Wie könnte ein sinnvoller Ortsnetztarif aussehen?

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Ich habe „drüben auf Twitter“ gerade gehört, dass nun die Schlacht um die Netztarifgestaltung begonnen hat. Anscheinend sieht es für die Photovoltaik derzeit schlecht aus und es könnte noch eine Hürde mehr für diese Zukunftstechnologie kommen.

Ihr wisst, dass ich mehr als viele andere davon überzeugt bin, dass das Solarzeitalter gekommen ist. Ich weiß aber auch, dass die Zivilgesellschaft alleine das nicht schafft. Zu sehr ist die Energiewirtschaft Regularien unterworfen, die viele Marktmechanismen einfach außer Kraft setzen. Deshalb hier und heute mal wieder eine große Crowdsourcing Geschichte. Lasst uns Ideen sammeln, wie eine sinnvolle Ortsnetztarifordnung aussehen könnte. Hier der Tweet indem die derzeitige Lösung nicht so rosig aussieht.

Neue Energiewelt mit #Prosumer braucht neue #Netzentgelt-Struktur. Österreichs 1. Schritt (Leistungspreis) zielt nur auf NACHTEILE ab, Vorteile (#Netzdienlichkeit) bleibt ungenutzt.@energiecontrol @futurezoneat @RenewablesGrid @ErneuerbareEOE @OeEnergiehttps://t.co/SgPr42hyjw pic.twitter.com/3vXNFM8nKl— Holger Schneidewindt (@cutwindt) 4. März 2019

Twitter Holger Schneidewindt @cutwindt

Warum braucht es Ortsnetztarife?

Photovoltaik ist gerade deshalb die bestechendste Energiequelle der Welt, weil der Strom an Millionen Standorten genau dort erzeugt werden kann, wo er verbraucht wird. Mit genau dort ist aber nicht unbedingt die sinnvollste Lösung „genau auf diesem Grundstück mit dieser Parzellennummer“. Der Strom ist noch genauso wertvoll und günstig, wenn er ein paar Häuser weiterwandert, nur leider erlaubt das die derzeitige Gesetzgebung nicht. Sobald der eigens erzeugte Strom den größten Widerstand seines Lebens überwindet und über den häuslichen Zählpunkt ins Ortsnetz geht, werden Netzkosten und Abgaben aufgeschlagen als würde er von Wien nach Vorarlberg transportiert und müsste dabei allerhand Hindernisse überwinden. Dabei läuft er lediglich ein paar Meter weiter, bis der Nachbar die Klospülung drückt oder sich einen Kaffee macht. Dieser liebe Nachbar bezahlt widerum so viel, als würde der Strom vom 200 km entfernten Wasserkraftwerk kommen, dabei kommt er von nebenan! Nicht falsch verstehen, es braucht die Netzinfrastruktur und es braucht die nächsten paar Jahre auch noch ein paar zentrale Kraftwerke, aber wenn wir die Verzehnfachung der Technologie wollen, dann kommt man um Ortsnetztarife, die einen Vor-Ort Verbrauch belohnen oder zumindest nicht bestrafen nicht herum (Mann, wir sind echt schon so klein geprügelt, dass man sich schon über eine Nichtbestrafung freut…).

Leistungspreis alleine ist Innovationsbremse

Wenn ich die Diskussion richtig verfolgt habe, geht es derzeit nur darum wie viel der Kunde zahlen soll, wenn er zu viel Leistung vom Netz abruft. Ich verstehe, dass vor allem in Sachen Elektromobilität massive Herausforderungen auf die Netzbetreiber zukommen, wenn auf einmal alle ihr Auto anstecken. Viel Leistung in kurzer Zeit wird in Zukunft einfach mehr kosten, das muss allen bewusst sein und das wird eben dazu führen, dass sich Speicher schneller rechnen, weil sie dann langsam Energie einsammeln und auf einmal schnell abgeben können, ohne das Netz zu belasten. Dies führt per se aber in keinem Fall zu einem Ausbau der Photovoltaik. Im Gegenteil, je höher der Fixkostenanteil der Stromrechnung ist, desto weniger Innovationspotenzial liegt in der Steuerung und dem Bau von eigenen Kraftwerken. Es ist also extrem wichtig, die Instrumente so zu gestalten, dass auch Anreize enthalten sind, die netzdienliches Verhalten der Millionen Kraftwerksbetreiber der Zukunft fördert. Wir brauchen hier Köpfe, die weiter denken, als an die nächste Beförderung in den Aufsichtsrat eines Energieversorger (pun intended…).

Ortsnetztarife die netzdienliches Verhalten fördern

Netzdienliches Verhalten? Was soll das nun wieder heißen? Ich finde ja es ist selbsterklärend aber falls nicht: Netzdienliches Verhalten ist zum Beispiel innerhalb des Hauses oder des Unternehmens den Strom dann zu verbrauchen, wenn gerade Strom vom Dach kommt. Dasselbe gilt auch für ein ganzes Gebiet. Wenn Unternehmen A gerade zu viel Strom erzeugt, sollte Unternehmen B davon wissen und den Strom einschalten. Gleichzeitig bedeutet netzdienliches Verhalten fördern auch, dass die Marktteilnehmer belohnt werden, wenn gerade zu wenig Strom im Netz ist und deshalb etwas abgeschalten werden soll oder der Strom aus der eigenen Anlage sofort ins Netz eingespeist werden soll.

EAG sieht Ortsnetztarife vor

Das sich derzeit in der Entwicklung befindliche EAG – (Erneuerbaren Ausbau Gesetz) sieht bereits Ortsnetztarife vor, was ich extrem gut finde. Mir fehlt aber noch die Ausgestaltung und möchte hier gemeinsam mit euch Ideen sammeln, wie dies aussehen könnte. Hier schon mal meine Ideen und ich freue mich über Inputs von eurer Seite.

Kooperation statt Wettbewerb auch bei Ortsnetztarifen?

Ja richtig gehört, alle reden davon, keiner tut es. Wir wissen alle, dass die Zukunft der Menschheit nur über Kooperation geschafft werden kann. Leider wissen das zwar vielleicht viele, aber das derzeitige System belohnt eben den Wettbewerb und nicht die Kooperation. Was also wäre, wenn es ein System gäbe, dass anders ist und eben genau das tut? Ich hatte eben diesen Einfall und werde ihn mit euch teilen.

Stell euch eine Ortschaft vor in der viele erneuerbare Anlagen stehen. Der Netzbetreiber weiß, wie viel Energie über das Verteilnetz hinaus ins Übertragungsnetz fließt und will das eher nicht. Was wäre, wenn die Gemeinde gemeinsam dafür sorgt, dass möglichst wenig Energie rausfließt und GEMEINSAM bestraft oder belohnt wird, wenn ich nenne es mal „kein netzdienliches Verhalten“ der Gemeinschaft herrscht. Wenn also die Gemeinde dem Netzbetreiber ganz viel Sorgen bereitet. Derzeit wird nicht unterschieden zwischen „braven“ Gemeinden und „schlimmen“ Gemeinden oder Quartieren.

Renaissance der Stadtwerke

Dafür braucht es zB. auch wieder solche Einheiten wie Stadtwerke, die innerhalb ihres Versorgungsgebiete die Netztarife so gestalten können, dass die Gemeinschaft incentiviert wird. Ich weiß grad nicht mehr, ob ihr mir folgen könnt, aber die bahnbrechende Idee ist eigentlich die Ortsnetztarife nicht nur an einzelne Verbraucher, sondern vor allem an Gemeinschaften zu koppeln. Das ist zwar in diesem Sinne auch so ähnlich angedacht, hoffe ich, aber die genaue Ausgestaltung fehlt mir eben noch und ich hoffe, dass hier noch mehrere Ideen kommen.

Wie also könnten Ortsnetztarife aussehen?

Hier nun bitte um euren Input, welche Systeme gibt es bereits. Was funktioniert, was nicht und wie könnte etwas gänzlich Neues aussehen, welches Kooperation als zentrales Element hat. Ich denke hier an ganz aussergewöhnliche Dinge wie Belohnungen an den Bürgermeister, der seine Gemeinde in Richtung netzdienliches Verhalten bringt oder damit Ortsnetzspeicher installiert, die widerum Blackout-fähig sind.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

5 Comments

  1. Der wahre Treiber wird die internationale Entwicklung sein. Wenn der nicht bedacht wird, geht die Volkswirtschaft an erheblich zu hohen Energiekosten schnell zu Grunde. Inklusive massiver Abwanderung gebildeter, hochqualifizierter Arbeitskräfte.

    Die Solare Singularität ist nahe, nicht unbedingt in Österreich. Jedenfalls in Kalifornien und dem gesamten Südwesten der USA. Sicher auch in Australien.

    Nicht nur die Solare Singularität ist nahe, sondern auch Solares Aluminium. Das hat dann geopolitisch weitreichend Konsequenzen und würde jetzt zu weit führen.

    Das System der Landeselektrizitätsversorger wird wohl fallen müssen um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Das System hatte seine Verdienst in der Aufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg. Es passt einfach nicht mehr zur Dynamik der Entwicklung.

    Technisch wird es auf eine schnelle, flexible, parteipolitisch unbeeinflussbare Netzplantechnik hinauslaufen. Resilente Netze die extreme Wetterlagen zwischen -40 und 45 Grad verkraften. Gemäßigtes Klima ist hier definitiv vorbei.

    „Strom Verwendungsgemeinschaft“ wird möglicherweise eine eigne Rechtsform, analog zu AG, GmbH, etc.

    Geschäftsmodelle die auf große nationale, oder übernationale Netze bauen werden – ohne parteipolitische Intervention – vermutlich scheitern.

    Und die schnellen werden die langsamen einfach wegputzen. Es gilt ein Diktum von Elon Musk. The pace of innovation is the moat.

    Spannend wird es, wenn die erste Gemeinde ausreichend solarifiziert ist um als selbstbewusste „Strom Verwendungsgemeinschaft“ aufzutreten.

    Was dann heftige politische und technische Debatten auslösen würde. Wäre eine eigene Form von Singularität. Da mir jetzt einmal nichts besseres einfällt „Die dezentrale Singularität ist nahe.“

    Eventuell nicht in Österreich.

    Womit sich der Kreis schließt. Österreich wird aus schier wettbewerblichen Gründen nachziehen müssen. Besser früher als später. Besser später als nie.

  2. Es gibt ja schon das Konzept des virtuellen Kraftwerks. Man könnte doch auch einen virtuellen Verbraucher bzw. Prosumer einführen.

    Interessierte Stromkunden und EE-Energien-Anlagenbetreiber aus einer Stadt (aus einem Nieder/Mittelspannungsnetz bzw. einer Netz-Zelle) schließen sich zusammen und kaufen und verkaufen Strom als eine virtuelle Person vom Übertragungsnetzbetreiber. Idealerweise gleichen sich kumuliertes Angebot und Nachfrage (auch im Tages- und Jahresverlauf) aus. Der „Eigenverbrauch“ der Gemeinschaft steigt. Aus Sicht des ÜNB sinken Verbrauch, Einspeisung und Netzbelastung durch Schwankungen, was honoriert werden sollte.

    Wer genau wie viel verbraucht, macht die Gemeinschaft dann unter sich aus. Wer nicht mitmachen möchte, kauft/verkauft Strom auch weiterhin über den ÜNB.

    Das Prinzip funktioniert grundsätzlich auch mehrstufig und ineinander verschachtelt. Voraussetzung für virtuelle Prosumer muss nur sein, dass die Teilnehmer in einer gemeinsamen Zelle sitzen, weil das Netz nur dann entsprechend entlastet werden kann.

    Alternativ wäre es vielleicht möglich, die Netzentgelte so anzupassen, dass lokaler zeitgleicher Verbrauch honoriert wird. Dazu müsste man zu jeder Zeit wissen, wer gerade wo wie viel Strom verbraucht/erzeugt und wie weit die Verbraucher/Konsumenten „netztechnisch“ voneinander entfernt sind – im Grunde also nachverfolgen, wo der Strom nicht nur bilanziell sondern physikalisch fließt.

    Bestenfalls wissen die Verbraucher/Konsumenten auch selbst, 1) an welches Netz sie angeschlossen sind, 2) zu welcher Zeit welche Verbräuche und Stromproduktion zu erwarten sind und 3) wie hoch Angebot/Nachfrage in Echtzeit sind (basierend auf Lastprofilen und z.B. Wetterprognosen), um sinnvoll entscheiden zu können, wann sie selbst einspeisen bzw. Strom verbrauchen. Damit sich Synergien ergeben, könnten sie basierend auf diesen Informationen auch entscheiden, welche EE-Energien-Anlage sie installieren und/oder an welches Netz sie angeschlossen werden möchten (soweit möglich).

  3. Danke für den sehr guten Beitrag! Hier ein paar ergänzende Anmerkungen!

    „Mit genau dort ist aber nicht unbedingt die sinnvollste Lösung „genau auf diesem Grundstück mit dieser Parzellennummer“. Der Strom ist noch genauso wertvoll und günstig, wenn er ein paar Häuser weiterwandert, nur leider erlaubt das die derzeitige Gesetzgebung nicht.“
    Das ist fachlich falsch. Der Strom wird immer lokal verbraucht, da er Naturgesetzen folgt und immer den „kürzesten Weg“ (geringsten Widerstand) fließt. Das was Du ansprichst ist eine abrechnungstechnische Angelegenheit, um die es ja bei Deiner Betrachtung auch geht.

    PV bzw. besser die Sonnenenergieernte (wie die auch immer aussehen mag) ist sicher die Zukunft. Die zentrale Frage ist aber trotzdem, wie das als Stromversorgungssystem nutzbar ist. PV alleine funktioniert nicht in der Zuverlässigkeit, wie wir sie heute für unsere Anwendungen gewohnt sind und brauchen. Es braucht dazu auch einen Puffer. Auch die herkömmlichen Kraftwerke haben einen solchen Puffer: In der Primärenergie. Daher muss ich nicht nur die Erzeugung, sondern das ganze System adaptieren, wo wir noch meilenweit entfernt sind und das ist auch der Grund, warum das System gerade in die Knie geht.

    Es geht daher immer um funktionale Einheiten und nicht um Einzelkomponenten. Das ist auch der Grund, warum PV sich so nicht durchsetzen kann. Erst wenn wir eine Gesamtlösung damit anbieten können, wird auch die Akzeptanz steigen. Dazu ist ein Energiezellensystem https://www.saurugg.net/energiezellensystem erforderlich. Daher geht es nur indirekt um die Netzkosten.

    „netzdienliches Verhalten der Millionen Kraftwerksbetreiber“
    PV-Anlagen können sich nicht netzdienlich verhalten bzw. nur in eine Richtung: Reduktion der Einspeisung. Das ist aber für eine funktionale Einheit zu wenig!

    „Netzdienliches Verhalten? Was soll das nun wieder heißen? Ich finde ja es ist selbsterklärend aber falls nicht: Netzdienliches Verhalten ist zum Beispiel innerhalb des Hauses oder des Unternehmens den Strom dann zu verbrauchen, wenn gerade Strom vom Dach kommt. “
    Nein, das greift zu kurz!
    Netz- bzw. systemdienliches Verhalten bedeutet, dass die Probleme weitgehend dort gelöst werden wo sie auftreten. Das heißt, die Versorgungssicherheit wird lokal sichergestellt. Nicht nur punktuell oder zu gewissen Zeiten, sondern permanent. Ansonsten kann das System nicht funktionieren! Das heißt für die Energiezelle, sie deckt den Eigenbedarf und kann zusätzlich Lasten temporär aufnehmen oder abgeben. Ob durch Speicher, Abschaltung oder sonstige Maßnahmen.

    Komplexe Systeme lassen sich eben nur mit dezentralen, autonomen Strukturen beherrschen.

    „Derzeit wird nicht unterschieden zwischen „braven“ Gemeinden und „schlimmen“ Gemeinden oder Quartieren.“
    Vollkommen richtig! Daher sieht unser Konzept auch eine Versicherungslösung vor, damit sich die einzelnen Zellen systemdienlich verhalten.

    „Viel Leistung in kurzer Zeit wird in Zukunft einfach mehr kosten,“
    Nicht zwangsläufig, wenn man das in der Zelle regelt, muss das nicht immer so sein bzw. hängt auch vom Angebot ab. Wenn ich am Nachmittag bei Spitzenproduktion beziehe und damit das System entlaste, kann das durchaus systemdienlich sein und honoriert werden. Womit sich wieder zeigt, dass unsere bisherigen Denkmodelle nicht auf zur neuen Realität passen.

    „aber die bahnbrechende Idee ist eigentlich die Ortsnetztarife nicht nur an einzelne Verbraucher, sondern vor allem an Gemeinschaften zu koppeln. “
    Genau, auf die funktionale Einheit oder Energiezelle, die auch eine Notversorgungsfähigkeit sicherstellen kann.
    Daher geht es nicht um irgendwelche virtuellen Gebilde, sondern um wirklich technisch auch funktionierende Strukturen. Wenn wir das verstanden haben und verfolgen, dann kann auch die Energiewende mit PV gelingen!

    „Kooperation als zentrales Element“
    Definitiv! Die Frage ist derzeit, ob wir diesen Schritt ohne Chaosphase schaffen. Wir sollten es auf jeden Fall versuchen! Dazu muss auch das Hintergrundwissen und die Idee von Energiezellen verbreitet werden ;-).

    Und wir müssen jene Leute in die Schranken weisen, die Wunschvorstellungen vor physikalischen Realitäten stellen. Denn das wird für uns alle gefährlich.

  4. Danke für den sehr guten Beitrag! Hier ein paar ergänzende Anmerkungen!

    „Mit genau dort ist aber nicht unbedingt die sinnvollste Lösung „genau auf diesem Grundstück mit dieser Parzellennummer“. Der Strom ist noch genauso wertvoll und günstig, wenn er ein paar Häuser weiterwandert, nur leider erlaubt das die derzeitige Gesetzgebung nicht.“
    Das ist fachlich falsch. Der Strom wird immer lokal verbraucht, da er Naturgesetzen folgt und immer den „kürzesten Weg“ (geringsten Widerstand) fließt. Das was Du ansprichst ist eine abrechnungstechnische Angelegenheit, um die es ja bei Deiner Betrachtung auch geht.

    PV bzw. besser die Sonnenenergieernte (wie die auch immer aussehen mag) ist sicher die Zukunft. Die zentrale Frage ist aber trotzdem, wie das als Stromversorgungssystem nutzbar ist. PV alleine funktioniert nicht in der Zuverlässigkeit, wie wir sie heute für unsere Anwendungen gewohnt sind und brauchen. Es braucht dazu auch einen Puffer. Auch die herkömmlichen Kraftwerke haben einen solchen Puffer: In der Primärenergie. Daher muss ich nicht nur die Erzeugung, sondern das ganze System adaptieren, wo wir noch meilenweit entfernt sind und das ist auch der Grund, warum das System gerade in die Knie geht.

    Es geht daher immer um funktionale Einheiten und nicht um Einzelkomponenten. Das ist auch der Grund, warum PV sich so nicht durchsetzen kann. Erst wenn wir eine Gesamtlösung damit anbieten können, wird auch die Akzeptanz steigen. Dazu ist ein Energiezellensystem https://www.saurugg.net/energiezellensystem erforderlich. Daher geht es nur indirekt um die Netzkosten.

    „netzdienliches Verhalten der Millionen Kraftwerksbetreiber“
    PV-Anlagen können sich nicht netzdienlich verhalten bzw. nur in eine Richtung: Reduktion der Einspeisung. Das ist aber für eine funktionale Einheit zu wenig!

    „Netzdienliches Verhalten? Was soll das nun wieder heißen? Ich finde ja es ist selbsterklärend aber falls nicht: Netzdienliches Verhalten ist zum Beispiel innerhalb des Hauses oder des Unternehmens den Strom dann zu verbrauchen, wenn gerade Strom vom Dach kommt. “
    Nein, das greift zu kurz!
    Netz- bzw. systemdienliches Verhalten bedeutet, dass die Probleme weitgehend dort gelöst werden wo sie auftreten. Das heißt, die Versorgungssicherheit wird lokal sichergestellt. Nicht nur punktuell oder zu gewissen Zeiten, sondern permanent. Ansonsten kann das System nicht funktionieren! Das heißt für die Energiezelle, sie deckt den Eigenbedarf und kann zusätzlich Lasten temporär aufnehmen oder abgeben. Ob durch Speicher, Abschaltung oder sonstige Maßnahmen.

    Komplexe Systeme lassen sich eben nur mit dezentralen, autonomen Strukturen beherrschen.

    „Derzeit wird nicht unterschieden zwischen „braven“ Gemeinden und „schlimmen“ Gemeinden oder Quartieren.“
    Vollkommen richtig! Daher sieht unser Konzept auch eine Versicherungslösung vor, damit sich die einzelnen Zellen systemdienlich verhalten.

    „Viel Leistung in kurzer Zeit wird in Zukunft einfach mehr kosten,“
    Nicht zwangsläufig, wenn man das in der Zelle regelt, muss das nicht immer so sein bzw. hängt auch vom Angebot ab. Wenn ich am Nachmittag bei Spitzenproduktion beziehe und damit das System entlaste, kann das durchaus systemdienlich sein und honoriert werden. Womit sich wieder zeigt, dass unsere bisherigen Denkmodelle nicht auf zur neuen Realität passen.

    „aber die bahnbrechende Idee ist eigentlich die Ortsnetztarife nicht nur an einzelne Verbraucher, sondern vor allem an Gemeinschaften zu koppeln. “
    Genau, auf die funktionale Einheit oder Energiezelle, die auch eine Notversorgungsfähigkeit sicherstellen kann.
    Daher geht es nicht um irgendwelche virtuellen Gebilde, sondern um wirklich technisch auch funktionierende Strukturen. Wenn wir das verstanden haben und verfolgen, dann kann auch die Energiewende mit PV gelingen!

    „Kooperation als zentrales Element“
    Definitiv! Die Frage ist derzeit, ob wir diesen Schritt ohne Chaosphase schaffen. Wir sollten es auf jeden Fall versuchen! Dazu muss auch das Hintergrundwissen und die Idee von Energiezellen verbreitet werden ;-).

    Und wir müssen jene Leute in die Schranken weisen, die Wunschvorstellungen vor physikalischen Realitäten stellen. Denn das wird für uns alle gefährlich.

    Herbert Saurugg, MSc
    Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen
    +43 660 3633896
    office@saurugg.net
    http://www.saurugg.net – Vernetzung & Komplexität – Systemische Betrachtungen und vernetztes Denken

    Blackout – Vorbereitung auf einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall
    Leitfäden zur Selbsthilfe – für Bürgermeister, Unternehmer, Einsatzorganisationen, Gesundheitswesen, Lebensmittelversorgungsbranche
    Newsletter – Aktuelles rund um das Thema Blackout
    Blog-RSS-Feed – Aktuellen Blogbeiträgen folgen
    Twitter: @herbertsaurugg

    Einige Medienberichte zum Thema Blackout-Vorsorge, wo ich mitwirken durfte:
    Kurier-Talk: Stromnetz: „Standen kurz vor Totalausfall“
    addendum.org: Blackout – Ist Österreich vorbereitet?
    ServusTV: Ist Österreich für ein Blackout gerüstet?
    3sat: Strom aus – Wie sicher sind unsere Netze?
    welt.de: „Die Bevölkerung ist sich der Bedrohung nicht bewusst“

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