RNI-Kulinarikpreis 2019 vergeben

Schon zum vierten Mal hat die Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative (RNI) nachhaltige Unternehmen am Genuss-Festival ausgezeichnet. Prämiert wurden heuer: die Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck, der ADAMAH BioHof im Marchfeld und farmgoodies aus OÖ. Mit der Auszeichnung der Aussteller am Genuss-Festival möchte die RNI die nachhaltige Produktion kulinarischer Speisen fördern.

Als Jurymitglied freue ich mich jedes Mal wieder auf die Preisübergabe, denn es ist schön zu sehen, wie sehr sich die Gewinner über die Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit freuen. Dass diese Arbeit, die auch die Vielfalt von Pflanzenarten und Tierrassen erhält, wirklich wichtig ist, wurde mir angesichts des kürzlich erschienenen Berichts des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) der Vereinten Nationen zum globalen Zustand der Biodiversität einmal mehr bewusst.

Wie kam es zur Auszeichnung?

Die Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative, hat sich zum Ziel gesetzt, Aktivitäten zu forcieren, die zu einer nachhaltigen Entwicklung in einer lebenswerten Gesellschaft beitragen. Sie befürwortet seit langem das Ziel des Kuratoriums „Kulinarisches Erbe Österreich“, Veranstalter des Genuss-Festivals, die Vielfalt von Pflanzenarten und Tierrassen zu bewahren.

Von den etwa 190 Ausstellern reichten heuer 32 Unternehmen zum RNI-Kulinarikpreis 2019 ein. Dabei stellte das stetig ansteigende Niveau der Einreichungen die Jury erneut vor keine leichte Entscheidung. Unser besonderes Augenmerk galt jenen Unternehmen, die ihrer gesamten Wertschöpfungskette entlang zur Nachhaltigkeit beitragen. Positiv bewertet haben wir nicht nur Punkte wie eine Steigerung der Energieeffizienz oder der Verzicht von chemischen Zusatzstoffen, sondern auch die Transparenz des Herstellungsprozesses für den Konsumenten. Dass eine nachhaltige Weiterentwicklung der einreichenden Unternehmen stattgefunden hat, sieht man auch daran, dass sich alle Gewinner durch die Integration eines gesellschaftlichen Aspekts auszeichnen.

Im feierlichen Rahmen wurden die Urkunden und Geldpreise für die ersten drei Plätze von niemand geringeren als dem Vorsitzenden der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative, Franz Fischler und der Geschäftsführerin der RNI, Andrea Sihn-Weber. Weiters freute sich erstmalig der Vizepräsident des „Kulinarisches Erbe Österreich“, Toni Mörwald, mit den Gewinnern in den Räumlichkeiten der Raiffeisen Bank International.

Wer sind die ausgezeichneten Unternehmen?

Die Vision der Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck ist es, das traditionelle Erbe Wiens über die Gastronomie wiederzubeleben und die Weinbergschnecken als Future Food zu etablieren. Außerdem werden mehr als 80 ausdauernde Gemüsearten im Schaugarten „Future Garden“ im nachhaltigen Permakulturkonzept gezeigt. Neben bekannteren Pflanzenarten wie dem Rhabarber oder der Artischocke, bereichern ungewöhnliche und auch unbekannte Gemüsepflanzen den Garten. So z.B. Knollenziest, Süßdolde, Speisechrysantheme, Meerkohl, Eschlauch, Hirschhornwegerich und viele weitere Arten. Am Gugumuck-Hof wird eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft praktiziert. Das Futter für die Schnecken stammt von lokalen Produzenten. Die direkt am Hof verarbeiteten Schnecken können Ab-Hof erworben werden, oder im Hof-Bistro im „Farm-2-Table“-Konzept in einem 7-Gang-Menü verspeist werden. Gemeinsam mit dem FH-Studienlehrgang Nachhaltiges Ressourcenmanagement am FH Campus Wien wurde außerdem eine neuartige ressourceneffiziente Verpackungslösung ohne Aluminium entwickelt. Am Hof werden neben regelmäßigen Führungen auch Schneckenzuchtseminare angeboten. Weiters ist der Hof nicht nur ein „Schule am Bauernhof“-Betrieb, bei dem Schülerinnen und Schüler auf spielerische Weise Themen rund um eine nachhaltige Landwirtschaft, Schneckenzucht und Ernährung kennenlernen, sondern bietet regelmäßig Beschäftigungsprojekte in Kooperation mit Jugend am Werk und dem AMS.

Der ADAMAH BioHof im Marchfeld kann jederzeit besucht werden und steht seit über 20 Jahren für biologische Vielfalt. Sein BioKistl ist mit BioGemüse und BioObst – auch außerhalb der Normgröße – von den eigenen Feldern oder von Partnern aus der Region und aller Welt, zusammen mit einem bunten Sortiment an BioLebensmitteln, gefüllt. Rund 80% der BioProdukte im BioKistl sind regionalen Ursprungs, die internationalen BioProdukte sind zum Großteil Fair Trade zertifiziert. Die Zustellung erfolgt CO2-neutral in Mehrweg-Pfandkisten frei Haus. Mit März 2019 startete ein Projekt zum Ausbau von Mehrwegverpackungen der BioProdukte sowie der Produkte der Kooperationspartner. Die entstehenden CO2-Emissionen werden mit dem Umweltberater ReGreen kompensiert. Im innerstädtischen Bereich Wiens wird mit dem Lastenfahrrad und einem Fahrradbotendienst ausgeliefert. Weiters geht Gemüse, das nicht verkauft wird, an Organisationen wie die Wiener Tafel oder das Lernhaus Gänserndorf. Kunden haben die Möglichkeit ihre Bestellung während ihres Urlaubs ebenfalls an karitative Einrichtungen zu spenden, wobei ADAMAH diesen Wert zusätzlich verdoppelt. Darüber hinaus unterstützt ADAMAH durch die Zurverfügungstellung von BioFlächen das Projekt „WUK Bio.Pflanzen“, das mit vielfältigen Maßnahmen Menschen für den Arbeitsmarkt stärken soll.

Mit dem dritten Platz wurde farmgoodies ausgezeichnet. Den Grundstein für das Unternehmen legten Judith und Günther Rabeder in Niederwaldkirchen, OÖ. Das Kerngeschäft ist die Erzeugung und Vermarktung von hochwertigen Lebensmitteln aus heimischen Rohstoffen, wobei der Schwerpunkt zurzeit in der Produktion von Bio-Pflanzenölen, allen voran Leinöl aus Mühlviertler Leinsamen, liegt. Mit einem Netzwerk von rund 30 Bio-Bauern, größtenteils aus dem Mühlviertel, erfolgt die Vermarktung heimischer Bio-Ölsaaten vom Anbau, über Aufbereitung bis hin zur Verarbeitung zu Speiseölen unter der Eigenmarke farmgoodies. Der Anbau heimischer und auch alter Kulturen fördert die Artenvielfalt. Die Pflanze wird als Ganzes verwendet: Pressrückstände gehen als wertvolles Tier-Eiweiß wieder zurück an die Bauern bzw. werden zu feinen Ölsaatenmehle weiterverarbeitet. Die organische Masse als Rückstand am Feld wird dem Boden als wertvoller Nahrungslieferant zugeführt oder geht an einen kleinen Verarbeiter für natürliche Dämmmaterialien. Die kleinen Strukturen und kurzen Transportwege sparen Energie und sind Umwelt- und ressourcenschonend. Unterstützung bei der Verpackung erfolgt durch Menschen der Einrichtung „pro mente“ (Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit).

Im Namen der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative nochmals herzliche Gratulation!

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English Version

RNI Culinary Prize 2019 awarded

For the fifth time, the Raiffeisen Sustainability Initiative (Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative, RNI) has honored sustainable companies at the “Genuss-Festival” (Good Food Festival). This year’s awards went to the „Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck“ (Vienna Snail Manufactory Gugumuck), the „ADAMAH BioHof“ (ADAMAH Organic Farm) in Marchfeld and farmgoodies from Upper Austria. With this award for exhibitors at the Good Food Festival, RNI aims to promote the sustainable production of culinary delights. As a member of the jury, I always look forward to the award ceremony, because it is great to see how much the winners enjoy the recognition and appreciation of their work. That this work, which also preserves the diversity of plant species and animal breeds, is substantial, was once again made clear to me by the recent report by the United Nations World Biodiversity Council (IPBES) on the global state of biodiversity.

How did the award come about?

The Raiffeisen Sustainability Initiative, has itself set the goal of promoting activities that contribute to the sustainable development of a worth living society. It has long endorsed the aim of the board of trustees „Kulinarisches Erbe Österreich“ (Culinary Heritage Austria), organizer of the Good Food Festival, to preserve the diversity of plant species and animal breeds.

Of the approximately 190 exhibitors, 32 companies submitted to the RNI Culinary Prize 2019 this year. Once again, the steadily rising level of submissions placed the jury in a difficult decision-making position. We paid particular attention to those companies that contribute to sustainability along their entire value chain. We have rated positively not only points such as an increase in energy efficiency or the abandonment of chemical additives, but also the transparency of the manufacturing process for the consumer. The fact that the submitting companies have develped in a sustainable manner can also be seen from the fact that all winners are characterized by the integration of a social aspect.

In a festive ceremony, the certificates and cash prizes for the first three places were presented by none other than the Chairman of the Raiffeisen Sustainability Initiative, Franz Fischler and the Managing Director of RNI, Andrea Sihn-Weber. Furthermore, for the first time, Toni Mörwald, the Vice President of the “ Kulinarisches Erbe Österreich“, was pleased with the winners in the premises of Raiffeisen Bank International.

Who are the award winning companies?

The vision of the Wiener Schnecken Manufaktur Gugumuck (Vienna Snail Manufactory Gugumuck) is to revive the traditional heritage of Vienna through gastronomy and to establish the snail as future food. In addition, more than 80 persistent vegetables are shown in the „Future Garden“ show garden as part of the sustainable permaculture concept. Besides more well-known plant species such as rhubarb or artichoke, unusual and unknown vegetables enrich the garden. For example, crosnes, cicely, edible chrysanthemum, sea cabbage, eschalot, buckshorn plantain and many other kinds. At the Gugumuck farm a sustainable recycling economy is practised. The feed for the snails comes from local producers. The snails processed directly on the farm can be purchased from the farm or eaten in the farm bistro in the „Farm-2-Table“ concept in a 7-course menu. Together with the FH Sustainable Resource Management-course at the “FH Campus Wien” (FH Campus Vienna), a novel, resource-efficient packaging solution without aluminium was also developed. In addition to regular guided tours, snail breeding seminars are also offered at the farm. Furthermore, the farm is not only a „Schule am Bauernhof“ (“School on the farm”), where students learn about topics around sustainable agriculture, snail breeding and nutrition in a playful way, but also regularly offers employment projects in cooperation with “Jugend am Werk” (“Youth at the farm”) and the “Arbeitsmarktservice Österreich” (Public Employment Service Austria, AMS).

The ADAMAH Organic Farm in the Marchfeld can be visited at any time and has stood for biodiversity for over 20 years. Its “BioKistl” (Bio Box) is filled with organic vegetables and organic fruits – even outside the standard size – from its own fields or from partners in the region and around the world, together with a varied assortment of organic foodstuffs. Around 80% of the organic products in the “BioKistl” are of regional origin, while the majority of the international organic products are Fair Trade certified. The delivery is CO2-neutral in returnable deposit boxes free to your door. March 2019 saw the start of a project for the expansion of reusable packaging for organic products as well as the products of cooperation partners. The resulting CO2 emissions are compensated with the environmental consultant ReGreen. In the inner city of Vienna delivery is made with the freight bicycle and a bicycle messenger service. Furthermore, vegetables that are not sold go to non governmental organizations such as the “Wiener Tafel” or the “Lernhaus Gänserndorf”. Customers also have the opportunity to donate their orders to charities during their vacation, with ADAMAH doubling this value. In addition, by making organic land available, ADAMAH supports the project „WUK Bio.Pflanzen“ (WUK Bio.Plants), which aims to strengthen people for the labour market with a variety of measures.

farmgoodies was awarded third place. The foundation for the company was laid by Judith and Günther Rabeder in Niederwaldkirchen, Upper Austria. The core business is the production and marketing of high-quality food from domestic raw materials, with the current focus on the production of organic vegetable oils, above all linseed oil from Mühlviertler linseed. With a network of around 30 organic farmers, mostly from the Mühlviertel, the marketing of domestic organic oilseeds is done under the farmgoodies own brand, from their cultivation, preparation till processing into edible oils. The cultivation of indigenous and also old crops promotes biodiversity. The plant is used as a whole: Press residues are returned to the farmers as valuable animal protein or are processed into fine oilseed meal. The organic mass as a residue on the field is used as a healthy source of nutrition for the soil or goes to a small processor of natural insulating materials. The small structures and short transport routes save energy and are environmentally friendly and resource-saving. Packaging support is provided by people from the organization „pro mente“ (Society for Mental and Social Health).

Congratulations again on behalf of the Raiffeisen Sustainability Initiative!

 
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Ulrike Capelare

Ulrike Capelare

Als akademisch geprüfte Werbekauffrau begann sie ihre Tätigkeit in der Marketing- und PR-Abteilung der Raiffeisen-Leasing 2003. Diese begann sich 2007 im Bereich der Ökoenergie zu positionieren, eine Aufgabe die bei Frau Capelare erstmalig das Interesse an diesem Thema weckte. Seit 2012 ist sie in RBI Group Sustainability Management tätig. Dort hat sie ihren Schwerpunkt im Bereich Kommunikation und ist zudem Projektmanagerin der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative. Ihre Freizeit gehört ihrer Familie und dem experimentellen Arbeiten im Garten.

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