„In dem Tempo brauchen wir 150 Jahre für den Photovoltaikausbau“

(c) Tausendundein Dach - Tony Gigov

Global 2000 und der WWF luden diese Woche zum „Appell der Wirtschaft für die Lösung der Klimakrise“. Ich durfte am Podium gemeinsam mit ÖBB und REWE die 250 unterstützenden Firmen vertreten und mein über die Jahre angesammeltes Wissen über die Hürden für die Photovoltaik teilen. Hier eine gute Zusammenfassung der Ergebnisse.

Nur 3% des Potenzials an Photovoltaik ausgeschöpft

Grund für die Pressekonferenz ist die Untätigkeit der Regierung in Sachen Photovoltaik seit 10 Jahren. In Österreich sind nur 3% des Solarpotenzials erschlossen, und das obwohl sie zur vielversprechendsten Technologie zur Erreichung der Klimaziele zählt. Universell einsetzbar, bürgerenergietauglich, kostengünstig und natürlich sauber. Um die „2030 Ziele“ zu erreichen, bräuchte es einen jährlichen Zubau von mindesten 1000 kWp. Wir haben hier schon vor 4 Jahren darüber berichtet. Ohne Sofortmaßnahmen sinkt diese Zahl jedoch auf 150 kWp 2020. Von den 35 GWp möglichen installierten Kraftwerken sind erst 1,2 GWp realisiert. Geht es in diesem Tempo von 150-200 MWp/Jahr weiter, dauert der Ausbau noch über 150 Jahre und auch die Klimaziele bis 2030 sind unter den derzeitigen Bedingungen unerreichbar.

Selbst wenn sich der Zubau auf 500 MWp/Jahr erhöht, dauert es 70 Jahre um den Vollausbau von 35 GWp zu erreichen.

Photovoltaikausbauzahlen pro Jahr für die Erreichung des Gesamtpotenzials von 35 GWp

„Jeder Investor sollte gefeiert, nicht behindert werden.“

Was mich persönlich in Zeiten wie diesen so aufregt, ist, dass anstatt jedes einzelne Unternehmen zu fördern und feiern, welches sich entschließt, einen Beitrag zur Klimaproblematik zu leisten, werden ihnen oftmals Hürden in den Weg gelegt. Anstatt die Bürokratie diesbezüglich zu vereinfachen, hat man eher das Gefühl, gegen eine Art Verhinderungspolitik anzukämpfen.

Es braucht dringende Sofortmaßnahmen wie die tatsächliche Abschaffung der Betriebsanlagengenehmigung und die ca. 10 mal versprochene Abschaffung der Eigenverbrauchssteuer ,die unfassbar viel Vertrauen in die Regierung zerstört hat, wie auch hier schon berichtet, sowie das Notpaket, welches die PV-Austria verlangt.

Notpaket sichert lediglich Status-Quo

Was auch nicht vergessen werden darf, ist, dass die Sofortmaßnahmen noch nicht zu einem massiven Ausbau führen. Um wirklich einen massiven Zubau zu bekommen, muss an vielen Stellschrauben geschraubt werden. Eine nicht vollständige Liste der besprochenen weiteren Maßnahmen wären:

  • Beschleunigte Abschreibung für bis 2025 gebaute Anlagen (kostenneutral)
  • Begünstigung der Netztarife im Ortsgebiet und Ermöglichung der Direktvermarktung (kostenpositiv weil Ausbau ohne Förderung ermöglicht wird und Strafzahlungen gemindert)
  • Abschaffung der Eigenverbrauchssteuer (kostenpositiv, weil Ausbau ohne Förderung näher rückt und Strafzahlungen gemindert werden)
  • Fortführung der bisherigen Förderung für höhere Volumina (Umlage auf Energiepreis nötig, aber in sehr geringem Ausmaß, welches die Strafzahlungen unterschreitet)
  • Solarfreundliche Bauordnungen in den Bundesländern (zB. Verpflichtung Aufbauten auf die Nordseite des Daches zu stellen wenn möglich)
  • Solarpflicht für öffentliche Einrichtungen (kostenpositiv weil Stromkosteneinsparung + Verringerung Strafzahlungen)
  • Kombinierte Incentives wenn Dachsanierung + Photovoltaik gemacht werden soll (Doppelteffekt auf Bauwirtschaft)
  • Erlaubnis Anlagen größer 200 kWp zu bauen, wenn dafür keine Förderung bezahlt wird (ultrakostenpositiv weil Zubau ohne Fördermittel!!!)

Ohne Veränderung keine Veränderung

Was aber viel wichtiger ist, ist zu sagen, dass die Photovoltaik nicht länger das Stiefkind in Österreich sein darf. Es braucht ganz dringend Taten statt Worte, weil es einfach utopisch ist, dass diese Investitionen aus dem Nichts kommen. Solange es keinen CO2 Preis gibt und der Strom so günstig ist wie derzeit, braucht es andere Anreize, Gesetze oder Steuerlenkungsmaßnahmen um die Investitionen schnellstmöglich auszulösen. Einstein wusste schon lange, dass es einfach nur dumm ist, wenn man erwartet, dass sich bei der selben Verhaltensweise irgendetwas verändert. Derzeit ist eine Verschlimmerung der Fall und ich wünsche mir, dass die Parteien die Chance der Photovoltaik endlich erkennen und entsprechend handeln.

„Mit denselben oder schlechteren Rahmenbedingungen ein anderes Ergebnis zu erwarten nennt Einstein Dummheit.“

Cornelia Daniel featuring Einstein

PS: Deutschland hat innerhalb von 10 Jahren über 40 GWp zugebaut mit einem ambitionierten Gesetz, dass zu den derzeitigen Kosten 1-5% des Deutschen Gesetzes kosten würde. Es muss also nicht 150 Jahre dauern und auch kein Vermögen kosten.

Weitere Berichte von der Pressekonferenz:

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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