Nachhaltige Entwicklung

SDGs & Abfallwirtschaft

Wo liegen die Schnittmengen der Sustainable Development Goals (SDGs) mit der Abfallwirtschaft in Österreich? Wie können wir durch den Umgang mit unseren Abfällen eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen und fördern?

Agenda 2030 und Abfall

Tatsächlich thematisiert auch die Agenda 2030 die Themenbereiche Abfall und Abfallverwertung. Besonders die SDGs 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) und 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion) verweisen auf die Bedeutung von Abfall hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung. Die Zielformulierungen in beiden SDGs haben vor allem zwei Stoßrichtungen:

  1. Durch die Behandlung und Verwertung von Abfall sollen die negativen Auswirkungen für Umwelt und Mensch möglichst geringgehalten werden.
  2. Durch nachhaltigen Konsum soll das Abfallaufkommen minimiert werden

„Abfallhierarchie“ in Österreich

Diese beiden Stoßrichtungen bzw. Ziele verfolgt auch die im österreichischen Abfallwirtschaftsgesetz verankerte Abfallhierarchie. Diese sogenannte Abfallhierarchie legt fest, wie wir unsere Abfälle so behandeln, dass die in ein Produkt investierten Ressourcen und Rohstoffe möglichst lange verwertbar bleiben.

  1. Abfallvermeidung
  2. Vorbereitung zur Wiederverwendung
  3. Recycling
  4. Sonstige Verwertung (energetisch/stofflich)
  5. Beseitigung (Deponie)

Stufe 1: Als oberste Priorität wird die Vermeidung festgelegt – wohl die größte Herausforderung. Am Ende des Lebenszyklus wird aus jedem Produkt Abfall. Wenn wir also Abfälle vermeiden wollen, müssen wir Produkte vermeiden. Somit ist unser Konsumverhalten zu hinterfragen.

Stufen 2 und 3: Als untergeordnete Hierarchiestufen werden Wiederverwendung und Recycling definiert. Kann ein Produkt in seiner ursprünglichen Funktion wiederverwertet werden (z. B. ein Kleidungsstück als Kleidungsstück oder ein Handy als Handy), ist diese Weiterverwendung der Entsorgung vorzuziehen – also die Weitergabe oder der Weiterverkauf. Kann ein Produkt oder die Ressourcen, die darin stecken, in einer neuen Form „recycelt“ werden, ist diese Option auch der Entsorgung vorzuziehen.

Stufe 4: Sind diese beiden Schritte nicht mehr möglich, gilt es zumindest noch einen Teil der investierten Energie zu nutzen. In Österreich wird dies beispielsweise durch zahlreiche Biogas- und Müllverbrennungsanlagen gewährleistet, die durch Vergärung biogener Abfälle oder Verbrennung von Energie Wärme oder zunehmend auch Kälte bereitstellen.

Stufe 5: Erst wenn all diese Verwertungsoptionen nicht mehr möglich sind, ist die letzte Stufe der Abfallhierarchie erreicht: die Beseitigung (Lagerung auf einer Deponie). Dieser Schritt der Abfallverwertung ist nicht nachhaltig. Er verbraucht aufgrund der Deponien kostbare Bodenfläche und gefährdet durch mögliche chemische Reaktionen und hohe Temperaturen Umwelt, Gewässer und Mensch.

Österreich hat eine geringe Deponierungsrate

Österreich hat durch ein umfassendes Deponieverbot – so ist etwa die Deponierung organischer Abfälle verboten – eine geringe Rate an Abfällen, die auf der Müllhalde landen. Grundanforderungen an die Deponietechnik und den Grundwasserschutz dämmen in Österreich darüber hinaus das Gefahrenpotential von Abfalldeponien ein. In zahlreichen (auch europäischen) Ländern ist die Deponierung jedoch weiterhin der primäre Verwertungsweg von Abfällen. Zum Vergleich: In Österreich liegt die Deponierungsrate bei Siedlungsabfällen bei ca. 3%, in Griechenland, Kroatien oder Malta bei um die 80%.

Abfallhierarchie anhand des Beispiels „Lebensmittelabfälle“

Lebensmittelabfälle sind ein ökonomisches, ökologisches und, nicht zuletzt, ein ethisches Problem. Die Verantwortung jedes einzelnen Konsumenten und jeder einzelnen Konsumentin ist die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Jährlich werden in Österreich Lebensmittel im Wert von € 300,– pro Haushalt entsorgt. Sollte etwas Verwertbares nicht konsumiert werden können, gibt es (als zweite Stufe der Abfallhierarchie) die Möglichkeit der Weitergabe. Durch die Kooperation zwischen Handel und sozialen Einrichtungen (z. B. Österreichische Tafel, Sozialmärkte) werden auf diesem Wege viele Lebensmittel an bedürftige Personen weitergegeben, bevor diese im Müll landen. Eine weitere Möglichkeit eines „Lebensmittelrecycling“ ist die Verwendung oder die Verarbeitung zu Tierfutter. Lebensmittel, die aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitergegeben oder -verarbeitet werden können, werden in Biogasanlagen verarbeitet. Dadurch wird durch Vergärung zumindest noch Energie bzw. mit dem Gärrest – also dem Rückstand nach der Vergärung – Dünger gewonnen. Lebensmittelabfälle, die im Hausmüll landen, werden in Müllverbrennungsanlagen zu Energie umgewandelt. Die letzte Stufe der Abfallhierarchie, die Beseitigung von Lebensmittelabfällen auf Deponien, ist in Österreich verboten. Die Einhaltung dieser Hierarchie gewährleistet daher in Österreich eine gutmögliche Verwertung von Lebensmittelabfällen.

Abfallvermeidung beginnt beim bewussten Konsum

Ein produziertes Lebensmittel kann also gegessen, weitergegeben, verarbeitet oder energetisch genutzt werden. In Summe wird eine zu große Menge an Lebensmitteln verschwendet. Daher gilt auch bei unseren Lebensmitteln: Abfallvermeidung beginnt bei bewusstem Konsum! Genaue Planung des Einkaufes, richtige Lagerung von Lebensmitteln und die Verarbeitung von Resten sind einfache Möglichkeiten, wie Lebensmittelabfälle im privaten Haushalt vermieden werden können. Langfristiges Ziel muss es sein, durch unseren Konsum auch Überproduktion zu verhindern. Auch da müssen wir unsere persönlichen und gesellschaftlichen Ansprüche bzw. Bedürfnisse überdenken. Wenn es beispielsweise unser Anspruch ist, am Samstag kurz vor Ladenschuss eine möglichst große Auswahl an Brotsorten zur Verfügung zu haben, ist es die zwingende Konsequenz, dass ein großer Teil dieses Angebotes und dieser Produkte weggeschmissen werden muss.

Kreisläufe als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

Das Bespiel „Lebensmittelabfälle“ zeigt: Ein zentraler Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung ist die Vermeidung von Abfällen. Wenn es uns gelingt, Überproduktion zu verhindern, müssen wir uns nicht die Frage nach der Entsorgung der entstehenden Abfälle stellen. Fallen Abfälle an, müssen wir in Kreisläufen denken: Wie kann garantiert werden, dass die Ressourcen und die Energie in einem Produkt bestmöglich und mit dem geringsten Verlust in einen Verwertungskreislauf rückgeführt werden kann? Eine lineare Wirtschaft – von der Investition von Ressourcen und Energie über den Gebrauch bis hin zur Entsorgung – ist offensichtlich keine nachhaltige Option und auch kein Pfad zur Erreichung der Agenda 2030 mit ihren SDGs.

Quellen und weiterführende Informationen

 
About the Author

Florian Leregger

Florian Leregger

Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen! Die Sustainable Development Goals bieten uns dafür Handlungsoptionen. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement (Fachbereich: Regionale Entwicklung) an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Zu seinen Schwerpunkten zählen Themen in den Bereichen Klimawandel, Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs). Neben bisherigen Berufserfahrungen und ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Forschung und Umweltpädagogik sammelte er während seiner Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Uganda und Costa Rica, wertvolles Wissen und Erfahrungen.

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