Vorsicht, Nährstofflücke!

Keine Nährstoffe im Boden – kein Essen am Teller

Wenn man an den Begriff „Nährstoff“ denkt, denkt man oft zuallererst daran, ob wir unsere Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgen. Googelt man den Begriff, wird man beinahe von einer einschlägigen Informationsflut überrollt.

Wir erfahren, welche Nährstoffe wir Menschen brauchen. Und wie viel davon. Wir erfahren, was die Nährstoffe in unserem Körper machen. Und was es mit unserem Körper macht, wenn sie fehlen. Vor allem aber erfahren wir, welche Lebensmittel wir essen müssen, um an die Nährstoffe zu kommen. Was auf der einen Seite der Nahrungskette eine Informationsflut ist, ist auf der anderen Seite vergleichsweise eine wahre Informationsebbe. Auch im Internet.

Nur selten stellen wir uns die Frage, woher die Nährstoffe denn eigentlich kommen, die auf unseren Tellern landen. Bevor sie von den Tieren und Pflanzen aufgenommen werden, die uns anschließend ernähren. Bevor sie in die Böden gelangen, die unsere Tiere und Pflanzen ernähren. Also bevor sie in den Düngemitteln und -stoffen sind, die unserem Boden die Fruchtbarkeit zurückgeben, wenn wir die Nährstoffe mit der Ernte abführen. Dass es höchste Zeit ist, uns mit dieser Frage auseinanderzusetzen, haben uns nicht zuletzt Erfahrungen mit fossilen Substanzen wie Erdöl oder seltenen Erden gelehrt.

Derzeit können wir zwar noch auf fossile Nährstoffquellen (Abbau von Guano oder Mineralien) zugreifen, um unsere Böden nach der Ernte wieder mit Phosphor und Co zu versorgen. Doch auch diese Nährstoffquellen versiegen langsam. Verlassen wir uns wie in den letzten Jahrzehnten auch weiterhin auf fossile Nährstoffquellen, werden wir also bald vor einer Nährstofflücke stehen. Schätzungen gehen für den Nährstoff Phosphor etwa davon aus, dass abbauwürdige Reserven in spätestens 200 – möglicherweise aber auch schon in 50 Jahren erschöpft sind.

Die Zeit, eine praktikable und vor allem nachhaltige Lösung für drohende Nährstofflücken zu finden, ist also begrenzt. Ein bedeutender Anteil der Nährstoffe kommt zwar auch heute schon aus erneuerbaren Quellen – wie etwa die Gülle, mit der die Felder seit jeher gedüngt werden. Doch das Prinzip der Kreislaufwirtschaft geht noch weiter: Alle Substanzen und Materialien, die einer Fläche durch die Landwirtschaft entnommen werden, werden gezielt wieder zurückgeführt. Also auch Nährstoffe, die verpackt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln den menschlichen Organismus am Laufen halten. Und zu einem gewissen Teil vom menschlichen Organismus wieder ausgeschieden werden. Gerade in Hinblick auf die Versorgung unserer Flächen mit dem Nährstoff Phosphor ist diese Tatsache ein wichtiger Ansatzpunkt. Durch das Recycling von Abwasser und Klärschlamm könnten wir in Österreich rund 80 Prozent des entsprechenden Mineraldüngers ersetzen. So landen Nährstoffe nicht länger im „Abfall“.

Doch Kreislauflandwirtschaft darf auch in Österreich kein theoretisches Konstrukt mit nur wenigen Vorzeigebeispielen bleiben. Nicht nur aus Prinzip. Sondern auch, weil sich die Nährstoffversorgung auch hierzulande zusehends verschlechtert. Im Marchfeld waren – laut Angaben der AGES – zuletzt etwa 21 % der Böden eher schlecht versorgt, noch vor 15 Jahren waren es nur 8 %. Diese Zahlen sollten uns durchaus zu denken geben. Etwa dass wir uns um die Ernährung unserer Böden ebenso sorgen sollten wie um die Ernährung von uns Menschen. Denn ohne Nährstoffe im Boden haben wir kein Essen am Teller.

 
About the Author

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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