A call for action

Klimawandel als Ausgangspunkt für finanzielles Risiko

Auswirkungen des Klimawandels sind weitreichend, betreffen jeden und fallen mit hoher Wahrscheinlichkeit umfassender aus als andere strukturelle Veränderungen. Die meisten Effekte sind irreversibel und beinhalten Rückkopplungsschleifen zwischen dem Finanzsystem und der allgemeinen Makroökonomie.

Dementsprechend ist eine Vorbereitung notwendig, für welche sich das „Network for Greening the Financial System“ (NGFS) verantwortlich fühlt und daher Empfehlungen für einen Wandel zu einer „grünen Finanzwirtschaft“ gibt.

Das NGFS wurde im Dezember 2017 von einzelnen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden gegründet. Mittlerweile setzt sich das Gremium aus 34 Mitgliedern und 5 „Observern“ – also Beobachtern – aus aller Welt zusammen, die 44 % des weltweiten BIPs verwalten. Die OeNB, sowie andere europäische Finanzinstitute, wie etwa EBRD, EBA oder das Eurosystem, sind Plenar-Teilnehmer. Auch OECD, IFC, die Weltbank und weitere Institutionen sind hier vertreten. Die ACPR als Gründer bildet gemeinsam mit etwa der BIS – repräsentativ für zahlreiche Zentralbanken weltweit – das Präsidium. Zusammen ermutigen sie alle relevanten Stakeholder, die Wissenschaft und Gesetzgeber, zusammenzuarbeiten, um das Thema „grünes Finanzieren“ voranzutreiben.

Hauptziel ist der Wandel hin zu einer grünen und kohlenstoffarmen Wirtschaft – speziell im Finanzbereich. Leistungen dahingehend sind mit zahlreichen Vorteilen verbunden, zum Beispiel Preis- und Finanzstabilität und Sicherheit der Finanzinstitutionen selbst. Weiters bringen zeitnahe Klimaschutzmaßnahmen Kostenvorteile gegenüber Aufwendungen, die für spätere Kompensationen entstehen, würde das aktuelle Wirtschaften ohne klimaschützende Maßnahmen fortgesetzt. Positive „green-growth“-Effekte bestärken sofortige Handlungen außerdem. Jegliche Schritte sollten jedoch in strukturierter Form geplant und durchgeführt werden, denn unkontrollierte Eingriffe haben Störungen und Kosten zur Folge. Aus diesem Grund haben die derzeitigen Mitglieder des NGFS sechs Empfehlungen für einen sanften Wandel zu einem grüneren Finanzsystem ausgearbeitet, welche nicht bindend, aber – laut dem Netzwerk – entscheidend sind.

Empfehlungen

n°1 – Monitoring und Mikro-Aufsicht

Klimarisiken als Ausgangspunkt für finanzielles Risiko müssen in die Mikro-Aufsicht und das Finanzcontrolling integriert werden. Szenario-Technik und Risikoindikatoren unterstützen die Identifikation, das Management und die Berichterstattung solcher Gefahren innerhalb des Unternehmens. Szenario-Analysen beinhalten die Reaktion auf physische Risiken und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft sowie die Art des Wandels. Schlussfolgerungen daraus werden im gesamten Unternehmen kommuniziert und in transparenter Form in Finanzberichten offengelegt.

n°2 – Individuelles Portfolio-Management

Zentralbanken wirken als Vorbild und integrieren nachhaltige Themen in ihr eigenes Portfolio. Investoren ziehen daraus neue Erkenntnisse für langfristiges Investment, reduzieren eventuelle Rufschädigungen und generieren (gesellschaftliches) Ansehen. Eine Ausweitung auf die Geldpolitik ist geplant, da derzeit lediglich eine Zentralbank unter den NGFS-Mitgliedern, die People’s Bank of China, grünes Investment dahingehend bewirbt.

n°3 – Mangel an Datenmaterial

Teams aus interessierten Parteien und Experten erarbeiten relevantes Datenmaterial für langfristige Perioden. Dieses ist einheitlich und – im besten Fall – für die Öffentlichkeit zugänglich.

n°4 – In-house-Ziele

Eine ständige Interaktion innerhalb des Unternehmens, mit diversen Stakeholdern und Experten führt zum Ausbau innerbetrieblicher Kompetenzen.

n°5 – Einheitliche Berichterstattung

Rahmenbedingungen für die Veröffentlichung von klima- und umweltspezifischen Themen müssen stabil und international vergleichbar sein. Dies bietet Vorteile für Investoren und den Kapitalmarkt. Unter anderem erarbeitet die TCFD solche Standards.

n°6 – Taxonomie

Tätigkeiten, die zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beitragen oder stärker von Klima- und Umweltrisiken betroffen sind, werden einheitlich behandelt. Die Taxonomie ist dynamisch und wird regelmäßig geprüft, um Green-Washing zu verhindern, Zertifizierungen zu ermöglichen und Risiko-Analysen zu grünen und braunen Anlagewerten zu ermöglichen.

Grünes Finanzieren in der Praxis

All diese Empfehlungen und Forderungen zum Klimaschutz werden leider noch immer nicht von allen Menschen ernst genommen. Speziell für Mitarbeiter in Finanzinstitutionen erscheint der Zusammenhang zwischen Umweltveränderungen und ihrem Kerngeschäft weithergeholt. Es werden daher in den wenigsten Fällen bereits Maßnahmen getroffen, um Gefahren des „Klimawandels als Ausgangspunkt für finanzielles Risiko“ abzuwenden – entstehen doch Kosten für ein grüneres Finanzsystem augenblicklich, während Ergebnisse daraus erst in der Zukunft ableitbar sind.

Die Auswirkungen des Klimawandels jedoch sind bereits heute enorm und werden ohne gemeinsame Eingriffe in Zukunft immer stärker ausfallen – und das in allen Bereichen der globalen Wirtschaft. Daher muss Bewusstseinsbildung stattfinden um Schutzmaßnahmen zu erarbeiten. Es ist wichtig, dabei alle Regionen der Erde miteinzubeziehen, da eine ständige Interaktion durch die Globalisierung besteht und es zu Rückkopplungsschleifen in jeglicher Art kommt. Der Finanzsektor kann hier mit nachhaltigen Investment- und Finanzierungsformen positiv wirken und gleichzeitig die eigene Wertschöpfung mit neuen attraktiven Anlagewerten puschen.

Aus diesen Gründen operationalisiert das NGFS derzeit die Theorien und ist laufend bemüht den Dialog zwischen relevanten Parteien zu stärken. Herausragende Beispiele, Fallstudien und Analysen für das Risikomanagement werden in einem Handbuch für Finanzinstitutionen in Industrie-, aber auch Schwellen- und Entwicklungsländern veröffentlicht.

Diese Bemühungen sind ein erster Schritt in Richtung grüne Finanzwirtschaft und werden daher hoffentlich als Vorbild für viele weitere Maßnahmen genutzt.

Die gesamte Studie des NGFS können Sie hier nachlesen.

 

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