Mit Holz Geld sparen

Das Verwenden erneuerbarer Energiequellen wird in Österreich immer lukrativer. Auf der einen Seite kündigen sich mit der neuen Regierungsbeteiligung der Grünen höhere Förderungen an. Das PV-Fördervolumen wurde verdoppelt. Der „Raus aus dem Öl“-Bonus für den Kesseltausch von fossil auf erneuerbar soll mit dem nächsten Budgetbeschluss fortgeführt werden. Andererseits punkten die Erneuerbaren mit niedrigen (bis gar keinen) Rohstoffkosten im Vergleich zu den fossilen Pendants.

So ersparten sich die heimischen Holzheizer (Pellets, Hackgut und Scheitholz) zwischen 2008 und 2018 rund 7 Mrd. Euro an Brennstoffkosten im Vergleich zu Heizöl-Konsumenten, wie die Analysen der Daten der Statistik Austria des Österreichischen Biomasse-Verbandes ergaben. Auch ist weiterhin der Brennstoff Holz weitaus günstiger als Heizöl. Beispielsweise betrug der Kostenvorteil von Pellets gegenüber Heizöl extraleicht im Februar rund 45%. Auch der Absatz von Biomasse-Kesseln zeigt wieder einen positiven Trend auf. Mit einem Plus von 18% sind Holzheizungen die großen Gewinner des Jahres 2019, meldete die Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK).

Dieser Rückenwind wird durch die Pläne der Bundesregierung noch verstärkt: Das Verbot von Ölheizungen bei Heizungswechsel ab 2021, der verpflichtende Austausch von Ölkesseln älter als 25 Jahre ab 2025 und der Austausch aller Kessel bis 2035. Der Einbau von Ölkesseln im Neubau ist bereits seit Jahresbeginn verboten. Alle Zeichen deuten auf das Ende ölbasierter Heizungen hin. Nur im Fachverband Energiehandel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der letzte (vermeintliche) Strohhalm der Branche: „Hydrotreated Vegetable Oil“ – kurz HVO.

Die Initiative „Heizen mit Öl“ förderte jahrelang den Einbau von Heizölkesseln und hielt mit Zuschüssen das Produkt künstlich am Markt. Ende 2019 zog sich der größte heimische Ölkonzern OMV von der Förderung zurück. Bis dorthin wollte man Alternativen zum fossilen Brennstoff vorstellen. Dieses neue Zugpferd ist in den Augen des Fachverbandes Energiehandel das HVO, das im Augenblick den Heizöl-Konsumenten als Alternative versprochen wird. Dieses wirft aber viele offene Fragen auf:

Wo wird das HVO hergestellt? In Österreich ist keine einzige HVO-Produktionsanlage in Betrieb, nicht einmal eine Pilotanlage, weshalb die marginale, in Österreich eingesetzte Menge bereits jetzt importiert werden muss. Aufgrund der hohen Kosten wird es laut Experten auch keine Produktion in Österreich geben.

Woraus besteht HVO? Laut dem Biokraftstoffbericht des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus 2019 besteht das in Österreich eingesetzte HVO zu 99% aus Palmöl.

Was kostet HVO? Trotz intensiver Recherchen konnte ich nicht herausfinden, wie viel 1 Liter HVO in Österreich kostet. In reiner Form wird es bei uns auch praktisch nicht eingesetzt. Experten zufolge belaufen sich die Kosten aber deutlich über 1 Euro.

HVOs ohne Palmöl haben künftig eventuell eine Berechtigung im Mobilitätsbereich, da es hier wirtschaftlicher und effizienter eingesetzt werden kann. Ich kenne weder eine HVO-Anlage noch einen Palmöl-Bauern in Österreich. Mit HVO rund 600.000 Ölheizungen versorgen zu können, ist aus meiner Sicht ein leeres Versprechen. Den Ersatz fossiler Importe durch Palmöl-Einfuhren anzustreben, kann auch nicht unser Ziel sein, da es genügend andere, saubere und günstigere Alternativen gibt. Eines ist aber klar, die Argumentationsnot der Ölkessel-Förderer wird stetig steigen …

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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