Raus aus Öl und Erdgas

Energiewende-Zweifler und deren verbittertes Klammern an jede Information, die gegen eine erneuerbare Energie spricht, empfinde ich als höchst mühsam – insbesondere, wenn ich an soziale Medien denke, und hier vor allem an Facebook. E-Mobilität führt zu mehr Kinderarbeit und ist genauso klimafeindlich;

E-Autos sind zu leise und eine Gefahr für die Schüler; Photovoltaik- und Windkraftanlagen verunstalten unsere Landschaften und man bekomme Nasenbluten davon; Öfen und Herde sind überhaupt die schlimmsten Emittenten; und natürlich alles wissenschaftlich bewiesen. Man kann es doch in der Online-Zeitung lesen. Als Beweis reicht der Link zum Artikel auf Facebook

Eines dieser Argumente hat propellets Austria aufgegriffen: Pellets weisen genauso Emissionen auf wie Heizöl und Erdgas. Da können wir gleich mit den fossilen weitermachen. Doch wie ist nun der sogenannte CO2-Fußabdruck der einzelnen Energieträger?

Hierbei müssen, abgesehen von den CO2-Emissionen, die beim Verbrennen selbst entstehen, auch noch jene Schadstoffe mitbilanziert werden, die in der Produktion und beim Transport verursacht wurden. Vergleicht man den Brennstoff Heizöl extraleicht mit Holzpellets, zeigt sich klar, welches Produkt in Sachen Energieaufwand einen nachhaltigen Vorsprung hat: Während die CO2-Bilanz bei Heizöl extraleicht die Exploration (Suche bzw. Erschließung des Rohöls in der Erdkruste), die Förderung und den Transport des Rohöls aus den Förderländern sowie die Verarbeitung in der Raffinerie (Raffination) bis hin zur Lieferung an den Endkunden umfasst, werden Holzpellets meist vor Ort erzeugt – und zwar aus den Nebenprodukten heimischer Sägewerke. Der Transport des Rohstoffs entfällt größtenteils somit.

Der Energieaufwand für die Trocknung der Späne, das Pressen der Pellets sowie der Transport zum Endkunden ist natürlich zu berücksichtigen. Jene Energieaufwendungen, die für die Produktion notwendig sind, werden im Rahmen der Qualitätszertifizierung ENplus durch unabhängige Auditoren ermittelt. Letztere bestimmen auch die CO2-Belastung aller eingesetzten Energieträger.

Weil in der heimischen Pellets-Herstellung überwiegend erneuerbare Energien genutzt werden, weisen die kleinen hölzernen Brennstoffstäbchen einen äußerst niedrigen CO2-Fußabdruck auf. Die Gesamtemissionen aus der Nutzung 1 Tonne Pellets belaufen sich auf 24,5 kg CO2. 500 Liter Heizöl (mit demselben Energiewert wie 1 Tonne Pellets) hingegen verursachen 1.682,5 kg Kohlenstoffdioxid. Bei ca. gleich viel erzeugter Wärme mit 490 m3 Erdgas wird die Atmosphäre mit 1.346,5 kg belastet. Dieser enorme Unterschied ergibt sich vor allem dadurch, dass der Baum bei seinem Wachstum CO2 aus der Luft und Nährstoffe aus dem Boden aufnimmt und so das organische Material Holz aufbaut. Während der Baum den Sauerstoff (O) wieder an die Umgebung abgibt, wird der Kohlenstoff (C) hingegen gebunden und dadurch kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Holz wird deswegen als CO2-neutraler Brennstoff bezeichnet.

Mittlerweile hat es sich anscheinend schon bei den Ölheizern herumgesprochen, dass Installationsverbote drohen. Der Andrang auf erneuerbare Heizsysteme ist enorm. Die heuer initiierte Förderaktion „Raus aus dem Öl“ wurde Anfang Juli um zusätzliche 20 Millionen Euro aufgestockt. Seit März wird der Tausch eines fossilen Kessels auf ein erneuerbares Energiesystem mit bis zu 5.000 Euro unterstützt. Die ursprünglich bereitgestellten 42,6 Millionen Euro wurden bereits Ende Juni aufgrund der hohen Nachfrage ausgeschöpft. Mit zusätzlichen Landesförderungen wird der Umstieg noch interessanter: So erhält der Förderwerber in Kärnten bis zu 11.000 Euro bei einem Umstieg auf Pellets. Aber nicht nur die Investitionsförderung pusht die Nachfrage, auch die Brennstoffkosten entwickeln sich zugunsten des erneuerbaren Energieträgers Holz. Vergleicht man zum Beispiel Hackgut und Pellets mit Heizöl, so ergibt sich ein Preisvorteil von 58% bzw. 41%.

Mehr Informationen:

Förderüberischt

Energieträgervergleich

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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