Bewusster Plastikverzicht zur Klimawandelvorsorge?

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Sind wir uns ehrlich, Kunststoffprodukte erfüllen viele Aufgaben perfekt und oft noch besser als andere Materialien. Vielmehr geht es darum, unseren Umgang mit Plastik und unsere Gewohnheiten zu hinterfragen. Auf individueller- und politischer Ebene! Vor rund 20 Jahren waren ungefähr 80 % der Getränkeflaschen Mehrweg, heute sind 80 % Wegwerfflaschen.

Plastik ist leicht, bruchfest, elastisch, langlebig. Kein Material verwendet die weltweite Industrie dieser Tage häufiger. Kunststoffe stecken in Medizinprodukten wie Herzklappen, in Baumaterialien zum Beispiel in der Wärmedämmung und in Autoteilen. Doch gerade, weil es so verführerisch flexibel einsetzbar ist, ist es auch ein weltweites Problem.

Seit 1950 haben wir 8,3 Mrd. Tonnen Kunststoff erzeugt. Von diesen 8,3 Mrd. Tonnen haben wir nur 600 Mio. Tonnen tatsächlich recycelt und 800 verbrannt. Jährlich gelangen etwa acht Millionen Tonnen Plastik in die Meere. Vollständig entfernen lassen sich die Teile, von denen manche nur Bruchteile eines Millimeters messen, nicht mehr. In der Folge zerstört Plastikmüll den Lebensraum zahlreicher Arten und seine Inhaltsstoffe bedrohen Tier, Mensch, Umwelt und Klima –wie genau, dazu wird noch geforscht.

Das Zeitalter der Kunststoffe ist zugleich das Zeitalter der Plastikkrise. Seit Jahren fordern wir deshalb: Weg vom Erdöl hin zu einer Bioökonomie! Nun hat die Politik ein Zeichen gesetzt: Nachdem in der Europäischen Union die kostenlose Ausgabe von bestimmten Plastiksackerln bereits seit 2016 verboten ist, haben sich die EU-Politiker im Rahmen der österreichischen Ratspräsidentschaft 2018 unter anderem darauf geeinigt, auch Einmalplastikteile, wie Wattestäbchen und Plastikgabeln zu verbieten, wenn es dafür Alternativen gibt. Ab 2021 sollen die Einwegprodukte vom Markt verschwinden. Es zeigt, dass ein unbekümmerter Umgang mit Plastik nicht mehr zu dulden ist. Und Wegwerfplastik an sich überhaupt nicht.

Diesen Bekenntnissen muss nun eine konsequente Umsetzung folgen. Es braucht in erster Linie Innovationsanstrengungen in Richtung Abfallvermeidung und in zweiter Linie in Richtung Einsatz alternativer Materialien. Die Wirtschaftspartner und der Handel sind daher massiv gefordert, in den nächsten Monaten praktikable umsetzbare Mehrweglösungen zu entwickeln und Bioökonomie und biogene Rohstoffe als Weg in die Zukunft zu erkennen.

Sicherlich wäre es selbstbestimmter, freier und sympathischer, wenn jeder und jede Einzelne Sackerl wiederverwendet, auf Einwegplastikflaschen verzichtet und keine Strohhalme nutzt. Es wäre schöner, wenn es reichte, Geschäftsinhaberinnen und Barbetreiber, die sie anbieten, entsprechend zu rügen, damit einer nach dem anderen diese aus dem Geschäft verbannt und Herstellern damit den Markt nimmt. Aber die eigenen Gewohnheiten zu verändern ist bekanntermaßen schwierig. Das eigene Leben nach Gutdünken von Plastik zu befreien, kostet Zeit, Geld sowie Nerven; ohne Kompromisse ist es nicht möglich.

Es ist naiv zu erwarten, dass das Plastikproblem nur durch Selbstregulierung lösbar ist. Nicht nur das: Es wäre fahrlässig, darauf zu setzen, denn die Lage ist längst zu dramatisch, um abzuwarten. Damit der notwendige Transformationsprozess gelingt, braucht es einen gesunden Mix an Maßnahmen aus gesetzlichen Vorgaben, Innovationsförderung im Bereich Bioökonomie, bewusstseinsbildenden Maßnahmen und Anreizen. Nur so können wir dem Klimawandel entgegentreten und versuchen unsere Welt auch für neue Generationen zukunftsfit zu machen.

 
About the Author

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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