Was das 1-2-3 Ticket für mich bedeuten würde

Heute wurde das neue Großprojekt der Umwelt- und Verkehrsministerin vorgestellt und ich freue mich, dass auch in der Mobilität was vorangeht.


Wer mich kennt weiß, dass ich mobilitätstechnisch nicht in eine Schublade passe. Da gibt es die Wiener Gazelle, mein geliebtes rosa Fahrrad, welches auf Twitter derzeit eher ruhig ist, weil ich viel mit den E-Scootern fremd gehe. Viele wissen, dass ich nicht vorhabe, mir jemals ein Auto zu kaufen. Viele fragen dann, wie ich denn zu meinen Kunden käme, die oft nicht mitten in Wien sind und da kommt mein höchstpersönliches Multimodalverkehrssystem ins Spiel. Ich fahre so weit es geht mit dem Zug und den letzten Kilometer fahre ich mit unseren Projektleitern mit bis zum Kunden, oder ich borge mir ein Auto aus oder ich nehme ein Taxi. „Whatever works“ ist die Devise. Das geht sogar so weit, dass ich selbst, wenn ich die Möglichkeit habe mit einem Auto wohin zu fahren, zuerst prüfe, ob es nicht doch angenehmer mit dem Zug wäre. Ich habe mich selbst dabei ertappt, dass meine Gewohnheit tatsächlich nicht selbst zu fahren, sondern den Zug zu nehmen und dann mitzufahren so stark in mir verankert ist, dass ich mir denke: „Nein, Auto fahren ist mir jetzt zu mühsam, auch wenn es 20 Minuten länger dauert, setz ich mich lieber in meine übergroße rote Stretch-Limousine und lasse mich kutschieren.“ Für andere, die das Auto gewohnt sind, wäre der Gedankengang sicher genau andersrum, weil für sie es einfach normaler ist, mit dem Auto zu fahren. Gewohnheit ist hier ganz sicher ein großer Faktor.

Nach dieser Einleitung, in der klar werden sollte, dass ich vermutlich zu den Vielfahrern mit dem Zug gehöre (Pendler ausgenommen, die fahren ja jeden Tag und haben schon Sonderkarten) und wohl auch zur Zielgruppe, die angesprochen werden soll, zähle, wollte ich mir mein Bahnverhalten mal ansehen und was das Ticket für mich bedeuten würde.

74 Zugfahrten in einem Jahr

Nun habe ich mal nachgezählt, wie oft ich letztes Jahr Bahn gefahren bin. Da ich jedes Ticket mit der App gekauft habe und die Rechnung automatisch zugeschickt bekomme, ist das erstmal die einfache Übung. 74 Fahrten ergibt die Recherche in meinem Posteingang. Die meisten davon nach Niederösterreich. Ein paar nach Graz zu meinen Vorlesungen und das ein oder andere Ticket nach Salzburg oder Kärnten. Die meisten Tickets liegen zwischen 5-15 € und die paar „Fernreisen“ entsprechend mehr. In Summe habe ich ca. 1100,- fürs Zugfahren ausgegeben letztes Jahr. Mit Bussen war ich wenig bis gar nicht unterwegs. Das Busnetz und die „letzte Meile“ ist leider der große wunde Punkt in Österreich und genau das wird dann auch der Knackpunkt für das Ticket und die Machbarkeit.

Aktuelle ÖBB Jahreskarte lohnt sich für mich nicht

Ich hatte auch schon öfter überlegt, ob ich mir die Jahreskarte für den Zug kaufen soll (Kosten 1990,-/Jahr). Mein Gefühl sagte immer „eher nein“. So viel, wie eine Pendlerin täglich fährt und für die sich das vielleicht auszahlt mit 5,-/Tag, fahre ich dann doch nicht. Und jetzt, wo ich es mal nachgerechnet habe, stimmt es auch so. Das Österreichticket ist für mich nicht zielführend. Das 1-2-3 Ticket hingegen schon. Es wäre derzeit zwar gleich „günstig“, nur mit dem Unterschied, dass ich mit einem Gesamtticket sicher noch viel mehr Strecken öffentlich zurücklegen würde.

Finanzierung tricky aber könnte ein echter Durchbruch werden

Nachdem meine 1000€ im Jahr derzeit die ÖBB zu 100% bekommt, müsste sie den Kuchen nun aufteilen, was aber wiederum dazu führen könnte, dass die Busverbindungen tatsächlich besser ausgebaut werden könnten. Derzeit beißt sich die Katze ja in den Schwanz, denn die letzte Meile ist für den Betreiber nie rentabel. Im ländlichen Raum und mit der Aufteilung könnte sich das ändern. Im Idealfall explodiert die Anzahl der 1-2-3 Tickets und der Passagiere, sodass in Summe auch für die ÖBB am Ende mehr im Topf ist als vorher.

Win-Win-Win Lösung möglich

Ich als hoffnungslose Optimistin hoffe und denke, dass sowohl die ÖBB, als auch die regionalen Betreiber sowie die Kunden hier nur gewinnen können. Es wird vielleicht noch nicht im ersten Jahr so klappen, dass es sich für alle ausgeht, aber die Zahlen für das Generalabo in der Schweiz sprechen für sich (490.000 Abonnenten), wenn man es langfristig plant, können alle nur gewinnen. Und dem Klima hilft es natürlich auch, wenn die Züge und Busse voll und nicht halb leer herumfahren.

Mein Fazit

Ich würde es definitiv kaufen. So wie viele andere wohl auch. Ich habe in meine Berechnung ja noch nichtmal mein Jahresticket für die Wiener Linien mit eingerechnet. Also viel Erfolg bei den Verhandlungen!

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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