Top-Emitters als Klimawandelretter?

Veranstaltung zum Thema Klimawandel

Der Österreichische Biomasse-Verband lud Ende Mai zur traditionellen Wiener Urania-Veranstaltung zum Thema Klimawandel. Dass dieser eingedämmt werden muss, stand natürlich außer Frage, jedoch wie immer schieden sich die Geister am „Wie“.

Als erster Redner wurde Prof. Franz Josef Radermacher begrüßt. Der deutsche Wissenschaftler beschäftigte sich in seinem neuesten Buch „Der Milliarden-Joker“ ausführlich mit dem Thema. Seine These: Das Klima könne nur global und durch die wohlhabende Bevölkerung, die gleichzeitig die Top-Emitters sind, gelöst werden.

Der unverbindliche Paris-Vertrag stellt für ihn „nur schöne Worte“ ohne Sanktionen dar, weshalb er an die Erfüllung der festgelegten Ziele nicht glaubte. 500 Mrd. Tonnen CO2 müssten bis 2050 eingespart werden. Dies bedürfe eines jährlichen Investitionsvolumens von 500 Mrd. Euro. Das könne die Politik alleine nicht leisten. Der wohlhabende Teil der Weltbevölkerung von rund ein bis zwei Prozent verursache die meisten Emissionen und besitze rund die Hälfte des Weltvermögens. Diese Gruppe würde von der Vermeidung einer Klimakatastrophe unter dem Strich auch am meisten profitieren. Die Politik und Umwelt-NGOs müssten den Fokus verstärkt auf diese Gruppe lenken. Konkret müssten die Top-Emitters 5.000 Euro jährlich pro Kopf zur Verfügung stellen. Für Radermacher seien sie daher der Milliarden-Joker. Mit diesem Geld sollen vordergründig Projekte in armen Ländern in Afrika und Indien finanziert werden.

In Afrika werde sich die Bevölkerung in 30 Jahren verdoppeln von 1,2 auf 2,4 Mrd. Menschen. Und bis 2100 würde sich die Anzahl nochmals verdoppeln. Allein der steigende Energiehunger Chinas fresse die europäischen Energieeinsparungen auf. Die Herausforderung sei demnach Wohlstand in den ärmeren Ländern zu generieren und zwar mit sinkendem Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen. Die Europäer würden laut Radermacher teilweise „absurde“ Einsparungen forcieren, die global betrachtet nur ein Tropfen auf dem heißen Stein seien.

Radermacher wurde eingeladen, die Energiestrategie in Kärnten mitzugestalten. Nichts leichter als das: Viel Sonne, Wald und Wasser sowie immer weniger Menschen. Das gleiche gilt für Kanada oder Australien, wo 37 bzw. 25 Millionen Menschen auf einer riesigen Landesfläche leben. Energieeinsparungen bzw. erneuerbare Energien in diesen Ländern seien lobenswert, würden aber das Klimaproblem nicht lösen. Allein in Nigeria würden 200 Millionen Menschen bis 2050 hinzukommen.

Energiewende sei eine Möglichkeit den Klimawandel zu lindern, bekämpfen könne man ihn nur, indem man der Atmosphäre CO2 entzieht. Das solle laut Radermacher mithilfe der Biomasse geschehen. Einerseits müsse Biomasse (auch zum Humusaufbau) in die Erde gebracht und andererseits müssten Regenwälder unter Schutz gestellt werden. Das müsse man aber auch den Bauern bezahlen.

Radermachers Zusammenfassung: „Think big! Wir brauchen eine Kombination aus globalen und nationalen Maßnahmen.“

Klima-Sektionschef Jürgen Schneider konnte nicht alle Meinungen von Radermacher teilen, vor allem nicht den Geldtransfer in Richtung Entwicklungsländer. Die Projekte würden sich schwierig gestalten, wie ein Beispiel zeigt: Man hat in China ein Projekt subventioniert samt Technologietransfer mit der Folge, dass China dann diese Einsparungen als Zertifikate an Europa verkauft, wodurch die Europäer zweimal zur Kassa gebeten wurden.

Seiner Meinung nach müsse Europa auf die Technologieführerschaft pochen und innovative Produkte soweit zur Marktfähigkeit bringen, damit sie auch in den Entwicklungsländern wettbewerbsfähig bzw. „globalisierungsfähig“ werden. Damit könnten die Entwicklungsländer die „fossile Phase“ der Industrieländer überspringen.

Bestes Beispiel sei hierzu die Photovoltaik, die auch in Afrika zu den kostengünstigsten Stromerzeugungsformen zählt. Ferner könne nur das Ziel sein, Wirtschaftswachstum und erneuerbare Energien gleichzeitig zu ermöglichen – in Europa und in den Entwicklungsländern.

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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