Die EU und das Plastikverbot

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Seit den 50er Jahren hat die Menschheit mehr als acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Überall ist Kunststoffmüll zu finden : In der Umwelt, in den Meeren, in den Mägen von Tieren und sogar im menschlichen Körper wurde schon Mikroplastik gefunden.

Die Europäische Union macht Ernst mit dem Verbot von Einweg-Plastikprodukten. Die vereinbarte Richtlinie soll ab 2021 in der gesamten EU umgesetzt werden. Sie sieht auch neue Auflagen für Verpackungen und Getränkeflaschen vor.
Ziel ist eine Trendwende beim Plastikverbrauch einzuleiten – und vor allem die Zunahme an Plastikmüll in den Weltmeeren zu stoppen. Denn dieser ist, warnt die EU-Kommission, für viele Fische, Vögel und andere Meeresbewohner lebensbedrohlich.

Verbote betreffen:

  • Trinkhalme
  • Teller
  • Besteck
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen (zum Beispiel für den Kaffee)
  • Wattestäbchen (für den privaten Verbrauch) und
  • Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol, wie sie beim To-Go-Kauf von heißen Lebensmitteln oder Getränken benutzt werden.

Verboten wird außerdem sogenanntes „oxo-abbaubares Plastik“, ein Material mit Metallbeimischung, das zum Beispiel für dünne Beutel und Verpackungen verwendet wird und im Müll in kleinste Mikroteilchen zerfällt.

Wissenschaftliche Anfrage:

Im Laufe der Jahrzehnte haben Wissenschaft, Ingenieurswesen, Ökonomie und Gesetzgeber ein Netzwerk komplizierter Prozesse erarbeitet, das den Lebenszyklus von Plastik reguliert. Weil sie sehr belastbar sind, sollte man Plastikmaterialien wiederverwenden. Wo das nicht geht, mag gleichwohl Recycling möglich sein, also die Herstellung neuer Produkte aus Müll. Was sich nicht wiederverwerten lässt, kann Energie in Müllkraftwerken erzeugen. Wir benutzen in Fossilbrennstoffkraftwerken ohnehin Öl, die Verbrennung von Plastik, das aus Öl gemacht wurde, feuert also kein zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre, sofern sie Öl ersetzt; das Öl hat dann sozusagen nur einen Umweg von der Quelle zum Kraftwerk gemacht, um als Giftschutzanzug oder als Lutscherstengel zu dienen.
Prinzipiell könnte Plastik damit, wenn man es weltweit selektiv einsammelt, wiederverwendet, recycelt oder verbrennt, sogar zu den „grünsten“ Materialien gehören. Perfekt funktioniert das allerdings nicht – wir schmeißen zu viel Plastik weg, und einiges davon landet in den Meeren. Dieses Leck betrifft nur zwei Prozent der Plastikproduktion, aber das sind immer noch acht Millionen Tonnen jährlich… Unlängst haben chinesische Wissenschaftler erkannt, dass eine Mottenspezies Polyethylen verdauen kann, mit Hilfe plastikverzehrender Bakterien in ihren Eingeweiden. Und japanische Forscher haben eine Bakterienart identifiziert, die Plastikflaschen frisst. Es sieht so aus, als könnten wir mit dem Problem fertig werden…

Oldamur Hollóczki, Universität Bonn in FAZ vom 20.4.2019

Schlussfolgerung:
Regelbasierte Nachhaltigkeit und kreislauforientierte Produkionsweise oder Verbote

PS:
EU-Richtlinie: die CO2-Emissionen zwischen den Jahren 2021 und 2030 um 37,5 Prozent zu senken, bezogen auf den Ausstoß des Autos. Der Grundsatz: von der „Quelle bis zur Verschrottung“ spielt leider keine Rolle. Das Elektro- Auto muss her. In Alternativen, etwa E-Fuels oder Brennstoffzelle wird kaum gedacht, gibt es keine vergleichbaren Anreize. Polititik weiß es besser als Markt und Wettbewerb , die bei einem rechten Verständnis für  Technologieoffenheit aller Erfahrung nach zu besseren, weil nachhaltigen, Ergebnissen führen würden.

 
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Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter schloss 1965 die landwirtschaftliche Meisterprüfung ab und übernahm 1970 den elterlichen Hof in Belecke in Nordrhein-Westfalen. Von 1969 bis 1975 war er Bürgermeister der Stadt Belecke und von 1975 bis 1989 Bürgermeister der Stadt Warstein. 18 Jahre (von 1972 bis 1990) gehörte Kroll-Schlüter als CDU-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 1991 bis 1998 amtierte er als Staatssekretär und Amtschef im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Freistaates Sachsen. Hermann Kroll Schlüter ist Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa und vielfältig ehrenamtlich tätig, zuletzt 1995 bis 2000 als Präsident der Internationalen Assoziation Ländlicher Katholischer Organisationen und von 2001 bis 2009 als Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland. Von 2001 bis 2017 hatte der den Vorsitz des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes inne.

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