Elektro-Mobilität

Eine kontroversielle Diskussion

Der Klimawandel ist allgegenwärtig. Hauptverursacht wird er durch die Zunahme an Treibhausgasen, speziell durch Kohlendioxid (CO2). Der Verkehr hat daran einen wesentlichen Anteil.

Trotz verbesserter Verbrennungstechnologien steigen infolge einer durchschnittlich höheren Fahrzeugleistung und eines größeren Fahrzeuggewichts sowie eines vermehrten Kraftstoffbedarfs aufgrund von Zusatzausstattungen, wie z. B. Klimaanlagen, insgesamt die CO2-Emissionen. Und das ist eine rein technische Betrachtung. Andere Parameter, wie beispielsweise das veränderte (Freizeit-)Verhalten mit vielen zusätzlich gefahrenen Kilometern, sind darin noch gar nicht berücksichtigt.

Laut dem Klimaschutzbericht 2017 des Umweltbundesamts war der Verkehr im Jahr 2015 – ohne Berücksichtigung des Emissionshandels – für 44,7 % der Treibhausgasemissionen in Österreich verantwortlich. Österreich hat für das Jahr 2050 das Ziel eines weitestgehend klimaneutralen Verkehrssektors formuliert. Maßnahmen dazu sind eine Verkehrsverlagerung, die Forcierung des öffentlichen Verkehrs, die Förderung der aktiven Mobilitätsformen und vor allem auch der Umstieg auf Nullemissionsfahrzeuge, die auf erneuerbarer Energie basieren.

Alternativen abseits der E-Mobilität

Wenn wir uns gegen den Klimawandel stemmen wollen, dann brauchen wir auch für den Verkehr alternative, CO2-arme Antriebssysteme und auch die dafür benötigte Infrastruktur, um Fahrzeuge mit diesen Antrieben konkurrenzfähig und massentauglich zu machen. Alternative Brennstoffe, wie etwa Wasserstoff, bieten hier die wohl vielversprechendsten Aussichten. Trotz der Vorteile von Wasserstoff, er ist energiereich, faktisch unbe­grenzt verfügbar und als Verbrennungspro­dukt fällt im Grunde nur Wasser an von Wasserstofffahrzeugen gibt es bislang nur sehr wenige wasserstoffbetrie­bene Fahrzeuge, vor allem aufgrund tech­nologischer Hürden und mangelnder Wirt­schaftlichkeit. In einigen Bereichen ändert sich das aber zusehends. Für Schwer­lastanwendungen mit großen Reichweiten und Dauerbetrieb (LKWs, Busse, Schiffe, Züge) werden Brennstoffzellen in wachsendem Maß eingesetzt, da sich die benötigten Wasserstofftanks dort besser unterbringen lassen und die er­forderliche Infrastruktur überschaubarer ist. Bei PKWs hingegen bleiben Batterien wohl auf absehbare Zeit das Mittel der Wahl für E-Mobilität.

Kontroversielle Diskussion

Der Verkauf von E-Fahrzeugen hat in den letzten Jahren, auch dank eines Imagewandels, an dem vor allem das US-amerikanische Unternehmen Tesla großen Anteil hat, weltweit stark an Dynamik gewonnen. In Europa ist Norwegen Spitzenreiter in diesem Segment. Den weltweit stärksten Impact erzielt China, wo der Abnehmermarkt rasant wächst und die Hersteller von E-Fahrzeugen einen Absatzrekord nach dem anderen brechen. Was auf den ersten Blick als positive Entwicklung gesehen werden könnte, ruft dennoch viele Kritiker auf den Plan. Inzwischen wird kaum ein Thema in der Fahrzeugbranche kontroversieller diskutiert, als das rund um die E-Mobilität. Dabei geht es um Leistbarkeit, Reichweiten beim Fahren, die Herkunft des Stroms, das Beladen der Akkus und deren Entsorgung. Es geht um die gesamte CO2-Bilanz, die immer häufiger im Brennpunkt der Kritik an E-Fahrzeugen steht. Alles nur Schlechtrederei? Wie berechtigt ist diese Kritik? Wie gehen wir als nachhaltige Investoren mit dem Thema E-Mobilität um?

Effiziente Technologie

Während bei Verbrennungskraftmotoren mehr als die Hälfte der eingesetzten Energiemenge verloren geht, liegt die Effizienz eines Elektromotors bei etwa 95 %.  Weitere Vorteile von Elektromotoren gegenüber dem Verbrennungsmotor sind die einfachere Bauart, die geringere Wartungsintensität, weniger Lärmentwicklung und die lokale Emissionsfreiheit.  Nachteile, wie lange Ladezeiten und kurze Reichweiten im Fahrzeugbetrieb, verschwinden zusehends. Die Gesamtanalyse zeigt, dass sich beim Einsatz von Elektrofahrzeugen Teile der Umweltprobleme in vorgelagerte Prozesse und andere Teile der Wertschöpfungskette, die Produktion von Fahrzeugen und Bat­teriesystemen, aber auch die Produktion des verwendeten Stroms, verschieben. Das Potenzial der Elek­tromobilität kann nur dann wirklich ausge­schöpft werden, wenn der eingesetzte Strom zu 100 % aus erneuerbaren Quellen stammt.

Vorbild Norwegen

Das Ziel einer brei­teren Flottendurchdringung mit rein elektrischen respektive Plug-In-Hybridfahrzeugen ist nur dann realistisch, wenn die be­stehenden Fördermaßnahmen weiterhin bestehen bleiben und noch ergänzt werden. Vorbild ist hier Norwegen. Der Staat subventioniert den Kauf von batteriebetriebenen Fahrzeugen mit Steueranreizen, Initiativen wie Gratisparkplätzen und der kostenfreien Benützung von Ladesäulen. Das Land verfügt zudem über ein gut ausgebautes Netz an Ladestationen. Zu guter Letzt stammt ein Großteil des Stroms in Norwegen aus Wasserkraftwerken, die hinsichtlich der CO2-Bilanz sehr positiv abschneiden. Mischt man all diese Komponenten zusammen, entsteht ein optimales Umfeld, um eine Vorreiterrolle in Sachen alternativer Antriebsformen einzunehmen. Diese Chance hat Norwegen eindeutig genützt.

Chinas Strategiewechsel bei der Elektromobilität

Eine Strategieänderung lässt sich beim Weltmarktführer im Bereich Elektromobilität, China, ausmachen. 2020 wird das bisherige Subventionsmodell gänzlich eingestellt. An die Stelle eines Subventionsmodells, das die Konsumenten stützt, tritt ein Bonus/ Malus-Quotensystem für Hersteller, mit dem traditionelle Autohersteller unter Druck gesetzt werden.

Nachhaltigkeitsbewertung des Themas Elektromobilität

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management[1] beim Thema Elektromobilität beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der Automobilbranche. Während sich keines der kontaktierten Unternehmen endgültig auf eine bestimmte Antriebsart festlegen will, ist doch ein gewis­ser Tenor in Richtung Elektrifizierung zu er­kennen. Auf Nachfrage was sie, langfristig gesehen, von gemischten Technologien, etwa Hybridlösungen halten, sehen Automobilhersteller Hy­bride als eine gute Lösung, um die bestmögliche Kombination aus lokalem emissionsfreien Fahren und enormer Reichweite zu bieten.

Unternehmen im Fokus der Nachhaltigkeit: Umicore SA

Ein Umstieg auf Elektromobilität kann nur dann zu einer Verbesserung der Umwelt führen, wenn die gesamte Wertschöp­fungskette nachhaltig handelt. Umicore SA ist ein weltweit agierender Ma­terialtechnologie- und Recyclingkonzern. Das Unternehmen ist in den Bereichen Katalyse, Energie und Oberflächentechnologien und Recycling tätig. Das Katalyse-Segment umfasst Automobilkatalysatoren und Edelmetallchemie, das Segment Energie- und Oberflächentechnologien beschäftigt sich mit Materialien für wiederaufladbare Batterien, Kobalt und Spezialmaterialien, elektrooptischen Materi­alien und der Elektroplattierung. Umicore kauft und recycelt Mineralien und Metalle und stellt damit Materialien für wie­deraufladbare Batterien her, die in wei­terer Folge Anwendung in Elektrofahrzeugen oder tragbarer Elektronik finden. Eine nach­haltige Beschaffung ist dabei ein wichtiger Fak­tor für das Ziel von Umicore, Nachhaltigkeit zu einem Wettbewerbsvorteil zu machen.  Das Unternehmen hat auf Basis der aktuellen OECD-Richtlinien eine Strategie entwickelt, die für verantwortungsvolle Lieferketten für Mineralien aus konfliktbetroffenen Gebieten und Gebieten mit hohem Risiko steht. Außerdem trägt ein Recycling-Services für wie­deraufladbare Lithium-Ionen- und Nickel-Metallhybrid-Batterien aus allen möglichen Anwendungen essenziell zu ei­ner effizienten und ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft bei, ohne die ein effektiver Mobilitätswandel in Richtung erneuerbarer Antriebsarten nicht möglich wäre. Das Unternehmen respektiert und fördert darüber hinaus die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten in einem so schwierigen Umfeld wie jenem des Bergbaus. Umicore verfügt daher aus Sicht von Raiffeisen Capital Management über Kompetenzen und Technologien, die auf die globalen Mega­trends der Fahrzeugelektrifizierung, Ressour­cenknappheit und den Bedarf an sauberer Luft abzielen.

Mehr Infos zum Thema unter nachhaltig investieren (als e-paper).


[1] Raiffeisen Capital Management steht für die Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

 
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Wolfgang Pinner

Wolfgang Pinner

Mag. Wolfgang Pinner, MBA hat in Wien und Nottingham studiert und sich seit dem Jahr 2001 auf das Thema Nachhaltiges Investment spezialisiert. Er hat zum genannten Thema bisher drei Bücher veröffentlicht und ist an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen als Lektor tätig. Seit November 2013 ist er Leiter des Teams für Nachhaltiges Investment bei Raiffeisen Capital Management. Seine Verantwortungsbereiche gehen dabei sowohl in Richtung Nachhaltigkeitskonzepte für Fonds als auch in Richtung des täglichen Managements von Investmentfonds. Privat ist er einerseits sportlich als Triathlet unterwegs oder widmet sich seiner Kakteenzucht.

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