Meine PV-Anlage hat sich „amortisiert“ – und jetzt?

Das Solarzeitalter

Diese Anlage hätte eigentlich erst 2021 in Betrieb gehen dürfen.

Wer mich kennt, weiß, dass es mir bei Amortisationszeiten von Photovoltaik die Haare aufstellt, weil es schlichtweg die falsche Frage ist. Die heute wichtigste Frage ist: Um wie viel ist der Strom vom Dach günstiger als jener vom Energieversorger. Und die Antwort darauf ist 20-60%!

Um aber auch diesen „Durst“ zu bedienen, mache ich mir heute die Mühe und schaue mir meine eigene Dachgold-Photovoltaikanlage an. Vor 8 Jahren, als ich mein erstes Projekt umgesetzt habe, nämlich meine höchstpersönliche eigene Anlage, hatte ich ausgerechnet, dass die Investition in 7-8 Jahren wieder drin sein sollte. Weil ich ja selbst auch prüfen möchte, ob meine Berechnungen damals schon gestimmt haben, mache ich das nun. Vorher aber eine kleine Geschichte wie es zu dieser Anlage kam und was alle Leser und Leserinnen daraus lernen können.

Ich erinnere mich noch gut an das Jahr 2010, als ich schon ein paar Jahre in der Photovoltaikbranche gearbeitet hatte. Ich beschloss mein eigenes Unternehmen zu gründen und Unternehmen dabei zu begleiten, ihr PV-Projekt umzusetzen. Damit ich das tun konnte, wollte ich aber zuerst selbst eine eigene Anlage umsetzen, damit ich nicht Wein predige und Wasser trinke. Da ich außerdem noch keine Kunden hatte, musste ich ja irgendwo üben, wie der ganze Prozess abläuft. So kam es, dass ich 2011 bei der OEMAG (die Förderabwicklungstelle) meinen Antrag einbrachte und erstmal eine Absage bekam. Der Andrang auf die Förderung war so groß, dass die Warteliste bis ins Jahr 2025 voll war. Auf meinem Bescheid stand tatsächlich das Jahr 2021 !! als voraussichtliches Jahr, in dem meine Förderung genehmigt würde. Leider habe ich diesen Bescheid nicht mehr, denn es wäre heute ein großartiges Relikt aus der Zeit vor der ersten Ökostromnovelle.

Großes Learning: Es gibt kein zu früh für den Start von Projektentwicklungen

Ich wusste damals natürlich schon, dass in der Regierung etwas im Busch war und diese Zustände nicht tragbar waren. Was ich damals aber gelernt habe, war: NIEMALS warten bis alle Gesetze auf dem Tisch liegen. Man kann in unserem Energiefördersystem nur gewinnen, wenn man beginnt, bevor es alle anderen auch tun. Diese Erkenntnis hat uns
seither viele erfolgreiche Projekte beschert und ich rate auch allen, die auf das große Energieausbaugesetz warten, so schnell wie möglich mit der Projektentwicklung zu beginnen. Wenn es dann richtig losgeht, wird es schwer werden, Unternehmen zu finden, die noch Kapazitäten haben und zudem ist das aktuelle Fördersystem großartig. Es wird nicht möglich sein, allen Firmen und Unternehmen so viel Geld pro Projekt zu geben, wie es im derzeitigen System der Fall ist.

Im August 2012 ging es los

2011 gab es dann, wie erwartet, nach der Ökostromnovelle den großen „Wartelistenabbau“. Alle Projekte, die einen starken Abschlag von 36ct/kWh auf 28,67 ct/kWh in Kauf nahmen, wurden kontrahiert, also unter Vertrag genommen. Dank der stark gefallenen Modulpreise war auch der verringerte Tarif noch sehr attraktiv. Im August 2012 war es dann endlich so weit und meine Dachgold Anlage ging ans Netz. Ich konnte sie mit der Hausbank und gemeinsam mit meinen Eltern finanzieren, mit Kosten von etwa 18.000,- netto und einer Finanzierung auf 10 Jahre. Es waren dann letztendlich Yingli Module und ein SMA Wechselrichter, falls das jemanden interessiert.

Meine Berechnungen damals gingen von folgenden Annahmen aus:

  • 28,67 ct/kWh Einspeisetarif für 13 Jahre
  • 950 kWh/kWp Ertrag – im Waldviertel wohlgemerkt!
  • 7-8 Jahre Amortisationszeit

Punktlandung ist noch untertrieben

Nachdem ich wusste, dass wir nun etwa in dieser Range sind, habe ich mir mal die Mühe gemacht, das Monitoringportal wieder zu besuchen. Am Anfang schaut man ja ständig aufs Portal, aber wenn das Teil einfach immer reibungslos funktioniert, wird es irgendwann nicht mehr so spannend. Ich war heute wirklich richtig positiv überrascht. Ein bisschen so wie, wenn man sein Aktienportfolio nach ein paar Jahren wieder ansieht und auf einmal ein Gewinn draufsteht.

2016 als schmerzlichstes Monitoring Jahr

In dieser nächsten Grafik sieht man die 62.000 kWh Erträge genau aufgeschlüsselt in den einzelnen Jahren. Was auffällt ist das Jahr 2016. Man könnte meinen es war besonders wenig Sonne oder, dass die Module auf einmal schon kaputt waren. Leider war es nur unsere eigene Nachlässigkeit. Nach einem Gewitter hatte sich ein Strang zur Sicherheit weggeschalten und weil 4 Jahre lange alles gut gelaufen war, haben wir nicht so oft auf die Fehlermeldungen vom Wechselrichter geschaut. Meistens war es eine schlechte W-Lan Verbindung, und so hat die Anlage mitten im Sommer ein paar Wochen nur mit halber Leistung gearbeitet, weil wir die Sicherung nicht wieder reingegeben haben. Was lernen wir daraus? Monitoring ab und zu mal prüfen macht schon Sinn. Aber dass man mal vergisst, kommt in den besten Familien vor. Auf die Amortisationszeit hatte dieser Fauxpas wohl eine Auswirkung von wenigen Tagen/Wochen.

Von Degradation keine Spur

Was diese Werte auch zeigen. Man kann auch nach acht Jahren keine Aussage über irgendeine Form von Degradation treffen. Ein gutes Sonnenjahr macht jede Degradation hinfällig und in einem schlechten Sonnenjahr helfen auch die besten Module nicht. Gott sei Dank halten sich die Abweichungen in Grenzen.

Ja, was ist nun?

Wie wir auch vielen Kunden sagen, merkt kein Kunde, ob und wann sich die Anlage amortisiert hat, sie spart vom ersten Tag an Kosten oder beschert laufende Einnahmen. Ich kann nun aber stolz sagen, bei mir hat wirklich alles so funktioniert, wie berechnet und statt den prognostizierten 950 kWh/kWp kamen 960 kWh/kWp, trotz unseren kleines Einbruchs 2016, heraus.

Was bleibt am Ende zu sagen? Jeder Tag, den man mit der Anlage wartet, ist ein verlorener Tag. Die Zeit ist reif für das nächste Zeitalter der Menschheit. Das Solarzeitalter. #solarageiscoming

Bilder: Vorschaubild: (c) Tony Gigov/Tausendundein Dach), Artikel (c) Dachgold

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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