Ökologische Mogelpackung?

Generelle Aussagen zum ökologischen Fußabdruck sind nicht immer eindeutig zu treffen. Manchmal kann auch die eingeschweißte Salatgurke besser sein als eine ohne Hülle.

Seit es Handel gibt, verpacken wir Waren. Verpackungen sollen das Produkt schützen, zu seiner optimalen Lagerung beitragen und einen effektiven Transport ermöglichen. Alles, was darüber hinausgeht, also die Werbefläche, die Verkaufsförderung oder die Handlichkeit, sind nur zweitrangig – eigentlich. Denn beim Gang durch den Supermarkt zeigt sich: Auch Produkte, deren Schutz, Lagerung und Transport eigentlich ohne Verpackung auskommen könnten, sind verpackt, oft auch mehrmals. Warum? Die Hochglanzverpackung wirkt im Regal attraktiv und Werbung wirkt.

Konsumenten reagieren erwiesenermaßen: Wer beispielsweise den Pudding im Viererpack kauft, spart in der Regel gegenüber einzelnen Bechern ein paar Cent – und kann sich über einen guten „Deal“ freuen. Auch springen größere Packungen im Regal leichter ins Auge. In den vergangenen Jahren haben – mit der Zunahme von Ein- und Zweipersonenhaushalten – Verpackungen auch verstärkt eine Dosier- bzw. Portionierungsfunktion gewonnen.

Wo genau ist Verpackung sinnvoll?

Zwiebeln brauchen eigentlich keine Verpackung – sie können einzeln von der Gemüsekiste in den Einkaufswagen gelegt werden. Eine Allergenkennzeichnung ist nicht nötig. Auf verkaufsfördernde Markenkennzeichnung mit Wiedererkennungswert wird verzichtet. Und dann gibt es noch die schon klein geschnittenen und verpackten, tiefgefrorenen Zwiebeln im praktischen Becher. Sie sind bequem in der Handhabung, ersparen die eine oder andere Träne beim Schneiden und schneller ist man beim Kochen allemal.  Kosten allerdings pro Kilogramm etwa das Sechsfache.

Für flüssige Lebensmittel wie Saft oder Milch braucht man ein Gefäß. Auch Käse oder Wurst werden eingewickelt. Handhabe und Hygiene sind unschlagbare Argumente für Verpackungen in diesen Fällen. Aber in Plastik eingeschweißte Salatgurken –wozu? Die Gurke hat doch eine natürliche Verpackung: die Schale. Vielen Umweltbewussten sind solche Plastikverpackungen ein Dorn im Auge.

Und doch gibt es Gründe für die verpackte Salatgurke. Eine eingeschweißte Gurke hält deutlich länger und verliert weniger an Gewicht und Farbe als Gurken ohne Hülle, belegen Studien. Besonders bei frischen Produkten mit längeren Transportwegen kann dies einen Unterschied machen. Im Vergleich zu verschrumpelten Gurken, die im Regal liegen bleiben und anschließend in den Müll wandern, haben noch verkäufliche, eingeschweißte Gurken letztlich die bessere Ökobilanz. Laut der Zertifizierungsgesellschaft Quality Austria ist Verpackungsmaterial ohnehin nur für 1,3 Prozent des ökologischen Fußabdrucks von Lebensmitteln verantwortlich.

In letzter Konsequenz ist es immer eine Frage des Vergleichs und auch nicht immer ganz eindeutig. Tendenziell kann aber davon ausgegangen werden, dass saisonales Gemüse mit kurzen Transportwegen und ohne viel Verpackung wohl keine so schlechte Wahl ist.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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