Wie Österreich durch Klimaschutz Milliarden verdienen könnte

Wie ihr wisst, bin ich ein sehr lösungsorientierter Mensch. Wenn ich über sowas wie die „Strafzahlungen“ – aka Zertifikatekäufe bei Verfehlung unserer Klimaschutzbemühungen – lese und recherchiere, dann springt auch sofort der Lösungsmotor an, und ich überlege, ob es nicht auch noch eine andere Lösung gäbe, und hier spielt vor allem der NON-ETS Mechanismus eine Rolle. Deshalb geht es nun in der Serie über dieses Thema weiter mit Lösungen.

Hier noch ein kurzes Recap worum es geht: Florian Maringer vom Verband Erneuerbare Energien Österreich beschreibt es in diesem Blogartikel nochmal so:

Im Zuge der Effort Sharing Verordnung der Europäischen Union wurden den Mitgliedsstaaten Einsparungsverpflichtungen entsprechend ihres Bruttoinlandsproduktes zugewiesen. Österreich muss in diesem Bereich bis 2030 eine Reduktion von 36 % im Vergleich zu 2005 erreichen. Damit liegt es an achter Stelle in der europäischen Union. Erreicht Österreich seine Ziele also nicht, muss es mit anderen EU Mitgliedsstaaten verhandeln, um diesen deren Einsparungen abzukaufen. Je nachdem wie viele dieser Länder überhaupt überschüssige Einsparungen abgeben können, werden sich die Kosten für die Zielverfehlungen zwischen 1,2 Milliarden Euro und 8,7 Milliarden Euro bewegen. Da aus heutiger Sicht nicht davon auszugehen ist, dass die EU-Staaten ihre Ziele wesentlich übertreffen, werden jene, die ihre Ziele erfüllen, diese Berechtigungen teuer verkaufen. Der Wert von knapp 9 Milliarden ist also plausibel, könnte aber sogar noch wesentlich höher liegen.

Umgekehrt kann Österreich jedoch auch seine Ziele übererfüllen. Neben den Vorteilen geringerer Energieimporte und höherer Wertschöpfung und Beschäftigung in Österreich kann die Zielübererfüllung in dem Fall an andere Länder verkauft werden.

Florian Maringer, EEÖ

Wie müssen Projekte aufgesetzt sein, damit sie im NON-ETS Handel anrechenbar sind?

Nun frage ich mich, wie man die 15 Millionen Tonnen CO2 erfüllen und damit zum Nettoexporteur von Zertifikaten werden kann, statt welche an andere Staaten, die ihre Ziele nicht erreicht haben, zu verkaufen. Wie Florian Maringer bin ich der Meinung, dass die Möglichkeit, den Spieß umzudrehen, viel spannender ist und extrem viele positive Effekte hat, und möchte das anhand eines massiven Photovoltaikausbaus, und was dieser bewirken könnte, erklären bzw. hier offen diskutieren, ob mein Denkvorgang richtig ist.

Gesamtpotenzial Photovoltaik laut Energieautarkiestudie 2050

Wie ihr wisst, wurde schon viel Papier zum Thema Energiewirtschaft in Österreich produziert. Leider verschwinden viele in Schubladen, obwohl sie wahrscheinlich zigtausende Euro gekostet haben. Eine, die ihr Geld aber wert war, ist, meiner Meinung nach, die Energieautarkiestudie 2050 aus 2010 vom Lebensministierum unter Niki Berlakovic, in der erhoben wurde, wie der Umbau unseres Energiesystems funktionieren kann, und welche Potenziale in den Energieformen vorhanden sind. Ich habe 2011 eine Photovoltaikstudie produziert, in der ich die Zahlen genauer ausgewertet und in eine übersichtliche Form gebracht habe.

Ich habe hier dann die Maximalwerte herangenommen, und so kommt man auf insgesamt 35 GWp installiertes Potenzial.

Wie viel CO2 wird im Vollausbau gespart?

Nun kommt der schwierige Part, und hier bitte ich wieder um Feedback von den vielen Experten und Expertinnen, die hier mitlesen, um zu sehen, ob die Rechnung richtig ist.

35 GWp sparen bei 33kg/kWh insgesamt 10.395.000.000.000 kg CO2/Jahr oder anders ausgedrückt: 10 Millionen Tonnen!! In nur zwei Jahren sind das 20 Millionen Tonnen und damit bereits eine Übererfüllung von 5 Millionen Tonnen, denn, wie ihr oben gesehen habt, geht es um eine Einsparung von 14,5 Millionen Tonnen.

Wow, jetzt bin ich mal wieder begeistert! Ich liebe es, wenn man Dinge in einen Vergleich bringen kann, und so alles etwas greifbarer wird. Ich weiß, dass der NON-ETS Handel auch nur gilt, wenn dadurch auch wirklich Emissionen vermieden werden, aber die Größenordnung spricht schon Bände!

Ich wünsche mir, dass wir mehr in solchen Chancen denken, statt ins Mangeldenken zu gehen. Es gibt genug Sonne und genug Fläche, um einen großen Teil unserer Probleme zu lösen. Wie seht ihr das? Liege ich richtig oder ist hier wo ein Denkfehler drin?

Freue mich auf eine spannende Diskussion!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

  1. Sehr schön, aber ein Rechenfehler bzw. Tippfehler ist drin:
    10.395.000.000.000 kg CO2/Jahr wären 10 Milliarden Tonnen. Also vermutlich 3 Nullen zu viel oder Milliarden statt Millionen.

  2. oh danke, das stimmt, aber dann passt die rechnung irgendwie gar nicht mehr. wer kann diese Rechnung richtig durchdeklinieren? Wie viel Zubau bräuchte es, um die gesamte nötige Einsparung über Photovoltaik zu machen?

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