Geo-Engineering – alternativer Ausweg aus der Klimakrise?

Der Klimawandel muss gestoppt werden – daran besteht kein Zweifel. Jedem, der sich mit dem Thema auseinandersetzt, ist bewusst, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Windräder, Photovoltaik, weniger Fleisch und weniger Flugverkehr, ja vielleicht ein paar Elektroautos, und das 2°C Ziel wird locker erreicht.

Doch was passiert, wenn zum Beispiel der globale Süden an den Fleischkonsum des „Westens“ aufschließt, wenn die Menschen jede Strecke auf Grund von Spottpreisen mit dem Flugzeug zurücklegen und der Ausbau von erneuerbaren Energieträgern den Erwartungen hinterherhinkt?

Zweifellos gefährden diese, leider sehr wahrscheinlichen, Szenarien das Weltklima. Statt sich jedoch damit einfach abzufinden, wird an alternativen, wenig bekannten, Methoden geforscht, um die Erde abzukühlen. Sowohl die Verfechter als auch die Kritiker jener Lösungen haben valide Argumente. Prinzipiell lassen sich die Methoden in 2 Kategorien einteilen: jene, die darauf abzielen, Kohlendioxid der Atmosphäre zu entziehen und jene, die das Klima durch eine erhöhte Oberflächenreflexion abkühlen.

Erhöhung der Albedo

Die Albedo ist das Verhältnis zwischen der Einstrahlung auf eine Oberfläche und deren Reflexion. Das Ziel von Geo-Engineering ist, die Albedo zu erhöhen, damit weniger Licht, und damit Energie, absorbiert wird, und sich die Oberfläche weniger stark erwärmt. Die Maßnahmen dazu sind sehr unterschiedlich. Eine ist, Städte überwiegend weiß zu gestalten, sowohl Dächer als auch Straßen und Wände. In vielen Städten im Süden wird das schon seit Jahrhunderten praktiziert, im Norden ist es noch eher ungewöhnlich. Der erhoffte Effekt fällt jedoch mit 0,01 – 0,2 W/m² (im Vergleich dazu werden vom Menschen 1,5 W/m² Strahlung induziert) gering aus. Weitere Möglichkeiten sind das Installieren von reflektierenden Objekten in der Wüste oder im Ozean. Dies hätte jedoch weitreichende Konsequenzen für die Ökosysteme und den Nährstofftransport. So wird zum Beispiel Sand in der Wüste ins Meer geweht, der Eisen enthält, welches für Algenwachstum notwendig ist. Algen binden wiederum Kohlendioxid aus der Luft.

Ein anderer Versuch zielt darauf ab, die Dichte von Wolken zu erhöhen, und somit weniger Sonnenlicht auf die Erde zu lassen. Die Dichte von Wolken hängt von der Anzahl der Wassertropfen in der Wolke ab. Diese Wassertropfen bilden sich um Kondensationskerne (zum Beispiel feiner Sand, Staub oder Salzpartikel). Aus dem Meer werden Salzpartikel extrahiert und in die Luft über dem Ozean geblasen, da die Luft dort besonders wenig Kondensationskerne enthält. Probleme hierbei sind eine ungleiche Verteilung der Kondensationskerne, sowie der Eingriff in das Wettergeschehen. Weiters können Schiffe und Flugzeuge nur eine begrenzte Anzahl an Kondensationskernen transportieren.

Bindung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre

Der Ozean bindet 50-mal mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre, warum also nicht dieses Potential nutzen? Beim marinen Geo-engineering wird also versucht, das Meer als Kohlenstoffsenke zu verwenden. Bei der ersten Methode, der „Ozeandüngung“, wird versucht das Algenwachstum anzukurbeln, da diese den Kohlenstoff zuerst kurzfristig, und wenn sie nach dem Absterben zu Boden sinken, langfristig binden. Da Eisensalz die begrenzende Ressource ist, wird dieses tonnenweise ins Meer gekippt. Dazu gibt es bereits einige Versuche. Probleme dabei waren, dass die Algen nicht zu Boden gesunken sind, und der Kohlenstoff nicht langfristig gebunden wurde, oder dass das Algenwachstum bald von anderen Ressourcen begrenzt wurde.

Weiters gibt es noch die „Ozeankalkung“, die eine Erhöhung des pH-Werts zur Folge hat und CO2 bindet. Es wird auch überlegt, Ernteabfälle durch Beschwerung von Steinen am Meeresboden zu lagern, um den Kohlenstoff so nicht in die Atmosphäre entweichen zu lassen.

Bei all den Versuchen, die logistisch aufwendig und auf jeden Fall sehr kostenintensiv sind, stellt sich mir die Frage, ob eine Symptombehandlung die richtige Lösung für den Klimawandel darstellt, oder doch mehr eine Vermeidungsstrategie ist, die bisherigen Gewohnheiten nicht ändern zu müssen. Die Antwort darauf wird sich in Zukunft zeigen.

 
About the Author

Lukas Moder

Lukas Moder

Lukas hat seinen Bachelor an der Universität für Bodenkultur in Umwelt- und Bioressourcenmanagement gemacht und macht nun einen Master an der BOKU sowie den Master technisches Umweltmanagement am FH Technikum. Er engagiert sich beim ökosozialen Studierendenforum und hat ein Praktikum bei Global 2000 absolviert. Sein Fokus liegt auf einer effizienten und langfristig möglichen Ressourcennutzung und Nachhaltigkeit integriert in Unternehmensprozessen.

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