Photovoltaik Förderupdate 2020 – Was Sie wissen müssen.

Die Türkis-Grüne Regierung ist noch immer am Verhandeln und das führt dazu, dass viele, die derzeit eine Investition in Photovoltaik überlegen, zuwarten, weil sie sich von der neuen Regierung einiges erwarten. Da mir die Frage, was denn nun schlauer ist, sehr oft gestellt wird, hier mein persönlicher Senf dazu.

Förderung auch jetzt schon top – aber begrenzt

Was viele in diesem Zusammenhang übersehen ist, dass die derzeitige OeMag Förderung bereits extrem gut ist – für alle, die ein Dach besitzen und darunter Strom verbraucht wird. Denn Anlagen mit hohem Eigenverbrauch werden im Jänner, wo der größte Andrang auf die Förderung ist, vorgereiht.

Grundsätzlich gibt es 2020 zwei relevante Fördertermine, und ich gehe nicht davon aus, dass sich bis März irgendetwas ändert. Wurde doch erst kurz vor der Wahl ein großes Photovoltaikpaket verabschiedet.

1. Tarifförderung am 9.1.2020

Dies ist derzeit die am höchsten dotierte Förderung, wo sowohl ein Investitionszuschuss von 250,-/kWp, als auch ein geförderter Tarif von 7,67 ct/kWh gewährt wird. Einziger Haken: Sie ist nur für Aufdachanlagen, und das nur bis 200 kWp. Aufgrund unverständlicher Rechtsangelegenheiten darf man auch nicht größer bauen. Bei einem Antrag von 201 kWp wird die gesamt Anlage abgelehnt, und der ganze Zählpunkt ist quasi verstopft. Diese Förderung ist für jene Dächer geeignet, die über viel Dachfläche, aber wenig Verbrauch verfügen. In diesem Fall ist nämlich auch eine Überdimensionierung der Anlage (Anlage erzeugt mehr Strom als darunter gebraucht wird) wirtschaftlich.

2. Investförderung am 11.3. 2020

Wer größer bauen will, muss deshalb auf den März warten, wo eine Förderung bis 500 kWp gewährt wird. Hier gibt es aber lediglich einen Investitionszuschuss, aber keinen Tarif für überschüssigen Strom. Diesen muss man zu Marktpreisen verkaufen. Als Zuschuss werden bis 100 kWp 250,-/kWp gewährt und ab 101 kWp nur mehr 200,-/kWp. Für Anlagen bis 200 kWp ist also die Jännerförderung attraktiver, und falls hoher Eigenverbrauch besteht, ist die Märzförderung auch sehr gut. Bei diesem Termin werden auch Freiflächenanlagen gefördert. Die Fläche muss aber vorher bereits für mindestens 24 Monate versiegelt gewesen sein .

Warten oder nicht warten, das ist hier die Frage!

Wenn mich nun Kunden fragen, ob es nicht besser ist, zu warten, was die neue Regierung bringt, antworte ich Folgendes: Was sich ändern wird müssen ist, dass nicht nur 200 MWp pro Jahr gebaut werden, sondern mindestens 500 MWp. Was also im Idealfall passieren wird ist, dass es mehr Geld zu den selben Bedingungen gibt, also dass mehr Menschen und Unternehmen profitieren. Ich halte es aber für ausgeschlossen, dass sich die Fördertarife erhöhen. Warum auch? Die Projekte sind, so wie die Förderung gestaltet ist, super attraktiv und es kann sogar sein, dass die Förderung sinkt, aber dafür mehr Projekte mit demselben Geld umgesetzt werden. Mit der Erhöhung der Mittel im Sommer ist bereits gewährleistet, dass ca. 100 MWp mehr gefördert werden. Diese müssen erstmal abgeholt werden.

Was sich ändern wird (müssen)

Dort, wo die neue Regierung viel Arbeit hat, ist vor allem im Abbau aller Hürden für die Photovoltaik. Netztarife müssen solarfreundlich ausgestaltet werden. Freiflächenanlagen für 0,5 % der österreichischen Fläche müssen erlaubt werden. Die Bauordnungen müssen nach Schikanen für Photovoltaik durchsucht werden (davon gibt es viele). Der Verkauf an Nachbarn und in Mehrfamilienhäusern muss vereinfacht werden und nicht zuletzt braucht es eine massive Aufklärungskampagne über den Status quo der Photovoltaik. Sie ist günstig. Sie ist sauber. Aber es muss einfach mehr gemacht werden. Und das kostet vor allem viel Zeit bei allen Beteiligten, die leider oft fehlt. Mit Kommunikation kennt sich Türkis ja aus. Ich erwarte mir einiges.

Was das Zuwarten kostet

Was auch viele, die jetzt zuwarten, vergessen ist, dass es jetzt, wo der Solarboom ausgebrochen ist, auch immer schwieriger sein wird, jemanden zu finden, der die Anlage qualitativ hochwertig baut. Gute Arbeitskräfte kosten Geld, und je länger man wartet, desto größer wird der Engpass an Arbeitskräften, und die Anlagenpreise werden steigen. Wir sehen schon in den letzten Jahren, dass die Steigerung der Kosten der Arbeitskräfte, die Senkung bei den Modulpreisen fast nicht mehr einholen kann, und die Anlagenpreise tendenziell steigen statt sinken. Zudem beginnt man viel später damit, eigenen günstigen Strom zu produzieren, und so stimmt auch hier mein Lieblingsspruch:

Der beste Zeitpunkt ein Solarkraftwerk zu beginnen, war gestern, der nächstbeste Zeitpunkt ist jetzt.

Cornelia Daniel

Wer hierzu nähere Fragen hat, kann sich gerne unter office@dachgold.at melden.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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