Fakten statt Fake News

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich versucht, ein bisschen Licht in die Welt der Biomasse-KWK-Daten zu bringen. Passend dazu hat mein Kollege Peter Liptay seine Bioenergie-Bibel – den Bioenergie Atlas – kürzlich vorgestellt.

Es handelt sich um eine Aufbereitung von Daten der Statistik Austria sowie des Umweltbundesamtes zum Thema Bioenergie bis zur Bundesländerebene (inklusive Karten mit Standorten, Energiekennzahlen und vieles mehr). Dabei sind spannende Ergebnisse herausgekommen.

Mit einem Anteil von rund 53 % Erneuerbarer am gesamten Energieverbrauch belegt Kärnten unter allen Bundesländern vor Salzburg (49 %) und dem Burgenland (48 %) den ersten Platz im erneuerbare Energieträger-Ranking. Es folgen Tirol mit 44 % und Vorarlberg mit 39 %. Niederösterreich, die Steiermark und Oberösterreich liegen knapp unter dem Bundesschnitt von 32,6 %. Auf dem letzten Platz landet Wien mit einem Anteil erneuerbarer Energieträger von 9,3 %.

Seinen Spitzenplatz verdankt Kärnten hauptsächlich der Bioenergie, die 2017 zwei Drittel der eingesetzten erneuerbaren Energien bereitstellte, die Wasserkraft lieferte 31 %. Auch in Salzburg sind Bioenergie (55 %) und Wasserkraft (41 %) die bedeutendsten erneuerbaren Energieressourcen. Im Burgenland ist Bioenergie mit über 50 % ebenfalls wichtigster erneuerbarer Energieträger; hier liegt die Windkraft mit 44 % an zweiter Stelle.

Bioenergie deckt etwa 40 % des Raumwärmebedarfs privater Haushalte in Österreich. Den höchsten Anteil am Raumwärmeeinsatz hat sie im Burgenland; dort stellen Scheitholz, Hackgut oder Pellets in Einzelfeuerungen sowie Biomasse-Fernwärme 50 % der Raumwärme bereit. Knapp dahinter folgen Kärnten und die Steiermark mit jeweils etwa 49 %. Dagegen liefern Holzbrennstoffe in Wien nur 7,2 % der Raumwärmeerzeugung, die Wiener Wohnungen werden vor allem mit Erdgas (56 %) und fossiler Fernwärme (28 %) beheizt.
1,1 Millionen Haushalte in Österreich heizen mit Fernwärme, der Anteil von aus Biomasse erzeugter Fernwärme liegt bei 46 %. Die höchsten Beiträge an der Fernwärmeproduktion hat Biomasse im Burgenland (99 %), Vorarlberg (93 %), Tirol (80 %) und Kärnten – dort hat insbesondere die Inbetriebnahme des neuen Biomasseheizkraftwerkes Klagenfurt Ost den Anteil biogener Fernwärme um satte zwölf Prozentpunkte auf 79 % angehoben. In Wien, wo ein Viertel der gesamten Fernwärme Österreichs produziert wird, nimmt Fernwärme aus Biomasse mit 15 % den niedrigsten Anteil unter allen Bundesländern ein. Wiener Fernwärme basiert zu 63 % auf Erdgas und zu 18 % auf brennbaren Abfällen.

Das Ziel der nationalen Klima- und Energiestrategie, den Gesamtstromverbrauch bis 2030 zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen im Inland zu decken, haben das Burgenland, Salzburg und Tirol bereits erreicht. Dem Burgenland gelingt dies zum Großteil aufgrund seiner Windkraftanlagen, die 2017 85 % der Stromerzeugung bereitstellten. Das Burgenland erhält aber auch wichtige Unterstützung von der Bioenergie, die 11 % zur Stromerzeugung beisteuert. In Salzburg (84 %) und Tirol (94 %) dominiert die Wasserkraft bei der Stromproduktion. In beiden Bundesländern ist Bioenergie die zweitgrößte erneuerbare Stromquelle.

Über den mit Abstand geringsten Ökostromanteil verfügt Wien mit
etwa 15 %. In der Bundeshauptstadt liefern die Wasserkraftwerke
etwa 12 % des Strombedarfs. Die Bioenergie kommt mithilfe des Waldbiomassekraftwerkes Simmering auf 2,7 %. Die Stromversorgung Wiens basiert zum Großteil auf Gaskraftwerken (45 %) und
Stromimporten (37 %). Neben Wien sind auch Vorarlberg (33 %),
Kärnten (24 %) und die Steiermark (21 %) zu größeren Teilen von Stromeinfuhren abhängig. Kohlekraftwerke spielen nur für die Stromversorgung der Steiermark (13 %), Oberösterreichs (10 %) und Niederösterreichs (4,3 %) eine Rolle.

Der Energieverbrauch erreichte 2017 in Österreich mit 1.442 PJ einen Rekordwert. Genau wie der Energieverbrauch stiegen auch die Treibhausgasemissionen seit 2014 das dritte Mal in Folge und erreichten 82,3 Millionen Tonnen CO2. Gründe für diese Entwicklung sind insbesondere der stark gestiegene Absatz von Dieselkraftstoff im Verkehr, aber auch der vermehrte Einsatz fossiler Brennstoffe der Industrie- und Energiebetriebe. In Österreich wurden im Jahr 2017 44 % der Energie als Wärme genutzt, 36 % in Form von Treibstoffen und 20 % als elektrische Energie inklusive Strom für Wärme und Mobilität.


Niederösterreich, Oberösterreich, die Steiermark und Wien verbrauchen etwa 75 % der in Österreich eingesetzten Energie. Pro Kopf ist der Energieverbrauch im Industrieland Oberösterreich rechnerisch fast dreimal so hoch wie in Wien. Bei den Treibhausgasemissionen pro Einwohner liegen Oberösterreich mit 15,7 Tonnen CO2 sowie Niederösterreich und die Steiermark mit je 11 Tonnen am weitesten über dem Bundesschnitt von 9,1 Tonnen CO2. In Oberösterreich und der Steiermark sind die hohen Emissionswerte vor allem der Eisen- und Stahlindustrie, teils auch der Papierindustrie, zuzuschreiben. Niederösterreich weist als Standort der Erdölraffinerie Schwechat, des Kohlekraftwerks Dürnrohr sowie von Anlagen zur Erdöl- und Erdgasförderung erhöhte Pro-Kopf-Emissionen auf. Die wenigsten Treibhausgasemissionen verursachen die Wiener (4,5 Tonnen), die Vorarlberger (5,4 Tonnen) und die Burgenländer (6,1 Tonnen). Obwohl 21 % der österreichischen Bevölkerung in der Bundeshauptstadt leben und vergleichsweise wenig erneuerbare Energien eingesetzt werden, beträgt Wiens Anteil an den Treibhausgasemissionen der Republik nur 10 %.

Wer sich noch mehr in die Materie hineintigern möchte:
https://www.biomasseverband.at/fileadmin/bioenergieatlas2019/#page=


 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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