Inklusive, sichere, widerstandsfähige und nachhaltige Städte

Wir befinden uns im Jahrtausend der Städte. Immer mehr Menschen leben weltweit in urbanen Räumen. In der Agenda 2030 wird mit dem SDG 11 explizit das Ziel formuliert, Städte und Siedlungen nachhaltig zu gestalten. Doch was steckt da dahinter und welche Bedeutung kann das für Kommunen haben?

Die Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals (SDGs) ist umfangreich gestaltet und gesamtheitlich zu verstehen. Konzentriert man sich dennoch auf einzelne der 17 SDGs, wird deutlich, dass Städte und Siedlungen mit dem SDG 11 ein eigenes Ziel erhalten. Vor dem Hintergrund des globalen Trends der Urbanisierung ist das möglichweise auch nicht verwunderlich. Die Verstädterung der Erde nimmt zu. Urbane Ballungsräume wachsen. Im Jahr 2050 sollen mehr als zwei Drittel der Menschen weltweit in Städten leben. Das bringt wohl so manche Veränderungen und Herausforderungen in ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen mit sich. Es bestehen jedoch auch Chancen und Potentiale können genutzt werden. Nicht nur in punkto Klimawandelanpassung und -vermeidung.  

Was sich hinter SDG 11 verbirgt

Um den Menschen ein gutes Leben ermöglichen zu können, sind Anstrengungen auf allen Ebenen und in sämtlichen Gesellschaftsbereichen notwendig. Immerhin spricht die Agenda 2030 von nichts Geringerem als von der Transformation unserer Welt. Das Ziel 11 lautet „Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten“ und adressiert einige der drängendsten Probleme wie etwa:

  • die Schaffung von angemessenem, sicherem und leistbarem Wohnraum (11.1)
  • den Zugang zu bezahlbaren und nachhaltigen Verkehrssystemen (11.2)
  • eine partizipatorische, integrierte und nachhaltige Siedlungsplanung und -steuerung (11.3)
  • die Senkung der Umweltbelastung pro Kopf – v.a. Luft und Abfall (11.6.)
  • den Zugang zu inklusiven und sicheren Grünflächen und öffentliche Räume (11.7)
  • eine verstärkte nationale und regionale Entwicklungsplanung als stärkere Verbindung von urbanen, stadtnahen und ruralen Gebieten (11.a)
  • Inklusion, Ressourceneffizienz, Klimawandelvermeidung und -anpassung, sowie Widerstandsfähigkeit gegenüber Katastrophen (11.b)

Städte 2030: global lernen, nachhaltig gestalten

Im Rahmen der Fachtagung Städte 2030: global lernen, nachhaltig gestalten, ging man in Wien Fragen der nachhaltigen Stadtentwicklung im Kontext der SDGs nach. Das Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) brachte Referent/innen und Tagungsgäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung zusammen, um mehr über Aspekte der sozialen Inklusion, des ökologischen Bauens, der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, sowie der SDG-Umsetzungsmöglichkeiten zu erfahren und darüber zu diskutieren. Internationale Beispiele und Zugänge aus der Praxis standen bei den jeweiligen Fachvorträgen im Fokus:

  • „Soziale Innovationen und Inklusion in Städten des globalen Südens“ von Johanna Mang (LICHT FÜR DIE WELT) – kostenloser Podcast hier abrufbar
  • „Naturbasierte Lösungsansätze für Gebäude und Städte im Kontext Klimawandelanpassung und Energieeffizienz“ von Susanne Formanek (IBO – Institut für Baubiologie und Bauökologie) – kostenloser Podcast hier abrufbar
  • „Internationale Wettbewerbsfähigkeit urbaner Standorte im Kontext der SDGs“ von Anne Maria Busch(FH Wien – Forschungscluster SMEs & Family Businesses) – kostenloser Podcast hier abrufbar
  • „Good-Practice-Beispiele engagierter SDG-Umsetzungen in Städten weltweit“ von Alexandra Schantl (KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung) – kostenloser Podcast hier abrufbar

Basierend darauf arbeiteten die Tagungsgäste in Workshops an folgenden Fragestellungen (Details im Veranstaltungsbericht):

  1. Österreich: Was sind die Chancen und Herausforderungen der SDG-Umsetzung auf kommunaler Ebene?
    • Was sind die Chancen und Herausforderungen SDG-Umsetzung auf kommunaler Ebene in Österreich?
    • Worin liegt der politische Nutzen der SDG-Umsetzung für Politiker/innen in Österreich?
    • Worin liegt der wirtschaftliche Nutzen der SDG-Umsetzung auf kommunaler Ebene in Österreich?
  2. Gedankenexperiment: Österreichs Städte 2030 – Was braucht es, um urbane Lebenswelten nachhaltig, innovativ und resilient zu gestalten?
    • Was sind aktuell die großen Herausforderungen für österreichische Städte?
    • Wie sieht eine nachhaltige österreichische Stadt im Jahr 2030 aus und welche Gestaltungselemente, Infrastruktur und Leitlinien braucht es dafür?
    • Welche Akteursgruppen können welche Beiträge zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Österreich leisten?
  3. Ermutigung: Erfahrungsaustausch und Sammlung von lokalen SDG-Initiativen in Österreich und der Welt

Einig waren sich die anwesenden Personen, dass urbane Räume sorgfältig geplant und gestaltet gehören. Klimawandel, Ressourcenknappheit und Umweltbelastungen wurden als einer der drängendsten Probleme identifiziert. Zudem wurden der Sicherheit in und der freie Zugang zu öffentlichen Räumen, sowie ordentliche Partizipation und Mitbestimmung einzelner Gesellschaftsgruppen ein hoher Stellenwert beigemessen. Die Innovationsbereitschaft (z.B. bei Stadtbegrünung und Inklusion) und der nachhaltige Umgang mit Wohnraum wurden als essentiell eingeschätzt.  Als Fazit der Fachtagung ist festzuhalten, dass sich aus den SDGs – nicht nur aus SDG 11 – zahlreiche Maßnahmenmöglichkeiten für nachhaltige und zukunftstaugliche Städte ableiten lassen. Sie geben den Stadtplaner/innen und anderen relevanten Stakeholder ein ausgearbeitetes Zielinstrumentarium in die Hand. Nun gilt es, die SDGs gegenüber Politik und Stadtverwaltungen stärker zu kommunizieren und Schritt für Schritt umzusetzen. Welch aktuelle Initiativen und SDG-Prozesse in Österreichs Kommunen zu beobachten sind, habe ich in meinem letzten Artikel Die SDGs auf lokaler Ebene: Es geht voran! (Mai 2019) festgehalten. Als Kompass bieten die SDGs eine gute Orientierung für eine sorgfältige Stadtgestaltung.

Quellen und weiterführende Informationen

 
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Florian Leregger

Florian Leregger

Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen! Die Sustainable Development Goals bieten uns dafür Handlungsoptionen. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement (Fachbereich: Regionale Entwicklung) an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Zu seinen Schwerpunkten zählen Themen in den Bereichen Klimawandel, Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs). Neben bisherigen Berufserfahrungen und ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Forschung und Umweltpädagogik sammelte er während seiner Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Uganda und Costa Rica, wertvolles Wissen und Erfahrungen.

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