Plastikmüll

Globales Müllproblem gewinnt an Brisanz

Das globale Müllproblem gewinnt immer mehr an Brisanz, obwohl das Phänomen Müll nicht erst vor kurzer Zeit entstanden ist. Abfall gab es auch in der Vergangenheit, in den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch die Menge und die Zusammensetzung des Mülls geändert.

Ein immer größerer Teil unseres Mülls kann nicht mehr auf natürlichem Weg verrotten. Ein Teil der Abfälle ist sogar giftig. Auch der Anteil der Reparaturen sinkt, und die gewollte Obsoleszenz von Produkten ist ein weiter Aspekt des Problems.

Wegen des extrem starken Wachstums zählen neben Plastikmüll auch Mikroplastik und Elektronikschrott zu den größten Problembereichen. Der 2019 von der Heinrich Böll Stiftung und von Global 2000 herausgegebene „Plastikatlas“ geht davon aus, dass Plastik bis 2050 zwischen 10% und 13% des gesamten Kohlenstoffbudgets verbrauchen könnte, das im Hinblick auf eine Erreichung des 1,5-Grad-Ziels zur Verfügung steht.

Der Grund für die Problematik rund um Plastikmüll ist leicht erklärt. Kunststoffe sind leicht, billig, gut verformbar und langlebig. Doch genau diese Dauerhaftigkeit wird aus Sicht der Umwelt zum Problem. Von den mehr als 10 Millionen Tonnen Abfällen, die jährlich in die Ozeane gelangen, sind rund drei Viertel Plastikmüll und das Volumen steigt extrem stark an. Während in den 1950er Jahren knapp 1,5 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert wurden, sind es heute rund 400 Millionen Tonnen. Seit Beginn der Produktion wurden laut einer Veröffentlichung einer Forschergruppe um Roland Geyer von der University of California insgesamt 6,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert, davon aber nur 9% wiederverwertet und 12% verbrannt. Somit sind rund 80% des produzierten Plastiks entweder zum Teil verwittert oder immer noch vorhanden. Gemäß PlasticsEurope und Eurostat wurden allein in Europa 2015 58 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, vor allem für Verpackungen (40%), Gebrauchsgüter (22%) sowie Hoch- und Tiefbau.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP schätzt, dass mittlerweile auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe treiben. Besondere Phänomene stellen die sogenannten Müllstrudel dar, in denen sich gigantische Müllteppiche ansammeln. Der Kunststoff wird von den Meeresströmungen erfasst und bildet riesige „Plastikinseln“ aus. Der größte dieser Strudel ist der Nordpazifikwirbel oder „Great Pacific Garbage Patch“, er soll mittlerweile die etwa 20-fache Größe Österreichs er­reicht haben. Die Folgen des Plastikmülls sind für die Meeresfauna verheerend und können auch für den Menschen in zunehmendem Maße zum Gesundheitsrisiko werden.

Die größten Verursacher von Plastikmüll sind heutzutage die Emerging Markets. In einem Be­richt des World Economic Forums aus dem Jahr 2016 wird der Prozentsatz des weltweit unkontrolliert entsorgten Plastikmülls zu 80% Asien zugeschrieben.

LÖSUNGSWEGE

Die möglichen Strategien gegen Plastikmüll reichen von Sammlung und Recycling über Verbote bis hin zu biologischen Alternativen. Das Sammeln von Plastik gestaltet sich oft schwierig, denn dieses ist oft inhomogen. Eine Hinwendung zu einem „Cradle to cradle“-Prinzip könnte eine echte Kreislaufwirtschaft durch intelligentes Produktdesign ermöglichen. Die OMV versucht mit ihrem Pilotprojekt ReOil Plastik in Rohöl rückzuverwandeln. Die aktuelle Forschung versucht außerdem in zunehmendem Ausmaß, Enzyme zum Abbau von Plastik zu nutzen.

Verbote für Plastik betreffen unter anderem Kunststoffverpackungen wie das Plastiksackerl, international haben bereits einige Länder derartige Maßnahmen getroffen. In Österreich gilt ab 2020 ein Verbot von Kunststofftragetaschen, die biologisch nicht vollständig abbaubar sind und ein Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikeln in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln, sofern bis dahin keine europäische Lösung getroffen wurde. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang auch das Verbot der EU-Kommission für die zehn häufigsten Einwegkunststoffprodukte, die an Stränden der EU gefunden werden, sowie für zurückgelassene, verloren gegangene und weggeworfene Fischfanggeräte.

MIKROPLASTIK

Mikroplastik sind Plastikteile mit einer Abmessung von weniger als fünf Millimetern. Diese kön­nen als Grundmaterial für die Plastikproduktion dienen oder durch Verwitterung bzw. mechanische Einwirkung auf größere Plastikobjekte entstehen. Mikroplastik wird aber auch in Konsumprodukten verwendet, wie Zahncremen oder Duschpeelings. Aufgrund der geringen Größe können die meisten Kläranlagen Mikroplastik nicht aus dem Abwasser filtern, sodass die Plastikstückchen letztlich über die Flusssysteme ins Meer gelangen. Dort können sich im maritimen Umfeld hochgiftige Substanzen auf den Mikroplastikteilchen anreichern. Meeresbewohner, die Mikroplastik mit Futter verwechseln, kommen mit den giftigen Partikeln in Kontakt und nehmen diese auf. Auf diesem Weg gelangen die Schadstoffe in die Nahrungskette. Zuletzt wurde auch Mikroplastik in der Landwirtschaft immer mehr zum Thema. Kleinste Kunststoffteile finden sich, durch die Verwendung von Plastik etwa für Bewässerungsanlagen, Gewächshäusern, Tunnel oder zum Schutz vor Vögeln, in Böden, Nutztieren und damit in den Lebensmitteln. Auch im auf Äckern ausgebrachten Klärschlamm findet sich Mikroplastik wieder.

WAS STECKT IN PLASTIK?

Ausgangsprodukt für Kunststoffe ist fast ausschließlich Erdöl bzw. Erdgas. 90% des Kunststoffes entfallen auf sechs Grundkunststoffe. Um die Produkteigenschaften zu verbessern, werden Kunststoffen Zusatzstoffe, sogenannte Additive, zugesetzt. Ein bekanntes Additiv ist Bisphenol A, das PET-Flaschen von manchen Herstellern als Stabilisator zugesetzt wird. Bisphenol A steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein. Je nach Anwendungsgebiet und Kunststoff unterscheidet sich die Anwendungsdauer. Verpackungsmaterial hat die kürzesten Anwendungszeiten von durchschnittlich einem halben Jahr, im Baubereich liegt die längste Lebensdauer bei durchschnittlich etwas mehr als 35 Jahren.

UND DANACH?

Am Ende ihrer Anwendungsdauer können Kunststoffe entweder recycelt, verbrannt oder deponiert werden. Bei Verbrennung ist zwar einerseits die hohe Energiedichte von Plastik nutzbar, andererseits wird hierbei CO2 freigesetzt, was negativen Einfluss auf das Klima hat. Bei Deponierung gelangt der Kohlenstoff zwar nicht in die Atmosphäre, bei unsachgemäßer Deponierung kommt das Plastik aber in die Umwelt und beeinflusst Fauna und Flora. Beim Recycling wird alter Kunststoff in neuwertigen Kunststoff umgewandelt, wobei hier verschiedene Herausforderungen zu beachten sind. Kunststoffabfälle müssen zunächst je nach Art des Kunststoffs getrennt werden. Im Falle von Verbundkunststoffen sind verschiedene Kunststoffarten fest miteinander verbunden, sodass die Trennung ausgesprochen mühsam und kostenintensiv ist. Zusätzlich müssen Verunreinigungen entfernt bzw. geringgehalten werden. Das Recycling selbst ist auch nicht beliebig oft wiederholbar. Eine Reihe von Studien1 zeigt allerdings, dass Recycling als umweltschonendste Methode für den Umgang mit Plastikmüll gilt, wobei die Vermeidung von Kunststoff durch Ersatz mittels leichter abbaubarer Stoffe natürlich unschlagbar ist.

UNTERNEHMENSSTIMMEN ZUM THEMA PLASTIK

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Plastik beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der (Petro-)Chemiebranche. Diese Unternehmen sehen ein weiteres Wachstum der Nachfrage nach Kunststoffprodukten, vor allem in der Region Asien-Pazifik. Initiativen für mehr Nachhaltigkeit setzen vor allem auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Auf neue Vorschriften, zum Beispiel das Verbot von Einwegplastik in der EU, reagieren die betreffenden Unternehmen beispielsweise mit einer entsprechenden Steuerung des Produktportfolios, andere haben ohnehin bereits einen Fokus auf Spezialkunststoffe mit einem in der Regel längerfristigen Lebenszyklus und sind damit wenig bis gar nicht betroffen.

Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Website von Raiffeisen Capital Management im Letter „nachhaltig investieren“. 


1 C. A. Bernardo: Environmental and economic life cycle analysis of plastic waste management options. A review; 2016
 
About the Author

Wolfgang Pinner

Wolfgang Pinner

Mag. Wolfgang Pinner, MBA hat in Wien und Nottingham studiert und sich seit dem Jahr 2001 auf das Thema Nachhaltiges Investment spezialisiert. Er hat zum genannten Thema bisher drei Bücher veröffentlicht und ist an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen als Lektor tätig. Seit November 2013 ist er Leiter des Teams für Nachhaltiges Investment bei Raiffeisen Capital Management. Seine Verantwortungsbereiche gehen dabei sowohl in Richtung Nachhaltigkeitskonzepte für Fonds als auch in Richtung des täglichen Managements von Investmentfonds. Privat ist er einerseits sportlich als Triathlet unterwegs oder widmet sich seiner Kakteenzucht.

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