Weltweite Schülerproteste für Klimaschutz

Niemand hat es erwartet, alle waren überrascht, darunter vor allem die Politik. Ein Schülerprotest für den Klimaschutz nimmt im Laufe des März globale Züge an und bringt das Thema auf mehr Titelseiten als jede UN-Klimaschutzkonferenz. Gleichzeitig wird jedem der Generationen-Unterschied vor Augen geführt.

Dies trifft besonders die Verursacher des Klimawandels. Die Erwachsenen werden erstmals persönlich von den Kindern mit dem Thema konfrontiert und müssen der Jugend Rede und Antwort stehen. Ob sich dieses Momentum auch auf das Wahlverhalten und damit auf politische Entscheidungen auswirken wird, muss abgewartet werden. Dass es nicht zu spät ist, dem Klimawandel zu begegnen, zeigen die Wissenschaft, aber auch die Verbände der erneuerbaren Energien Österreichs auf.

Etwa 1,5 Mio. Kinder und Jugendliche gingen freitags im März auf die Straßen, um für ein stärkeres Engagement in Sachen Klimaschutz zu protestieren. In 125 Ländern, in über 2.000 Städten nahmen die Verfechter des Klimaschutzes an der Aktion teil. Allein in Deutschland wurden 300.000 Teilnehmer gemeldet. Am Wiener Heldenplatz zählte man rund 10.000 Demonstrierende. Die Botschaft war klar: „Es geht um unsere Zukunft! Schützt unser Klima.“ Berlin, Rom, Madrid, Brüssel – überall das gleiche Bild. In Wien beteiligten sich vereinzelt auch Erwachsene am Protest, doch deren Anzahl war überschaubar. Es herrschte eher Staunen, aber auch Verständnis. Die Bundesregierung schickte ihren gemeinsamen Pressesprecher zum Ballhausplatz. Die Vertreter der Oppositionsparteien nutzten die Gelegenheit und marschierten medienwirksam mit. Die Bundesministerin Elisabeth Köstinger zeigte sich nachträglich in einer Stellungnahme begeistert und führte auch erste Gespräche mit den Organisatoren.

Solidarität der Wissenschaft

Nicht überall kam der Protest gut an. Vor allem die Aussagen seitens der Politik in Deutschland wirkten teilweise befremdlich. FDP-Chef Christian Lindner sagte beispielsweise, die Schüler sollten sich besser im Unterricht informieren, anstatt für Klimaschutz zu streiken. Sie würden die Zusammenhänge nicht verstehen. Das solle man den Profis überlassen.  Auf die Aussagen der Politik reagierte die Wissenschaft pikiert. Mehr als 12.000 Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterzeichneten eine Unterstützungserklärung, worin sie nochmals auf die „wissenschaftlich fundierte Erkenntnis“ hinwiesen, dass die Schüler zu Recht für den Klimaschutz demonstrieren. Der IPCC-Bericht – erstellt von rund 100 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt – belegt eindeutig, dass bis 2050 die Treibhausgas-Emissionen bei null liegen müssen, um die drohenden katastrophalen Auswirkungen der Erderwärmung zu verhindern. Die Hauptverursacher des Klimawandels – die fossilen Energieträger Kohle, Erdgas und Erdöl – müssen durch erneuerbare Energiequellen ersetzt werden.

88 % spüren den Klimawandel

Auch das Ergebnis einer aktuell in Österreich durchgeführten Umfrage unter 1.800 Personen sollte der Energie- und Klimapolitik einen Anstoß zum Handeln geben. Gefragt wurde, ob man glaubt, dass sich der Klimawandel in den nächsten Jahren auf die Region auswirken wird.  53 % – also jeder Zweite – der befragten Österreicher sind der Ansicht, dass ihre Region bereits betroffen ist. Weitere 35 % gehen davon aus, dass dies schon in den nächsten Jahren der Fall sein wird. Dass der subjektive Eindruck nicht täuscht, belegen auch meteorologische Daten. Acht der neun wärmsten jemals in Österreich gemessenen Jahre wurden seit 2000 verzeichnet. 2018 war mit einem Plus von 1,8 °C gegenüber dem langjährigen Mittel ein Rekordjahr.

Klima- und Energieplan

Die Regierung muss auch aufgrund von EU-Vorgaben handeln. Bis Ende 2019 wird Österreich einen nationalen Energie- und Klimaplan (NEKP) vorlegen. Im bisherigen Entwurf fehlten entscheidende Angaben zu Mengen, Technologien, Ausbaupfaden und erforderlichen Maßnahmen. Um einen Paris-konformen Vergleich zu haben, hat der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) einen Plan vorgelegt, der helfen soll, den Vorschlag der Bundesregierung „fitter“ für das 21. Jahrhundert zu machen. Dabei hat der EEÖ erstmals die vorliegenden Studien zum Umbau des Energiesystems und zu möglichen Potenzialen der Erneuerbaren zusammengefasst.

Weniger Emissionen

Für das Erreichen der Pariser Klimaziele ist aus wissenschaftlicher Sicht eine Treibhausgas-Emissionsreduktion von mindestens 50 % bis 2030 vonnöten. Dieses Ziel kann aber nur mit einer Steigerung des Anteils von erneuerbaren Energien auf 64 % bis 2030 erreicht werden. Erst dann macht sich Österreich laut EEÖ „auf den Weg nach Paris“ und kann gleichzeitig innerhalb seines verfügbaren CO2-Restbudgets seine Wirtschaft modernisieren. Das ist eine enorme Aufgabe, die keinen Zeitaufschub mehr ermöglicht, wenn man bedenkt, dass der Erneuerbaren-Anteil in Österreich 2017 bei 32,6 % lag. Wichtig dabei ist, dass der bis 2030 eingeschlagene Weg keineswegs in diesem Jahr abgeschlossen ist. Das „endgültige“ Ziel ist die vollständige Dekarbonisierung bis spätestens 2050.

Technologien vorhanden

Für die Devise „Effizienz zuerst“ ist es einfach zu spät. Die bisherigen Effizienzmaßnahmen haben gezeigt, dass sie alleine zu langsam greifen. Die Ökostromerzeugung muss aus allen Energiequellen rasch ausgebaut werden, um bereits in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre einen Stromüberschuss zu produzieren. Das ist die Voraussetzung für eine verstärkte Elektrifizierung der Wirtschaft und der Mobilität. Der Wärmemarkt braucht eine unterstützende Sanierungsstrategie des Gebäudebestandes, eine Überprüfung und Sanierung des Heizungsaltbestandes bei gleichzeitiger Umstellung auf eine erneuerbare Wärmeversorgung. Der Einsatz erneuerbarer Energien und die Forcierung der Energieeffizienz sind unterm Strich auch kostengünstig und bringen einen langfristigen Mehrwert, sind die Verbände der erneuerbaren Energien überzeugt. Die technologischen Lösungen stehen bereit, sie müssten nur genutzt werden.

Die detaillierte EEÖ-Analyse ist hier downloadbar: www.erneuerbare-energie.at/positionen

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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