Unternehmensverantwortung in Zeiten der SDGs

Die SDGs bringen neuen Schwung in das betriebliche Nachhaltigkeitsmanagement. Mit Aspekten, die über die klassische CSR-Policy hinausgehen, kann eine ganzheitliche Analyse stattfinden und wertvolle Maßnahmen können entlang der Wertschöpfungskette gesetzt werden.

Die SDGs sind für Unternehmen höchst relevant. Und umgekehrt. In der Agenda 2030 zielt SDG 9 auf nachhaltige Industrialisierung, hochwertige Infrastruktur, sowie effizienteren Ressourceneinsatz ab. Mit dem SDG 12 soll die Berichterstattung und Nachhaltigkeitsinformationen vonseiten der Unternehmen, nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung von natürlichen Ressourcen, sowie die Reduktion des Abfallaufkommens vorangetrieben werden. Das SDG 8 beinhaltet nachhaltiges Wirtschaftswachstum, menschenwürdige Arbeit und Arbeitsrechte. Als Querschnittsmaterie enthalten die SDGs Themen der Finanzierung und des Zugangs zu finanziellen Mitteln und Dienstleistungen – auch für Unternehmen.

Unternehmen und die SDGs

Laut respACT, dem austrian business council for sustainable development, kommt Unternehmen eine bedeutende Rolle bei der Umsetzung der SDGs zu. Insbesondere wenn es um die Bereiche wie etwa Einhaltung der Menschenrechte, Umwelt- und Klimaschutz, Korruptionsbekämpfung und Arbeitssicherheit geht, bieten die SDGs einen guten Leitfaden, um betriebliche Maßnahmen zu setzen.

Im Jahr 2017 befragte die Systain Consulting GmbH insgesamt 600 deutsche Unternehmen und Institutionen, welche der Unterziele in den SDGs 1 bis 16 die größte unternehmerische Relevanz besitzen würden. Die Antworten zeigen, dass grundsätzlich alle abgefragten SDGs relevant für Unternehmen sind. 23 Ziele und Unterziele besitzen allerdings überdurchschnittlich hohe Bedeutung – insbesondere ökologische Ziele.

Karl Resel, Senior Manager bei denkstatt GmbH, unterstrich bei der IUFE-Fachtagung 2018 „Zukunftsrezept SDGs – Perspektiven für EZA und Wirtschaft“, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf unternehmerischer Ebene in den letzten Jahren stark an Dynamik gewonnen hat. Die Zahl der engagierten Unternehmen in Österreich steigt stetig. Mit dem sogenannten Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) sind seit 2017 börsennotierte Unternehmen in Österreich und jene Unternehmen, die im öffentlichen Interesse stehen, verpflichtet, Nachhaltigkeitsberichte vorzulegen. Resel richtete in seinen Ausführungen im Mai 2018 den Blick auch auf die Preisträger/innen des Austrian Sustainability Reporting Award (ASRA). Demzufolge haben mehr als 80 Prozent der ASRA-Preisträger/innen die SDGs in ihren Reporting-Systemen integriert.

Neue Aspekte durch die SDGs für Unternehmen

Unter den 23 top targets im Rahmen der Befragung von Systain Consulting GmbH (2017) finden sich Themen des klassischen Nachhaltigkeitsmanagements (z.B. Abfallmanagement und erneuerbare Energien), aber auch neue Themen wieder. In den Fokus der Unternehmen rücken demnach verstärkt Aspekte der nachhaltigen Infrastruktur, Zugang zu Finanzdienstleistungen, sowie nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster. Zudem wird auch die Aufklärung und Sensibilisierung für Nachhaltigkeit und Klimawandel als wichtig erachtet. 

Neben den Potentialen der SDGs für österreichische Unternehmen erläuterte Resel (2018) auch, dass insbesondere der verstärkte Fokus auf die positiven Beiträge von Unternehmen, die Bewusstseinsbildung für nachhaltige Entwicklung, sowie der Spirit des Shared Value (gesellschaftlicher Mehrwert unternehmerischer Produkte) zu den neuen Aspekten der SDGs für Unternehmen zählen. Die SDGs würden wirtschaftlich lukrative Perspektiven für Wirtschaftsakteur/innen bieten, die in Sektoren agieren, welche zur Zielerreichung beitragen. Dazu zählen beispielsweise die Sektoren Erneuerbare Energien und Klimaschutz.

RespACT (2019) betont, dass die Integration der SDGs den österreichischen Unternehmen einerseits wirtschaftliche Chancen und andererseits als Orientierung dienen, um globale Herausforderungen für wirtschaftlichen Erfolg zu bewältigen. Dabei sind vor allem das Innovationspotential sowie die Chancen, neue Märkte zu erschließen, als hoch einzuschätzen. Mit dem Verweis auf die die Studie „better business, better world“ aus dem Jahr 2017, würden Marktchancen in den Bereichen Mobilität ($ 2.020 Mrd.), Gesundheitsversorgung ($ 1.650 Mrd.), Energieeffizienz ($ 1.345 Mrd.), sowie saubere Energie ($ 1.200 Mrd.) liegen.

Quellen und weiterführende Informationen

 
About the Author

Florian Leregger

Florian Leregger

Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen! Die Sustainable Development Goals bieten uns dafür Handlungsoptionen. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement (Fachbereich: Regionale Entwicklung) an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Zu seinen Schwerpunkten zählen Themen in den Bereichen Klimawandel, Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs). Neben bisherigen Berufserfahrungen und ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Forschung und Umweltpädagogik sammelte er während seiner Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Uganda und Costa Rica, wertvolles Wissen und Erfahrungen.

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