Lebensmittelverschwendung

Treiber des Klimawandels

Angesichts der globalen Herausforderung die Ernährungssicherheit von 9 Milliarden Menschen im Jahr 2050 sicherzustellen, wird es neuer Technologien, effektiveren Formen der Landnutzung und der Bereitstellung neuer agrarischer Flächen bedürfen, um diese Aufgabe zu bewältigen.

Wie die Bereitstellung neuer agrarischer Flächen gegenwärtig gemacht wird, sehen wir gerade eindrucksvoll in Brasilien, wo tausende von Hektaren Regenwald durch Brandrodungen in Ackerfläche umgewandelt werden.

Es gäbe aber auch noch andere Möglichkeiten, in Zukunft die Weltbevölkerung zu ernähren: wir nützen die bereits vorhandenen Lebensmittel.
Rund ein Drittel der essbaren Teile von Lebensmittel, produziert für den menschlichen Verzehr, geht weltweit verloren oder wird verschwendet. Weniger vorsichtige Schätzungen sprechen sogar von 50%. In den wenig entwickelten Ländern Afrikas und Südostasiens treten die Verluste größtenteils in der Urproduktion und in den nachgelagerten Verarbeitungsprozessen auf. Als Ursachen können unzureichende Infrastruktur und inadäquate Methoden für Ernte, Lagerung, Transport, Verarbeitung und Verpackung genannt werden. In Europa und anderen Industriestaaten sieht das Bild bedeutend anders aus. Hier fallen über die Hälfte der Lebensmittelabfälle bei den KonsumentInnen an. Um dem eine Zahl zu geben: 366 Kilogramm wandern bei einer vierköpfigen Familie jährlich direkt vom Kühlschrank in die Biotonne. Die Lebensmittelabfälle bei VerbraucherInnen sind in den Industrieländern (222 Millionen Tonnen) fast so hoch wie die gesamte Netto-Nahrungsmittelproduktion in Subsahara-Afrika (230 Millionen Tonnen).

Enorme Folgen für die Umwelt

Die CO2-Bilanz der produzierten, aber nicht konsumierten, Lebensmittel beträgt rund 3,3 Gigatonnen. Dies entspricht rund der Hälfte der jährlichen CO2-Bilanz der USA. In einem Länderranking bezüglich CO2-Bilanz stünde „Food Wastage“ damit hinter China und den USA auf dem 3. Platz.

Rund 1,4 Milliarden Hektar Land werden weltweit vergebens für landwirtschaftliche Zwecke bebaut. Zugleich werden Rodungen von Urwäldern in Südamerika, um Land für die Produktion von Lebensmitteln und Futter bereitzustellen, durchgeführt. Diese vernichteten CO2– Speicher müssen auch noch in die Bilanz der Treibhausgase eingerechnet werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von „indirekten Treibhausgasen“.

Die Produktion von Nahrungsmitteln ist ressourcenintensiv und hat signifikante, umweltrelevante Konsequenzen. Global entfallen etwa 22% der gesamten Treibhausgasemissionen auf die Landwirtschaft. Die Emissionen der anthropogenen Nahrungsmittelproduktion sind in etwa auf dem gleichen Niveau wie die der Industrie und höher als der Verkehrssektor. Durch ein effizienteres System könnten, laut oben genannten Daten (ein Drittel der gesamten Lebensmittel wird verschwendet), so rund 7 bis 10% weniger an Treibhausgasen ausgestoßen werden.

Tschechien macht’s vor

Doch was kann man machen, um die Lebensmittelverluste zu reduzieren? Technologisch arbeiten die Landwirtschaft und der Verarbeitungssektor in Österreich äußerst effizient. Überzogene Ansprüche der KonsumentInnen und der Handelsketten zwingen viele Landwirte dazu, qualitativ hochwertige Produkte, die optische Makel haben, zu vernichten. Auch die Unwissenheit über die Haltbarkeit von Lebensmitteln trägt maßgeblich zur Verschwendung bei. Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird häufig als Verfallsdatum gesehen und so landen genießbare Lebensmittel im Müll.

In Tschechien wurde Anfang 2019 ein Gesetz verabschiedet, dass Supermärkte über 400 m² Verkaufsfläche dazu verpflichtet, Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, jedoch noch genießbar sind, an Hilfsorganisationen zu spenden. Ein erster Schritt, jedoch liegen im Lebensmitteleinzelhandel die Verluste „nur“ bei 10%. Ansetzen muss man bei denen, die für über 50% verantwortlich sind: den KonsumentInnen. Aufklärungsarbeit in Bezug auf die Haltbarkeit oder die richtige Lagerung von Lebensmitteln ist die wichtigste Maßnahme, die zu einer Reduktion der verschwendeten Lebensmittel führen kann.

 
About the Author

Johannes Schmidt

Johannes Schmidt

Johannes Schmidt studiert Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien und beschäftigt sich vor allem mit agrarpolitischen Themen im Kontext der Nachhaltigkeit. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb war er früh überzeugt von der Idee einer nachhaltigen Form der Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur steht, Ressourcen schont und so nachfolgenden Generationen ein Leben ohne Wohlstandsverluste ermöglicht. Diesen Weg auch wirtschaftspolitisch zu verfolgen, ist für ihn die logische Konsequenz. Deshalb engagiert er sich seit Jänner beim Ökosozialen Studierendenforum, wo er im Juni als Geschäftsführer in den Vorstand ernannt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.