Österreich als blinder Fleck auf der solaren Europakarte

Was uns eine Infrastrukturlandkarte über das Weltgeschehen und die Energiepolitik einzelner Länder verrät und wie deutlich wird, dass Österreich massiven Aufholbedarf hat.

Auf dieser Karte der Infrastrukturplattform Openinframap.org erkennt man wunderschön, was in der Welt gerade passiert. Einige Länder haben schon früh erkannt, dass die Zukunft der Energiewirtschaft in der Solarenergie liegt. Andere Länder hinken noch massiv hinterher. Hier meine persönliche Analyse zu den Hintergründen, ohne in jedem Land alle Einzelheiten zu kennen.

In der Übersicht sieht man anhand der Rotfärbungen der Länder, wo Solarenergie bereits stark eingesetzt wird.

Deutschland – die Mutter der Photovoltaik

Ganz klarer Lichtblick im besten Sinn dieses Wortes ist Deutschland. Das Land indem das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) im Jahr 2000 durch meinen Mentor Hermann Scheer auf den Weg gebracht wurde, ist mit 45 GWp (Ein AKW hat ca. 1 GW Leistung) einfach DAS Vorreiterland. Dank der großen Fördersummen hat Deutschland dafür gesorgt, dass die ganze Welt mittlerweile die günstigste Energiequelle der Welt kaufen kann und ich sage bei meinen Vorträgen immer, dass Deutschland dafür der Friendensnobelpreis gebührt und von allen Entwicklungszahlungen befreit werden sollte, weil alle deutschen Staatsbürger durch die EEG-Umlage schon mehr als genug für den Weltfrieden bezahlt haben. Was so theatralisch klingt, meine ich Ernst. Photovoltaik ist eine Friedensenergie, die auf lange Sicht Kriege um Öl überflüssig machen wird. An dieser Stelle nochmal – DANKE DEUTSCHLAND!

Italien & Spanien als erste Kinder des deutschen Solarbooms

Wenn man die Karte weiter beobachtet, sieht man, dass unter Österreich der italienische Stiefel ebenfalls gelb-rot „glitzert“. Hier sehen wir die Früchte des deutschen EEG’s, da 2005 Italien und Spanien das EEG Deutschlands quasi kopiert haben und so ebenfalls einen starken Ausbau in den 0er-Jahren verzeichnen konnten. Aufgrund einiger „Kopierfehler“, wie ich sie nenne, sind diese Märkte leider zwischendurch noch stärker zusammengebrochen als in Deutschland, aber auch dort hat sich der Markt mittlerweile erholt und nimmt neue Fahrt auf.

Frankreich durch Atomkraft Nachzügler

Ich finde diese Landkarte vor allem deshalb so spannend, weil so ein wunderbares Bild unserer Geopolitik dargestellt wird. Frankreich ist wie Österreich ein Nachzügler in Sachen Photovoltaik und obwohl es wie Deutschland beste Voraussetzungen hätte, führt die dortige Politik dazu, dass die Photovoltaik in ihrer Entwicklung behindert wird.

Skandinavien Vorzeigeschüler trotz schlechter Sonnenstunden

Auch in Skandinavien blinkt und blitz es trotz der geringeren Sonnenstunden gelb und rot, was eine weitere These von mir bestätigt: Je weiter die Demokratie eines Landes fortgeschritten ist, desto höher ist der Grad des Photovoltaikausbaus. Bis auf China stimmt diese These. Dort sind es die Diktatur & der drohende Erstickungstod der Steuerzahler, die den Photovoltaikausbau forcieren.

Australien durch Kohle noch schwach aber im Aufwind

Auch Australien ist für seine hohen Sonnenstunden noch verhältnismäßig weiß auf der Karte. Dies liegt ebenfalls an der geopolitischen Situation. Die jahrzehntelange Tradition der Kohleförderung hat das Land lange daran gehindert, in eine neue Richtung zu gehen. Das ändert sich dort gerade und es hat ein regelrechter Solarboom eingesetzt. Weltweit wird es
in den nächsten Jahren ebenfalls spannend. Stellt euch mal vor, jedes Land wäre soweit, wie Deutschland es ist. Dann wisst ihr, warum die alte Energiewirtschaft solche Angst vor der Friedenstechnologie hat.

Österreich als trauriger weißer Fleck zwischen Deutschland und Italien

Und nun zu Österreich. Der traurige weiße Streifen ist unser Land. Die Gründe hierfür sind auch schon lange bekannt. Die üppige Ausstattung mit Wasserkraftwerken hat viele Regierungen immer wieder dazu verleitet, zu sagen, dass wir eh viel weiter sind als die Mitgliedsstaaten. Das Erbe von mutigen Entscheidungen vor 30 Jahren hat sicher jede Regierung aufs Revers gesteckt, anstatt selbst mutig voranzugehen, um JETZT Klimaschutzmaßnahmen zu setzen. Das rächt sich jährlich in den Berichten über die tatsächlichen Anstrengungen der einzelnen Länder.

Photovoltaik ist ein Politikum, ob wir wollen oder nicht

Eine Erkenntnis, die sich in meinen letzten zehn Jahren in diesem Bereich durchgesetzt hat, ist leider, dass es ohne Politik einfach nicht geht. Im Energiebereich kann man unternehmerisch noch so innovativ sein, das rechtliche Korsett ist schlichtweg zu eng und die Beharrungskräfte der alten Energiewirtschaft sind zu groß. Nur eine Änderung der Großwetterlage und tatsächliche Weichenstellungen in Richtung Photovoltaik werden daran etwas ändern. Derzeit ist ein neuer Wind im Aufleben und ich hoffe, dass diese und die nächste Regierung endlich die Chance dieses Geschenks des Himmels erkennt und dafür sorgt, dass sich der weiße Fleck da oben schließt.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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