Die SDGs auf lokaler Ebene: Es geht voran!

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Neben allen Chancen und Herausforderungen, die die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) mit sich bringen, ist erkennbar, dass sich zunehmend mehr Kommunen und deren Bewohnerinnen und Bewohner engagieren.

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind so simpel und doch hoch komplex. Einerseits bieten sie eine hervorragende Orientierung, was nachhaltige Entwicklung bedeutet und mit welchen Maßnahmen diese tatsächlich ermöglicht werden kann. Zudem zeigen sie Kommunen bei politischen Entscheidungen die verschiedensten Zielkonflikte und Zusammenhänge einzelner Themen auf. Andererseits sind die SDGs interdisziplinär, umfassend, nicht ganz widerspruchsfrei, teils utopisch und schwer zu kommunizieren.

Ess die Tschis – wie bitte?

Wie bitte, von was sprechen sie? Ess die Tschis? Ein Medikament? Oder ein neues Sturmgewehr? Solche oder ähnliche Reaktionen erhält man des Öfteren. Nicht selten sind die SDGs unbekannt. Die Melangé an Chancen und Herausforderungen macht es oft nicht einfach, wiewohl dringend notwendig, sich mit den SDGs zu beschäftigen. Insbesondere auf lokaler Ebene, also im direkten Lebensumfeld von uns Menschen, damit zu beginnen macht Sinn.

Mehr Menschen beschäftigen sich mit den SDGs

Es besteht Handlungsbedarf bei der Umsetzung der Agenda 2030 mit ihren 17 SDGs in Österreich (Artikel „SDGs als Kompass für nachhaltige Entwicklung in Österreich“). Seit geraumer Zeit ist ersichtlich, dass in einzelnen Bundesländern immer mehr Menschen für die SDGs eintreten und diese versuchen, engagiert umzusetzen. Dass sich Politik und Zivilgesellschaft in Städten und Gemeinden Österreichs immer intensiver mit den SDGs als Orientierung für eine ökologische, soziale und wirtschaftliche nachhaltige Entwicklung beschäftigen ist gut. Die Chancen werden zunehmend erkannt. Die Potentiale wollen ausgeschöpft werden. Viele Menschen erkennen dabei unter anderem auch, dass damit eingefahrene Denkräume und gewohnte Verhaltensmuster verlassen werden können. Und genau das ist förderlich, um Kommunen zukunftstauglich zu entwickeln und das eigene Umfeld nachhaltig gestalten zu können .

Kommunen setzen auf SDGs – sie bieten positive Zukunftsbilder

Neben der steigenden Anzahl an Veranstaltungen – z.B. Österreichisches SDG-Forum 2018, SDG-Tagung „Agenda 2030 für Städte und Gemeinden“, IUFE-Fachtagung „Städte 2030: global lernen, nachhaltig gestalten“, SDG-Business Forum 2019 – finden die SDGs auch zunehmend Eingang in Prozesse der Gemeindeentwicklung und der kommunalen Leitbilderstellung. Wissenschaftlich begleitete Projekte und zivilgesellschaftliche Aktivitäten, sowie konkrete Initiative von Unternehmen und in Bildungseinrichtungen geben Hoffnung, dass die SDGs attraktiv und sinnvoll für die unterschiedlichsten Akteursgruppen sind, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Immerhin geht es um nicht weniger als beispielsweise Gesundheit, Bildung, Chancengleichheit, soziale Fairness, Erhalt der Ökosysteme, Klimaschutz, Ressourcenmanagement, Innovation, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und verantwortungsvolles Unternehmertum. Es geht um unsere Zukunft. Die SDGs geben Antworten auf dringende gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen. Damit haben wir positive Zukunftsbilder fernab von Verzicht, Verlustängsten und Perspektivlosigkeit vor Augen, für die es sich lohnt, einzutreten und in Kommunen zusammenzuarbeiten. Wir können damit Lebensqualität und Freude am Leben gewinnen. Ein Beispiel: Wenn aufgrund von nachhaltigen Mobilitätsangeboten (SDG 11) die Luft sauberer ist oder wenn wir öfters anstelle des Autos vermehrt unsere Füße bzw. das Rad benutzen, wirkt sich das auf unsere Gesundheit (SDG 3), einzelne Ökosysteme (SDG 15) und das Klima (SDG 13) förderlich aus.

Projekte und Initiativen auf lokaler Ebene in Österreich

Das Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) widmet sich seit geraumer Zeit verstärkt der SDG-Umsetzung auf lokaler Ebene. Bei diversen Veranstaltungen und durch diverse Kooperationen wurden folgende Projekte und Initiativen kennengelernt (Auswahl):

  • Das „Gemeinde-Navi Agenda 2030“ für Gemeinden in Oberösterreich soll Gemeinden dabei helfen, entlang der SDGs erfolgreich zu agieren (z.B. Kremsmünster). Mithilfe von Fragen kann die kommunale Arbeit im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung analysiert und verbessert werden. Details
  • Das Projekt „17 und wir“ holt unterschiedlichste Aktivitäten aus Niederösterreich von engagierten Akteuren wie etwa Gemeinden, Schulen, Betrieben und Pfarren vor den Vorhang. Im September 2019 findet zudem eine NÖ-Nachhaltigkeitstour statt. Details
  • Im Rahmen des SDG-Projektes „Zukunftskarawane“ werden aktuell unterschiedlichste Aktivitäten wie etwa Jugendparty, Streuobsttag und Recycling-Kurs in Gemeinden Niederösterreichs (z.B. Fischamend) und der Steiermark (z.B. Pöllau) durchgeführt. Details
  • Bei den Agenda 2030-Stadtspaziergängen in Wien werden interessierte Personen zu Plätzen, Initiativen, Lokalen und Betrieben, welche einen Beitrag zur Erreichung der SDGs leisten, geführt. Details
  • Mit dem Projekt „SDG 17 – Schau Das Geht“ in Lieboch wurden im Jahr 2018 u.a. die unterschiedlichsten bereits laufenden Aktivitäten im Sinne der nachhaltigen Entwicklung  in der steirischen Gemeinde gesammelt, sowie neue Vorhaben angestoßen. Details
  • Workshop-Reihe zu den UN-Nachhaltigkeitszielen des Österreichischen Städtebundes und des KDZ-Zentrum für Verwaltungsforschung in Innsbruck (2017) und Leoben (2018). Details
  • Die Stadt Wien gab bekannt, die SDGs in die Wiener Smart City Rahmenstrategie zu integrieren. Damit soll ein verbessertes Steuerungsinstrument für die Förderung einer nachhaltigen und partizipatorischen Stadtentwicklung geschaffen werden. Details

Neben jenen Aktivitäten, die explizit als SDG-relevant erkennbar sind, gibt es unzählige kommunale Initiativen, welche (noch) nicht unter dem „Label SDGs“ durchgeführt werden, allerdings dennoch die 17 Ziele unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Aktionen wie autofreie Tage, Gartenkurse, Naturwanderungen, Müll-Aktionstage, Energieberatung, Bodenworkshops, Fairtrade und Gesundheitstage in Gemeinden.

Quellen und weiterführende Informationen

 
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Florian Leregger

Florian Leregger

Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen! Die Sustainable Development Goals bieten uns dafür Handlungsoptionen. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement (Fachbereich: Regionale Entwicklung) an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Zu seinen Schwerpunkten zählen Themen in den Bereichen Klimawandel, Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs). Neben bisherigen Berufserfahrungen und ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Forschung und Umweltpädagogik sammelte er während seiner Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Uganda und Costa Rica, wertvolles Wissen und Erfahrungen.

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