3. Corporate Women Frühstück

Mitte September wurde zum bereits dritten Corporate Women Frühstück geladen. Die Initiatorinnen luden zu einer spannenden Podiumsdiskussion mit Patricia Neumann, CEO IBM, Doris Partel‑Niederreiter, CFO Raiffeisen Informatik und Sabine Koszteczky, Teamhead Telecom, Utility, Technology‑Corporates RBI.

Die weiblichen Rolemodels berichteten über ihre Karriereentwicklung, wobei alle drei verbindet, dass sie Kinder haben, Akademikerinnen und Führungskräfte mit IT-Bezug sind und sich stark machen für das Empowerment von Frauen. Patricia Neumann ist seit 1995 in der IBM, ihre Jobs waren immer primär vertriebs- und marktorientiert. Sie hat viele Jahre im Ausland verbracht und konnte dadurch ein starkes internationales Netzwerk aufbauen. Karriere machen zu können benötigt auch Glück – es bedingt aber auch sich Mentorinnen oder Mentoren inner- und außerhalb des Unternehmens zu suchen und eine gewisse Bereitschaft, Opfer zu erbringen.

Sabine Kosztecky erzählte davon, dass sie kurz nach ihrer Ernennung zum Teamhead schwanger wurde. Sie kehrte nach acht Monaten Karenz als erste Teilzeitführungskraft in Corporates in ihre Funktion zurück. Dies war nur auf Grund der guten Zusammenarbeit in ihrem Team möglich.

Doris Partel-Niederreiter wurde schon bei ihrem Wirtschaftsinformatik-Studium an der TU mit der Situation, als Frau eine Ausnahmeerscheinung im IT-Bereich zu sein, konfrontiert. Auf Grund ihrer Sozialisation von starken Frauen, wie ihrer Großmutter, die eine Bäckerei führte und Männer zu managen hatte, konnte sie damit aber gut umgehen. Ihre Kindheitsvision selbständig zu werden verwirklichte sie mit einem IT-Consulting-Unternehmen, gemeinsam mit ihrem Mann. Als sie ihr Kind bekam, gab es keine Karenz, stattdessen gewöhnten sich die Mitarbeitenden, ihres damaligen Hauptkunden, der RBI, an die Frau mit Kind im Maxi-Cosi, die zwischendurch mal zum Stillen des Babys verschwand. Letztendlich warb die RBI sie 2011 als erste weibliche Top-Führungskraft in der IT an und 2017 ergriff sie die Chance CFO bei der Raiffeisen-Informatik zu werden.

Auf das Thema Digitalisierung angesprochen meint Patricia Neuhaus, dass digitale Weiterbildung eine Top-Priorität bei IBM sei, 60-70 Stunden pro Jahr durchschnittlich pro Mitarbeitendem. Die neue IBV (IBM Institute for Business Value)-Studie The Enterprise Guide to Closing the Skills Gap zeigt, dass die Mehrzahl der Führungskräfte davon überzeugt ist, dass es ihren Mitarbeitenden an den nötigen digitalen Skills fehle. Für noch wichtiger für den Mitarbeitenden der Zukunft seien aber die Fähigkeiten zur Agilität – im Sinne von Veränderungsbereitschaft- und fähigkeit – sowie Prioritäten zu setzen, um die Aufgabenvielfalt zu meistern. Auch weiß die Führungskraft von heute, dass sie auch selbst vom lebenslangen Lernen betroffen ist. Doris Partel-Niederreiter glaubt, dass Frauen – auch auf Grund ihrer Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten – in einer digitalen Arbeitswalt Vorteile haben können.

Unternehmen müssen aber auch die Erfahrungen älterer Mitarbeitender aktiv nützen und ihre Motivation aufrechterhalten. Führungskräfte werden immer mehr zu Coaches – es geht darum, dass Mitarbeitende innerhalb eines zur Verfügung gestellten Rahmenwerkes proaktiv agieren lernen. Ein Unternehmen wie IBM erwartet sich von einer Bank wie der RBI als Grundlage für die Kundenbeziehung eine gute Vertrauensbasis sowie entsprechende Erfahrung und eine gute lokale Betreuung. Erst dann spielt die digitale Anpassung und Innovation eine Rolle, wobei es hier im B2B‑Bereich noch großen Aufholbedarf gibt, weil Unternehmen Retailkundenentwicklungen in den Vordergrund gestellt haben. Gefragt sind ein Stück Advisory-Haltung und das nach vorne gerichtete agieren. Künstliche Intelligenz kann nicht den Menschen ersetzen, aber ihn – speziell bei Analysen – unterstützen.

Wie sieht es nun mit der Realität von Frauen in Unternehmen aus? Bei IBM ist Geschlechtergleichstellung seit den 50er Jahren Teil der aus Amerika kommenden Unternehmenskultur. In Österreich gibt es einen 30-prozentigen Frauenanteil, wobei diese hauptsächlich in Bereichen wie Marketing oder Personal zu finden seien. Auf Grund der Geschlechterunterschiede sei auch nicht überall ein 50/50-Verhältnis erstrebenswert.

Patricia Neumann empfiehlt eigene Visionen und Ziele zu entwickeln – nur zu wissen, was man nicht will, sei zu wenig. Wobei es hier kein Allgemeines richtig oder falsch gibt. Wichtig ist, ein Unternehmens-Mindset, dass Familie nicht als Ausgrenzung für Karriere sieht. Netzwerke müssen bespielt und Mentoren als Unterstützer gefunden werden. Werte und Haltungen zu leben, beginne immer bei einem selbst.

In der Raiffeisen Informatik liegt der aktuelle Frauenanteil bei 13 Prozent, wobei diese vor allem in HR, Controlling oder Finanzen beschäftigt sind. Das Nachwuchsproblem beginnt bereits an den Unis. Auch die Sozialisierung unsere Kinder liegt in der Verantwortung der Gesellschaft. Hier können wir alle etwas beitragen. Diversität muss von oben nach unten stattfinden. In der R-Informatik ist Diversität Teil der strategischen Agenda und der HR-Roadmap. Schwerpunkte sind dabei die Dimensionen Generationen, Gender und Kulturen. Dabei geht es darum, sich hin zu einem diversen Unternehmen mit einem agilen Mindset zu entwickeln. Herausforderungen in der Transformation sind z. B. ein Altersdurchschnitt von 43 Jahren und ein 97iger Anteil, primär ähnlich sozialisierter, männlicher Mitarbeitender. Doris Partel-Niederreiter möchte außerdem Frauen in der IT stärken und hat deswegen Netzwerke etabliert.

Abschließend bemerkt die Moderatorin zusammenfassend, dass diese Diskussion wieder viele neue Erkenntnisse gebracht hat, und es sich lohnt, das eine oder andere selbst umzusetzen.

 
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Anita Lang

Anita Lang

Mag. Anita Lang arbeitet seit 2012 in RBI Group Sustainability Management und beschäftigt sich dort vor allem mit Nachhaltigkeitsberichterstattung und mitarbeiterrelevanten Themen. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war sie in leitenden Positionen in der Unternehmenssteuerung, beispielsweise bei Pressel Versand Gmbh (Staples Inc.) tätig. Im Mittelpunkt stand dabei immer der Mensch und die bestmögliche Nutzung seiner Potenziale und Energien, auch für die Gemeinschaft sowie die verantwortungsvolle Unternehmensführung, die auch einen respektvollen Umgang mit der Natur beinhaltet. Kraft tankt sie gerne beim Wandern, meist in ihrer Wahlheimat Baden, oder beim Praktizieren von Urban Tribal Dance, Yoga oder Meditation.

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