Wasserkraftvolles E-Tanken

(c) Olivier Le Moal/ Adode Stock

Für die fast 4.000 Kleinwasserkraftwerke in Österreich waren die vergangenen Jahre eine Berg- und Talfahrt. Nach der Hochpreisphase am Strommarkt im Jahr 2008 kam ein langer Preisverfall, der 2016 seinen Höhepunkt erreichte. Aktuell zeichnet sich wieder eine Markterholung ab, doch die Branche ist nun vorsichtiger geworden und setzt auf eine Diversifizierung des Produktes Ökostrom.

„Small Hydro Mobility“

Eine mögliche Chance am Markt kann für viele Kleinwasserkraftanlagen in Zukunft der Betrieb einer Stromtankstelle sein. Die Standesvertretung Kleinwasserkraft Österreich hat darum im Rahmen des Programms „Elektromobilität in der Praxis“ des Klima- und Energiefonds das Projekt „Small Hydro Mobility“ eingereicht. Die Idee fand Anklang, und so startete das Jahr 2019 mit der positiven Nachricht, dass Kleinwasserkraft Österreich mit der Abwicklung dieses Projektes beauftragt wird.

Ladeinfrastruktur benötigt

Um die 2015 beschlossenen Pariser-Klimaziele erreichen zu können, ist eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen notwendig. Österreichweit ist der Verkehr für 29 % der CO2-Emissionen verantwortlich (Stand 2016) und somit einer der größten Verbraucher fossiler Brennstoffe. Um diesem immer noch steigenden Trend zu begegnen, spielt der Ausbau der E-Mobilität eine entscheidende Rolle. Automobilhersteller forschen schon lange an neuen Technologien, die eine nachhaltige Mobilität auch in Zukunft sichern können. Um den Erfolg dieser Entwicklung zu garantieren, ist auch ein flächendeckender Ausbau der nötigen Ladeinfrastruktur vorauszusetzen.

Partner Kleinwasserkraft

Aufgrund ihrer technischen Voraussetzungen eignen sich Kleinwasserkraftwerke optimal zur Bereitstellung von erneuerbarer Energie zur Gewährleistung einer zu 100% 
emissionsfreien Elektromobilität. Durch die Errichtung von E-Tankstellen bei Kleinwasserkraftwerken kann die bestehende Netzinfrastruktur genutzt, Netzverluste können minimiert und damit eine effiziente Bereitstellung von 100 % Ökostrom garantiert werden. Auch aufgrund der recht gleichmäßigen Verteilung über das Bundesgebiet eignen sich Kleinwasserkraftanlagen sehr gut zum Ausbau der Ladeinfrastruktur. So liegen knapp 200 Kraftwerke mit einer Leistung von über 100 kW in der Nähe von Autobahnabfahrten (max. 2 km entfernt) und können dadurch dazu beitragen, ein kostengünstiges Netz an Schnellladestationen aufzubauen (siehe Tab. rechts unten). Auch darüber hinaus scheint ein großes Potential an E-Tankstellen bei Kleinwasserkraftanlagen zu existieren. Etwa entlang von Bundesstraßen, in Ortschaften oder bei Betrieben (z.B. Gasthäuser, Geschäfte) und bei Anknüpfungspunkten zum öffentlichen Verkehr (Bushaltestellen, Bahnhöfe). Doch es gibt auch Hürden bei der Errichtung von E-Tankstellen an manchen Anlagen, wie z. B. die aus technischer oder wirtschaftlicher Sicht ungeeigneten Standorte, anfallende Gebühren
(z. B. Ökostrompauschale) oder das noch fehlende Know-how.

Die Ziele sind gesteckt

Die Ziele im Projekt sind vielschichtig und sollen zur Beschleunigung der Markteinführung von Elektroautos dienen. Ein Teil davon ist eine technisch-wirtschaftliche Potentialermittlung zur Umsetzbarkeit von E-Tankstellen an Kleinwasserkraftanlagen. Die ermittelten Zahlen dienen in weiterer Folge dazu, einen deutlich sichtbaren Impuls für den Ausbau von Stromtankstellen an Kleinwasserkraftwerken zu setzen und damit auch den Ausbau der E-Mobilität zu unterstützen. Im Sinne des Programmes „Elektromobilität in der Praxis“ soll dies auch über Erfahrungsberichte und Best-Practice-Ansätze erfolgen. Neben der Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit und bei relevanten Stakeholdern (Behörden, Politik, Wirtschaft, Verbände und NGOs, KEM-Manager) ist ein wesentlicher Teil auch die Durchführung von Workshops für Kleinwasserkraftbetreiber. In sieben Workshops sollen dieses Jahr in ganz Österreich die wichtigsten Fragen zur Errichtung und zum Betrieb von E-Tankstellen erörtert werden, etwa welche rechtlichen und finanziellen Fragen zu klären sind oder welche Zusatzangebote für eine hohe Kundenfrequenz förderlich sind. Der Verband nimmt auch Vorschläge für Inhalte entgegen. Als wesentliche Grundlage für die weitere Arbeit dient eine Potentialermittlung. Es wurden unterschiedliche Kriterien festgelegt, wann eine Kleinwasserkraftanlage für den Betrieb einer Stromtankstelle grundsätzlich geeignet ist und diese einer Potentialermittlung zugrunde gelegt. Dabei wurden in Summe über 1.400 in Frage kommende Anlagen identifiziert. Diese erfüllen mindestens ein Kriterium. Fast die Hälfte erfüllt mindestens zwei der zugrunde gelegten Kriterien. Die einbezogenen Kraftwerke mussten auch eine gewisse Mindestleistung aufweisen. Natürlich handelt es sich bei dieser ersten Potentialermittlung lediglich um eine grobe Abschätzung der grundsätzlichen Eignung. Eine tatsächliche betriebswirtschaftliche Analyse kann nur im Einzelfall erfolgen.

Weitere Informationen: www.kleinwasserkraft.at/termine

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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