FAZ titelt: Das Comeback der Solarenergie!

Jaaa genauuuu! Endlich sickert es in den großen Zeitungen durch. Günstig & verlässlich! Die Sonnenenergie!! So titelt die FAZ heute. Manchmal fühle ich mich wie so ein Methusalem, der Jahr um Jahr, Tag um Tag, Stunde um Stunde, die immer selbe Geschichte erzählt.

Leider habe ich nicht so eine Reichweite wie die deutsche FAZ, die mit einem Artikel gleich Millionen von Menschen erreicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Medien hier ihren Bildungsauftrag erfüllen.

Ich freue mich also wie ein kleines Kind, wenn so ein Artikel in den Massenmedien erscheint. Nachdem dieser Artikel hinter einer Paywall steht, könnt ihr hier noch weiterlesen, was dort ungefähr drin stehen wird.

Wie im letzten Artikel, wo ich über die fehlenden Punkte und über die Wirtschaftlichkeit von Atomkraft im Atomkraftartikel von Addendum gesprochen habe, zeige ich euch die, meiner Meinung nach, wichtigste Grafik der zukünftigen Energiewirtschaft. Durch sie wird ziemlich gut erklärt, wie sich der Strommarkt und vor allem die Strompreise entwickeln werden. Wir alle können in keine Glaskugel schauen. Ich gehe meist mit Hausverstand an verschiedene Denkaufgaben ran und so auch in dieser Frage. Ich freue mich aber über weitere Diskussionen, was ihr denkt, wo sich der Strompreis hinentwickeln wird.

Photovoltaik Gestehungskosten 2018 Quelle: Fraunhofer 2018

Photovoltaik günstigste aller Energieträger

Ein Grund warum die Photovoltaik nun ihr fulminantes Comeback feiert, liegt daran, dass die Kosten/kWh von 70ct/kwh am Beginn dieses Jahrtausends auf bis zu 4ct/kWh im Jahr 2018 gesunken sind!!! Das ist so unglaublich, dass ich es bei jedem Mal schreiben und aussprechen noch immer nicht wirklich fassen kann. Leider ist das alles so schnell gegangen, dass eben viele Studien aus 2012 oder 2014 völlig veraltet sind. Auch die Kollegen bei Addendum hatten diese Studie in den Händen, aber leider nicht verwendet, weil eben die Atomkraft darauf fehlt. Ich kann nur mutmaßen, warum man die Atomkraft nicht eingebunden hat, vermutlich weil eben 2018 schon klar war, dass eine Technologie, die bei über 10 ct/kWh liegt und dann auch noch so lange im Ausbau dauert, nichts im zukünftigen Energiemix verloren hat. Dasselbe Schicksal hatte vermutlich auch die Wasserkraft. In Österreich zumindest sind fast alle guten Standorte ausgebaut und durch hohe Auflagen sind eben nur abgeschriebene Wasserkraftwerke richtig rentabel, aber neue liegen auch in der Gegen von 10ct/kWh oder vielleicht auch mehr. Leider gibt es dazu tatsächlich sehr wenige Zahlen. Wenn da jemand etwas hat, bin ich dankbar. Ich denke, dass vor allem Wasserkraft als Grundlastkraftwerk auch bei über 10ct/kWh noch seine Berechtigung hätte.

Günstige Energie bei Wind und Sonne, teure Energie bei Nacht und schlechtem Wetter

Was wir oben sehen ist, dass fast alle Kraftwerke um ca. 7ct/kWh produzieren. Der Marktpreis an der Börse liegt aber eher meist darunter. Das liegt meiner Meinung nach an den vielen abgeschriebenen Kraftwerken, die noch produzieren. Das ist auch der entscheidende Unterschied. Man muss immer unterschieden, ob es sich um ein neugebautes Kraftwerk oder ein abgeschriebenes handelt. Die abgeschriebenen produzieren natürlich um 2ct/kWh oder noch weniger und so kommen dann Marktpreise von ca. 5 ct/kWh zustande.

In Zukunft werden aber immer mehr fossile oder alte Kraftwerke vom Netz gehen. Das liegt nicht an den Erneuerbaren, sondern daran, dass es eben manche Kraftwerke gibt, die nach 50-60 Jahren eben entweder erneuert oder stillgelegt werden müssen. Hinzu kommt, dass in der Energiewirtschaft bereits ein CO2 Preis vorhanden ist, der endlich auch Wirkung zeigt und so rechnen sich manche fossile Kraftwerke einfach nicht mehr und müssen vom Netz.

Dann braucht es aber eben neue Kapazitäten und Investoren oder Staaten, die abwägen, in welche Technologie sie investieren. Und hier wird eben dann ganz genau geschaut, welche Technologie sich in Zukunft rechnen wird.

Gaskraftwerke als Ausgleich mit wenigen Volllasstunden

Wer die Energiewirtschaft verstehen will, muss sich auch mit Volllaststunden auseinandersetzen. Wie auch in der Grafik sehr gut beschrieben, haben die verschiedenen Energieträger unterschiedliche Laufzeiten in einem Jahr, das 8760 Stunden hat. Die Photovoltaik läuft ca. 1000 Stunden, die Windkraft 2000-4000 Stunden und alle Gas- und Kohlekraftwerke können eben bis zu 8760 Stunden durchlaufen und je weniger Stunden sie laufen, desto teurer wird die Kilowattstunde, weil eben dann die Kosten des Kraftwerks auf weniger Stunden aufgeteilt werden müssen. Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass ein Gaskraftwerk, welches nicht durchgehend läuft, sondern eben nur dann, wenn gerade kein Wind oder Sonne da ist, etwas teurere Energie produziert. Dies kann dann bis zu 20 ct/kWh kosten.

Keine Angst vor hohen Stromkosten zwischendurch

Ich finde diese Aussicht aber nicht bedrohlich, sondern sehr positiv, weil nur so ein Anreiz für Verbraucher da ist, den Verbrauch tatsächlich in jene Stunden zu verschieben, wo viel Wind und Sonne da ist. Das reduziert dann nämlich auch den Speicherbedarf um ein Vielfaches. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Ich hoffe euch hat der Exkurs gut gefallen und ich freue mich auf Diskussionen über den zukünftigen Strompreis. Meine Wette lautet: Langfristig wird sich der durchschnittliche Strompreis auf 7 ct/kWh einpendeln. Was ist deine Wette?

Fraunhofer Studie

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

One Comment

  1. Hallo,
    diesen Artikel finde ich sehr gut. Auch den Nachtstromverbrauch könnte man mit der Elektro Mobilität verringern!
    Das E-Auto dient Nachts als USV und versorgt die Wohnung, Haus mit der benötigten Strommenge.
    Am Tag wenn genug Strom aus Erneuerbarer Energie vorhanden ist erfolgt due Aufladung.
    Hierzu müsste auch die 70% Einspeisung gekappt werden. Hier erhält der PV Betreiber kein Geld, Die Großen Windenergie Betreiber erhalten für das abschalten Geld.
    Aber es kann ja nicht sein, das die Netzbetreiber in den letzten 20 Jahren nicht weiter ausgebaut haben – es wurde ausgebaut, aber die 70% Regelung bleibt.
    Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft, dieser kann mittels Elektrolyse, Fallfilm Elektrolyse erzeugt werden, da wo ein Stromüberschuss entsteht. Und die Stromtrassen von Nord nach Süd wären überflüssig.
    Einspeisemengen von bis zu 20% werden bereits getestet und sind laut der Studie: https://www.fwg-gross-bieberau.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/Naturalhy_Brochure_2009.rar
    ohne weiteres möglich.

    Diese und weitere Informationen müssten der Allgemeinheit von den Medien mitgeteilt werden.

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