Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die Zukunft nachhaltig gestalten! Es gibt ein Bildungskonzept, welches das persönliche Handeln entsprechend eines bestimmten sozialen und ökologischen Verständnisses fördert. Mit einem Wertesystem, dem humane Entwicklungsbedingungen zugrunde liegen, soll zur SDG-Zielerreichung beigetragen werden.   

Die Sustainable Development Goals (SDGs) zielen auf eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung ab. Damit sollen gute und faire Bildungschancen für alle gewährleistet werden und Möglichkeiten für lebenslanges Lernens gefördert werden – auch in Österreich. Im SDG 4.7 ist explizit von der Bildung für nachhaltige Entwicklung die Rede:

  • SDG 4.7: „Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.“

Was bedeutet Bildung für eine nachhaltige Entwicklung?

Ich hatte vor einiger Zeit die Freude, mit der renommierten Nachhaltigkeitsforscherin Prof. Ute Stoltenberg von der Leuphana Universität Lüneburg in Deutschland ein ausführliches Gespräch zu führen. In diesem ausführlichen Interview für openscience4sustainability (hier) geht es um die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung als holistisches Bildungskonzept. „Damit ist also nicht gemeint, dass Nachhaltigkeit ein zusätzliches Thema in der Bildung ist. Vielmehr ist Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ein ganzheitliches und wissenschaftlich fundiertes Konzept für den formalen und non-formalen Bildungsbereich“, so Prof. Stoltenberg. Sie führt weiter aus: „Das Konzept adressiert Bildungsmaßnahmen, Institutionen und das Bildungssystem, um entsprechend eines bestimmten Verständnisses zu agieren. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist (…) nicht nur für Kinder und Jugendliche in Schulen, Hochschulen, Vereinen, sondern auch für Erwachsene (…) gedacht. Alle sind schließlich an der Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung beteiligt.“

Nachhaltigkeit ist das Ziel. Bildung ist Teil des Entwicklungsprozesses.

Zudem erläutert Prof. Stoltenberg in dem Interview das dem Bildungskonzept zugrundeliegende Wertesystem, welches von der Diskussion über Menschenrechte und humane Entwicklungsbedingungen ausgeht. Es gibt evidente Belege dafür, dass Veränderungen im Sinne der Nachhaltigkeit auf den unterschiedlichen Ebenen und in den verschiedensten Gesellschaftsbereichen notwendig sind. „Nachhaltigkeit ist ein langfristiges Ziel. Nachhaltige Entwicklung ist die Aufgabe, um dieses Ziel zu erreichen. Bildung ist Teil dieser Aufgabe, also ein Teil dieses Entwicklungsprozesses. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist die Ermöglichung, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Das bedeutet, man muss Zugänge zu Wissen, Kompetenzen und Haltungen bereitstellen, die Menschen befähigen, sich an dem Entwicklungsprozess zu beteiligen“, betont Prof. Stoltenberg. Ähnlich beschreibt es auch die UNESCO, welche unter Bildung für nachhaltige Entwicklung „einen lebenslangen Lernprozess, der eine ganzheitliche und transformative Bildung, die die Lerninhalte und -ergebnisse, Pädagogik und die Lernumgebung berücksichtigt“ versteht (hier). Im Kontext der Diskussion rund um Bildung zur Förderung von Nachhaltigkeit im formalen und non-formalen Sektor stößt man zudem auch auf Begrifflichkeiten bzw. Konzepte wie etwa Umweltbildung, Education for Environmental Citizenship (hier) oder Global Citizenship Education (hier).

Wie wird die Situation in Österreich beurteilt?

Laut der Österreichischen UNESCO-Kommission weist „das österreichische Bildungssystem zum Teil bereits gute Voraussetzungen für die Umsetzung der SDGs im formalen und non-formalen Bildungswesen auf. (…) Neben den Bildungsinstitutionen gibt es zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteure (…), die eine wichtige Basis für die Agenda-2030 für Nachhaltige Entwicklung bilden können. Dazu zählen beispielsweise Akteure in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung, im Globalen Lernen, in der interkulturellen Bildung; Einrichtungen der Erwachsenenbildung und der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit (…); uvm.“ (hier).  

ÖKOLOG-Netzwerk für nachhaltige Entwicklung

Ein Beispiel für die gelebte Idee einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ÖKOLOG, dem größten Netzwerk für Schule und Umwelt in Österreich. Das ÖKOLOG-Netzwerk vereint demnach Schulen, die sich für Umwelt engagieren und an nachhaltigen Lösungen für soziale, ökonomische und ökologische Fragestellungen arbeiten. Schulen und Pädagogische Hochschulen des ÖKOLOG-Netzwerks orientieren sich insbesondere an den Konzepten der Umweltbildung, der Gesundheitsförderung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Aktuell sind 576 österreichische Institutionen in dem Programm aktiv (Stand 6/2019). Neben diesem Netzwerk gibt es auch andere definierte bzw. zertifizierte Schulen zur Förderung von Nachhaltigkeit. Dazu zählen beispielsweise die sogenannten „Klimaschulen“, Eco-Schools“, „Naturpark-Schulen“, „Global Action Schools“ und „Fairtrade-Schulen“ (hier).

Quellen und weiterführende Informationen

 
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Florian Leregger

Florian Leregger

Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen! Die Sustainable Development Goals bieten uns dafür Handlungsoptionen. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement (Fachbereich: Regionale Entwicklung) an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Zu seinen Schwerpunkten zählen Themen in den Bereichen Klimawandel, Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs). Neben bisherigen Berufserfahrungen und ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Forschung und Umweltpädagogik sammelte er während seiner Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Uganda und Costa Rica, wertvolles Wissen und Erfahrungen.

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