Wir müssen unsere Landwirtschaft klimafit machen

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Wir müssen unsere Ernährung und unsere Lebensmittel klimafit machen! Bis 2050 wächst unsere Weltbevölkerung auf 10 Milliarden Menschen an.
Gleichzeitig können laut FAO die Böden der Erde nur noch für etwa 60 Erntejahre ausreichende Erträge liefern. Wir können nicht weiter machen, wie bisher – das wissen wir.

Die Wintertagung 2019 hat wider die heißen Eisen der Land- und Forstwirtschaft angegriffen und die inhaltlichen Pflöcke für das agrarpolitische Jahr eingeschlagen.
Wir haben uns diese Frage gestellt:

  • Wer ernährt die Welt und welche Strukturen sind morgen resilient?
  • Wer verzehrt die Welt und welche Chancen bergen die Zukunftstechnologien?
  • Wer erklärt die Welt und welche Macht haben Geschichten?

Klimawandel findet statt – die Landwirtschaft spürt die Auswirkungen zu allererst. Nicht nur vergangene Jahr, sondern auch die jetzige Situation in Österreich hat uns einmal mehr gezeigt, dass die Landwirtschaft dabei vor großen Herausforderungen steht! Wetterextreme, Überschwemmungen und Dürre und das jetzige Schneechaos sind nur die Spitze des Eisberges.

Wir müssen unser Ernährungssystem so schnell wie möglich klimafit machen und das entlang der gesamten Kette: Von den Bäuerinnen und Bauern angefangen bis hin zum Konsumenten.

Es geht einerseits darum, vorhandene Ressourcen zu schonen und andererseits Anpassungen an die kommenden Veränderungen unserer Umwelt vorzunehmen. Die Klimakrise verlangt von uns resiliente Betriebe zu erhalten und die Weichen für unsere jungen, zukünftigen Bäuerinnen und Bauern zu legen, die in Zukunft das Essen auf unseren Tellern sichern.

Gleichzeitig müssen wir die „Generation Klimawandel“, die Generation, die mit dem Klimawandel aufwächst, für eine nachhaltige Ernährung und Produktion sensibilisieren und die Macht unserer Geschichten nutzen, um sie zu erreichen.

Die Wintertagung möchte Brücken zur Gesellschaft schlagen. 2019 haben wir das mit dem Fachtag für Bildung geschafft. Gemeinsam haben wir den Grundstein für Wissensvermittlung rund um nachhaltige Ernährung und landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion gelegt.
Wir wollen die Wertschätzung und das Bewusstsein für gesunde, regionale Ernährung steigern. Das fängt bei den Eltern daheim an und hört bei unseren Pädagoginnen und Pädagogen noch lange nicht auf.

Die Neugestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik bedeutet Kontinuität aber auch Evolution:

  • Die Umweltleistungen der österreichischen Landwirtschaft müssen weiterhin honoriert und Maßnahmen speziell zu Klimaschutz und -anpassung neu aufgebaut werden.
  • Gleichzeitig sind neue Technologien und Investitionen zu fördern, die der Landwirtschaft moderne Produktionsmethoden erschließen.
  • Ich sehe durch die Digitalisierung, die Chance für Betriebe: Ressourcen schonen – effizient und langfristig zu wirtschaften und unsere Natur nicht zu verwirtschaften.
  • Von der Digitalisierung kann jede Betriebsgröße profitieren, wenn sie richtig eingesetzt wird.
  • Es ist wichtig die Debatten im europäischen Kontext zu führen: Dabei stehen für uns einheitliche und faire Marktmechanismen im Zentrum, aber auch die Groß-Klein Debatte. Denn eines ist sicher, gemischtbetriebliche, familiäre Strukturen sind resilient und tragen ausschlaggebend zur Ernährungssicherheit in Europa bei.
  • Effizienz als alleiniges Dogma kostet mittelfristig betrachtet Vielfalt, aber genau diese Vielfalt wird es brauchen, um unser Ernährungssystem klimafit zu machen.
 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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