Dos and Dont’s der Klimakommunikation

Wie im letzten Artikel über den ersten Tag der R20 Klimakonferenz versprochen, gibt es nun die Highlights des 2. Tages, wo ich Teil der Break-Out Session zum Thema Klimakommunikation war. Der Vormittag war unglaublich spannend und auch Arnold Schwarzenegger schaute im Radiokulturhaus vorbei. (Es fanden am 2. Tag in ganz Wien verstreut unterschiedliche Break-Out Sessions statt).

Dont’s: Führt drastische Klimakommunikation zu mehr Fremdenfeindlichkeit?

Der für mich spannendste Beitrag kam von Dr. Isabella Uhl-Hädicke vom Fachbereich Psychologie & Umweltmanagement zum Thema „Unerwünschte Nebenwirkungen von Klimawandelkommunikation„. Da ich mich selbst sehr für die Psychologie & Soziologie unser Spezies interessiere, haben mich diese Ergebnisse wohl besonders angesprochen. Ich habe eine Zusammenfassung der Studie sogar gerade online gefunden. Diese ist oben abzurufen. Die Key Findings aber hier:

Von der Strategie des Wachrüttelns durch Bedrohungsszenarien ist abzuraten. Das Lesen von Klimawandelinformationen hat
keine bzw. eine gegenteilige Wirkung auf klimafreundliches Verhalten: Eine Konfrontation mit einer existentiellen Bedrohung,
wie dem Klimawandel führt zu einem unangenehmen Zustand,
den Personen auf direkte oder symbolische Art lösen können.“

„Direkte Reaktionen stehen im Bezug zur Bedrohungsquelle und
tragen zur Lösung dieser bei (z.B. klimafreundliches Verhalten
nach dem Lesen von Klimawandelinformationen).“

„Symbolische Verteidigungsreaktionen haben keine Verbindung, sondern
sind Handlungen in denen Personen ihre eigenen gesellschaftlichen Werte und Weltanschauungen verteidigen, wie
beispielsweise durch das Abwerten von Fremdgruppen. Diese
Verteidigungsreaktionen helfen wieder Kontrolle über die Situation zu bekommen, tragen aber nicht nur Lösung der Bedrohungsursache bei.“

Isabella Uhl-Hädicke (Universität Salzburg)

Laut dieser Studie haben Menschen also auf existenzielle Bedrohungen wie die Klimakrise zwei „Überlebensmechanismen“. Die direkte und meiner Meinung „gesunde“ Variante ist eben das Verhalten zu verändern. Ich zähle wohl auch zu dieser Gruppe, und so ist es schwer verständlich, dass es eine andere „Lösungmöglichkeit“ gibt. Da ich aber mittlerweile weiß, dass es tatsächliche und grundlegende Auffassungs- und vor allem Verhaltensunterschiede zwischen uns Menschlein gibt, erklärt diese zweite Reaktion für mich vieles.

Die symbolische Verteidigungsreaktion besteht darin sich sprichwörtlich „einzubetonieren“ und das nicht nur argumentativ, wie es viele von uns kennen und erlebt haben, sondern auch menschlich. Zum Beispiel durch eine vermehrte Abwertung von Fremdgruppen. Das erklärt für mich auch den Rechtsruck in der Bevölkerung in den letzten Jahren. De facto war die Menschheit ja nie befriedeter und reicher als heute. Trotzdem werden überall Ängste geschürt, was wiederum zu mehr Fremdenfeindlichkeit führt. Diese letzte Tatsache ist ja noch einleuchtend, aber ich hatte heute zum ersten Mal den Gedanken, dass die alarmierende Klimakommunikation der letzten Jahre also nicht nur unwirksam, sondern sogar mit dazu beigetragen hat, dass einige Menschen mehr Angst vor anderen Menschengruppen entwickelten und egozentrischer wurden.

„Das Lesen von Klimawandelinformationen führt zu unerwünschten Nebenwirkungen:
• Neben der fehlenden Wirkung im Bereich des Klimaschutzes
führt eine Bedrohung durch den Klimawandel zu symbolischen
Verteidigungsreaktionen, zum Beispiel in Form von gesteigertem Ethnozentrismus (Aufwerten der eigenen kulturellen Gruppe, Abwerten von fremden kulturellen Gruppen).
• Nur bei besonders umweltfreundlichen Personen führte
das Lesen der Klimawandelinformationen zu einer höheren
Bereitschaft, klimaschonend zu handeln. Aber auch diese Gruppe zeigt nach dem Lesen der bedrohlichen Informationen symbolische Verhaltensweisen.“

Isabella Uhl-Hädicke (Universität Salzburg)

Das dürfte auch Arnold Schwarzenegger in Kalifornien erkannt haben, da er so ziemlich alle Klimakommunikationsstrategien durchprobiert hat, bis er tatsächlich die Wahl gewinnen konnte.

Dos: „Luft zum Atmen“ als Schlüssel zu den Herzen der Menschen

Bei unserer Break-Out Session wurden wir von einem Überraschungsgast kurz unterbrochen. Arnold Schwarzenegger kam gemeinsam mit Konferenzorganisatorin Monika Langthaler persönlich in den kleinen Sessions vorbei, um wie er sagt, „immer mehr zu lernen, denn je mehr man weiß, desto mehr erkennt man wie wenig man weiß“. Kluger Mann eben, und dort erzählte er uns noch mehr über seine Erfahrungen mit Klimakommunikation.

Vor seiner Wahl zum Gouverneur Kaliforniens (ich weiß leider nicht mehr genau ob es die erste oder zweite Amtszeit war) hatten sie für die Wahl eine sehr klare Klimakommunikationsstrategie gewählt, weil er sich als Gouverneur für dieses Thema einsetzen wollte. Die Umfragewerte waren aber denkbar schlecht. Nichts funktionierte. Weltuntergangszenarien – niet. Eisbären – niet, Hitzetote – bisschen besser, aber nicht signifikant. Wenige Wochen vor der Wahl hatten sie mit verschiedenen Studien aus Lungenfachkreisen zu tun, und es starb ein ungeborenes Kind tatsächlich an „Pollution“, und ein junges Mädchen konnte wegen verunreinigter Luft nicht mehr richtig atmen und konnte nur durch eine Beatmungsmaschine am Leben bleiben. Ich erzähle das jetzt vielleicht etwas drastisch, aber so kam die Geschichte bei mir an. Jedenfalls kamen diese Bilder dann in die Medien und sie gewannen die Wahl und konnten weitreichende Gesetze für den Klimaschutz erlassen. Kalifornien hat schon lange eine Carbon Tax und gestern durfte ich auch mit Mary, einer der treibenden Kräfte in Arnies Kabinett, sprechen und sie befragen, was das Erfolgsrezept hinter ihrer Arbeit war. Es war das ganz klare Commitment, die Gelder aus der Carbon Tax auch wirklich dort zu investieren, wo es bereits echte Luftprobleme in den Regionen gab. Eine wirklich zweckgebundene Carbon Tax ist, meiner Meinung nach, absolut unabdingbar für den Erfolg der Klimaanstrengungen. Nur zum Stopfen für Budgetlöcher wäre es eine wahre Farce, aber anscheinend mussten sie hart dafür kämpfen, dass alles so kam wie es damals kam. Saubere Luft scheint aber tatsächlich etwas zu sein, was Menschen bewegt und verstehen. CO2-Konzentrationen und Treibhausgaseffekte dagegen weniger. Back to basics scheint wie immer der Weg zum Erfolg. Vielleicht liest diesen Artikel auch jemand aus unserer Übergangs- oder neuen Regierung. In jedem Fall kann ich als Berater die Herrschaften von heute Vormittag empfehlen. So konzentriertes Fachwissen hat es zu diesem Thema bestimmt noch nicht gegeben, und der Artikel würde zu lang werden, wenn ich noch all die anderen Vorträge erkläre, also hier nur kurz. Marcus Wadsak vom ORF erzählte von seinen langjährigen Erfahrungen in der Klimakommunikation und Leo Hickmann stellte die unglaubliche Seite Carbon Brief vor, die vermutlich hunderte Artikel hier mit Inhalten füttern könnte. Das ganze „Line-up“ findet ihr hier und ich freue mich sehr, dass ich Teil dieser hochkarätigen Runde sein durfte.

Host: Chris Cummins, Radio FM4
Ingmar Höbarth, CEO, Climate and Energy Fund, Austria
Marcus Wadsak  (wir haben ihn hier schon einmal über Climate Reporter  without borders interviewt), Weather Forecaster, ORF 1 (Austrian Television)
Leo Hickman, Editor, Carbon Brief –  Eine der absolut hochwertigsten Resourcen, wenn es um aktuelle Daten und Informationen zur Erderwärmung und Klimakrise geht.
Christian Rainer, Editor, Profil
Isabella Uhl-Hädicke, Salzburg University/CCCA (siehe oben)
Madeleine Daria Alizadeh, DariaDaria  Eine der wichtigsten Nachhaltigkeits-Stimmen für junge Menschen.
Markus Hafner-Auinger, Klimabündnis 
Cornelia Daniel, Dachgold and Energy Blogger
Katharina Rogenhofer, Fridays for future Vienna 
Carel Mohn, klimafakten.de

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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