlichen sich freiwillig mit soviel Motivation und Begeisterung dafür engagieren, um in der Politik mehr gehört zu werden.

Am dritten Tag der Konferenz wurde ein Dialog mit mehreren Landesjugendrätinnen und-räten organisiert. Leider fiel dieser in den Augen aller Beteiligten zu kurz aus. Dennoch war es schön zu sehen, wie sich die Politikerinnen und Politiker tatsächlich für die Anliegen und Interessen der Jugend interessieren. Zu guter Letzt gab es noch eine Abschlussrunde, um die vielen Erlebnisse der vergangenen Tage gemeinsam zu reflektieren, bevor sich schließlich alle wieder auf die Heimreise, zurück in die verschiedensten Regionen, begaben.

Für mich persönlich war die Teilnahme an der Konferenz eine unglaubliche Bereicherung. Ich durfte viele inspirierende Menschen mit den diversesten Hintergründen kennenlernen, konnte viel über Jugendpartizipation lernen und habe mir als persönliches Ziel gesteckt, die Youth Goals mehr zu verbreiten, denn je länger ich mich mit ihnen beschäftigte, desto spannender und nützlicher fand ich sie. Weiters ist noch zu erwähnen, dass durch die gesamte Veranstaltung hindurch auf Nachhaltigkeit geachtet wurde. Angefangen bei Öko-Textmarkern und Knetmasse aus Naturprodukten bis hin zu veganem und regionalem – zugleich ausgesprochen gutem – Essen für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Ich habe in meiner Vergangenheit bereits an mehreren Konferenzen teilgenommen, wie unter anderem dem Austrian World Summit, verschiedenen Smart City Konferenzen, den Digital Days und einigen anderen, doch keine war so intensiv, forderte so viel Partizipation, bot dieses Ausmaß an Abwechslung und Diversität, und war dermaßen nachhaltig gestaltet. All das von Jugendlichen kommend, lässt mich zuversichtlich und motiviert in die Zukunft blicken.

 
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Veronika Hebenstreit

Veronika Hebenstreit

Veronika Hebenstreit absolviert derzeit den Master Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur (BOKU), wo sie sich in den beiden Schwerpunkten Mobilität und Klima spezialisiert. Nebenbei arbeitet sie als Studentische Mitarbeiterin am Institut für Verkehrswesen, ebenfalls an der BOKU. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende des Ökosozialen Studierendenforums und bei der Freiwilligen Feuerwehr, überwiegend im Bereich der Jugendarbeit.

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