Klimaneutral über den Atlantik

Ohne Flug den Atlantik zu überqueren, ist so etwas möglich? Die Klimaaktivistin Greta Thunberg machte es uns gleich zweimal vor. Doch ist es auch für Personen möglich, die nicht in der Öffentlichkeit stehen? Ja, das ist es, aber es ist auf jeden Fall eine Herausforderung.
Zuerst benötigt man viel Zeit. Während man mit dem Flugzeug den Atlantik bequem in sechs Stunden überqueren kann, braucht man mit dem Segelschiff normalerweise drei bis vier Wochen. Auch der Preis macht einen deutlichen Unterschied.

Man kann, wenn man mit dem Schiff den Atlantik überqueren will, mindestens mit dem doppelten Preis rechnen. Auf vielen Segelschiffen ist die Überfahrt nur möglich, wenn man mithilft. Das bedeutet, man muss auf das Service, welches im Flugzeug angeboten wird, verzichten und am Schiff tatkräftig mitarbeiten.

Gemeinsam mit meinem Freund habe ich die Erfahrung der Atlantiküberquerung auf der Tres Hombres, einem nachhaltigen Segelfrachtschiff, letztes Jahr gemacht. Als Trainees fuhren wir von La Palma (eine kanarische Insel) nach Barbados (eine karibische Insel) mit, und wir brauchten für diese Distanz genau drei Wochen lang. Unsere Crew bestand aus 14 Personen. Wir wurden in zwei unterschiedliche Schichten eingeteilt und hatten Arbeits- und Schlafzeiten, welche vier oder sechs Stunden lang waren. Während eine Schicht arbeitete, durfte die andere schlafen. In unserer Kabine waren wir zu sechst. Da davon aber jeweils drei Leute arbeiten waren, haben wir immer nur zu dritt darin geschlafen.

Die Tres Hombres transportiert hauptsächlich Rum, Kaffee und Kakao. Sie unterscheidet sich von anderen Segelschiffen vor allem dadurch, dass sie keinen Motor hat. Auch auf Luxus, wie eine Dusche oder einen Spiegel, muss man an Bord verzichten. Sie ist ein Arbeitsschiff, und das merkt man. Trotzdem hat sie ihren Charme und sie wird von vielen als „die Schönste“ in den Buchten und Häfen bezeichnet.

Während unseren drei Wochen auf hoher See haben wir nur zweimal ein anderes Schiff gesehen. Eines war ganz weit weg am Horizont zu sehen. Das andere Schiff war ein Fischerschiff, welches uns rund um Silvester angefunkt hat, um Fisch gegen Rum zu tauschen. Dieses haben wir dann in einem spannenden Manöver zum Austausch getroffen. Und da wir keinen Kühlschrank hatten, gab es die nächsten Tage Schwertfisch zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen.

Der Rum-Fisch-Austausch war das einzige Mal, an dem wir am Atlantik andere Menschen gesehen haben. Dafür waren die Begegnungen mit Tieren weitaus häufiger. Wir sichteten Vögel, Delfine und Wale, welche uns neugierig ein paar Stunden begleitet haben. In der Karibik kamen dann die fliegenden Fische dazu, welche hin und wieder auf unserem Deck landeten. Wir haben sie dann netterweise wieder zurück ins Meer befördert.

Warum nimmt man also eine Schiffsreise von mindestens drei Wochen mit schaukelndem Boden unter den Füßen und so wenig Luxus wie möglich in Kauf, wenn man dafür mehr bezahlen und arbeiten muss und die Distanz auch bequem in sechs Stunden mit dem Flugzeug zurücklegen kann?

Die Antwort ist ganz leicht, man hat ein Abenteuer, welches man nie wieder vergisst. Den atemberaubenden Sternenhimmel über dem Atlantik, wo man viele Sternbilder und sogar Planeten entdecken kann, wird man vom Flugzeug aus nie so bewundern können. In der Nacht lässt das Plankton Delfine wunderschön glitzern und verwandelt die Klospülung in eine Disco. Zu Weihnachten hatten wir das einzige Mal keinen Wind und konnten mit Finnwalen schwimmen. Da die Uhr täglich um ein paar Minuten umgestellt wird, kommt man in Amerika ohne Jetlag an. Und der beste Grund: Man schützt das Klima.

 
Posted in:
About the Author

Bernadette Hebenstreit

Bernadette Hebenstreit

Bernadette Hebenstreit studierte Slawistik und Publizistik und Kommunikationswissenschaft auf der Universität Wien. Nachhaltigkeit und Umweltschutz waren ihr schon in ihrer Kindheit und Jugend sehr wichtig, weshalb sie sich neben dem Studium bei dem Ökosozialen Studierenden Forum engagierte. Nach dem Studium begab sie sich auf ein Abenteuer, welches mit einer Atlantikübersegelung startete und auf ökologischen Bauernhöfen in unterschiedlichen Ländern Amerikas weiterging.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.