Freiwilliger CO2 Preis der öffentlichen Hand als wichtigster erster Schritt

Warum die öffentliche Hand voraus gehen muss mit der Einpreisung von CO2-Kosten und wie das viele Probleme auf einen Schlag lösen kann.

Marktversagen und externe Kosten als lange bekanntes Problem

Zuerst kurz die Beschreibung des Problems. Wir leben in einer Wirtschaft, die auf Marktsignale reagiert. Viele nennen es Kapitalismus und in diesem System wird eben immer weiter optimiert. In so einem Markt gibt es wiederum Probleme, wenn „Marktversagen“ herrscht. Das passiert dann, wenn der Verursacher die Kosten nicht tragen muss, sondern diese auf die Gesellschaft umgewälzt werden. In der Energiewirtschaft haben wir seit Jahrzehnten genau dieses Problem. Energieformen, die CO2-intensiv sind oder die Luft verschmutzen, müssen nicht für höhere Gesundheitskosten oder Gegenmaßnahmen des Klimawandels bezahlen. Im Fachjargon heißt das, dass die externen Kosten einfach nicht im Produkt eingepreist sind. Dies führt dazu, dass die sauberen und CO2-armen Produkte einen massiven Marktnachteil haben, weil die Benefits, die sie der Gesellschaft bringen, nicht zum Tragen kommen.

Jeder weiß, was passieren muss – keiner traut sich

Schon 2010 habe ich eine ganze Blogserie zum Thema Externe Kosten und Kostenwahrheit hier veröffentlicht. Mindestens genauso lange ist man sich in der Wissenschaft und tatsächlich auch politisch einig, dass die einzig richtige Antwort auf die Klimaproblematik ein CO2 Preis ist, der die ökonomischen Signale in die richtigen Bahnen lenkt und auch hier im Blog haben schon andere Autoren das Thema besprochen: Kostenwahrheit als Kern einer nachhaltigen Entwicklung

Nun habe ich auf Twitter gesehen, dass die aktuelle Regierung das Kick-Off Meeting für die neue Klimastrategie 2050 hatte und Solarkollege Roger Hackstock, den wir hier auch schon mehrfach interviewt haben, ließ uns wissen, was bei dem Meeting diskutiert wurde.

Was sich wie ein roter Faden durch den ganzen Tag zog: CO2-Bepreisung und Kostenwahrheit als größter Hebel am Weg zu einem klimaneutralen Österreich 2050. pic.twitter.com/jBE9AsgwZU— RogerHackstock (@RogerHackstock) 16. Juli 2019

Twitter

Beim Meeting des BMNT ist man sich also auch einig, dass ein CO2-Preis her muss, nur leider glauben oder wissen die Politiker, dass sich mit dem Thema keine Wahlen gewinnen lassen, deshalb ein etwas anderer Vorschlag, welcher meiner Meinung nach leichter verdaulich ist als ersten Schritt, viel schneller umsetzbar ist und den Markt als Ganzes entwickelt.

CO2 Preis für die öffentliche Beschaffung als Wunderinstrument

Stellen wir uns also vor, alle Investitionsvorhaben werden nach CO2 Ausstoß berechnet und für jedes kg CO2 würden zusätzlich Kosten entstehen. Dann würde folgendes passieren:

  • Automatisch würden sich Projekte durchsetzen, die vorher aus ökonomischen Gründen abgelehnt wurden, aber langfristig der Gesellschaft viel Geld in Form externer Kosten sparen.
  • Gleichzeitig hätte man bei der Umsetzung nicht mit Gegenwind aus der energieintenisven Industrie zu kämpfen, was ja bisher immer wieder dazu geführt hat, dass diese Maßnahmen nicht umgesetzt wurden.
  • Weiters könnte man so eine Systematik und einen Preis entwickeln und ermitteln, der tatsächlich zu Klimaschutzmaßnahmen führt.
  • Durch eine hohe Verbreitung werden die Maßnahmen für die Allgemeinheit immer besser und günstiger.
  • Eine Förderung in diesem Sektor wäre obsolet und würde kein zusätzliches Steuergeld verlangen.
  • Die Ermittlung und der Prozess von CO2-Preisen könnte auf kleinem Feld ermittelt werden.
  • Mit den Geldern können im öffentlichen Bereich klimafördernde Investitionen getätigt werden. Es wäre also in Wahrheit nur eine Zweckwidmung mit mehrfachem Nutzen.

In Vorarlberg fordert ein Bündnis die Landesregierung bereits direkt auf

In Vorarlberg hat die Arbeitsgemeinschaft für Erneuerbare Energien die Vorarlberger Landesregierung bereits aufgefordert dem Projekt „Klimacent“ beizutreten, was einen ähnliches Effekt wie eine CO2 Bepreisung hat. Je kWh wird ein Cent bezahlt und damit werden klimafördernde Projekte finanziert.

Die Kraft von positiven Vorbildern

Ich glaube einfach an die Kraft von positiven Vorbildern und ich wünsche mir eine Politik, die endlich mal wieder vorausgeht und nicht einfach nur die Mindestvorgaben der EU erfüllen will. In meinem utopischen Artikel, in dem ich erzähle, wie Österreich 2050 die Klimaziele wirklich erreicht hat, habe ich mit einem ähnliches System „Zerst wir – dann ihr“ eine Idee in den Raum gestellt, wie eine Umweltministerin den Friedensnobelpreis bekommen könnte. Ich hoffe, dass diese oder die Idee heute irgendwo in den Regierungskreisen ankommt und umgesetzt wird.

Was meint ihr dazu?

 
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About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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