Stromkosten für Klimaanlage explodieren – Was tun?

Kürzlich einen Blick auf Ihre Stromkosten riskiert? In den letzten Monaten wurden ganz bestimmt viele von Ihnen mit unliebsamen Briefen der Energieversorger konfrontiert und falls Sie die letzten Jahre auf Ihre Stromkosten geachtet haben und von den niedrigen Stromkosten an der Börse profitieren konnten, so wird es dieses Jahr vielleicht sogar trotz Einsparungen zu deftigen Nachzahlungen kommen.

Ich kenne nicht wenige Fälle, wo sich der reine Energiepreis schlichtweg verdoppelt hat. Von 3,5 ct/kWh auf 7 ct/kWh. Das ist gewaltig und wurde nur von wenigen vorhergesagt. Wir sehen uns nun die Hintergründe & Auswirkungen an und dann im Detail den Fall mit dem Stromfresser Klimaanlage.

Energiepreis verdoppelt – Was steckt dahinter?

Die Gründe, die angeführt werden, sind mannigfaltig und werden auf erhöhte Stromnachfrage durch starkes Wirtschaftswachstum,  dem CO2-Preis, der sich verfünffacht hat und dem daraus resultierenden Abschalten dreckiger Kraftwerke und nicht zuletzt auf die Strompreiszonentrennung zwischen Österreich und Deutschland zurückgeführt. Insgesamt jedenfalls ein Hammer, der seine Wirkung nicht verfehlen wird. Der Strommarkt kommt meiner Meinung nach ENDLICH wieder in die Nähe eines echten Marktes. Es ist dringend notwendig, dass das Marktversagen durch die Umwälzung der externen Kosten dreckiger Energie auf die Gesellschaft endlich denen zugeordnet wird, die sie verursachen.  Auch wenn so eine Veränderung auf den ersten Blick weh tut, so waren die extrem niedrigen Preise an der Börse alles andere als nachhaltig. Kein einziges Kraftwerk der Welt, weder fossil noch erneuerbar konnte kostendeckend arbeiten. Lediglich abgeschriebene Wasserkraftwerke oder uralte Kohlemeiler konnten gerade noch ihre Betriebskosten mit den 2ct/kWh decken und kleine Gewinne einfahren. Es war zumindest für mich absehbar, dass dieser Preis nicht ewig halten kann. Wie ich hier auch schon mehrfach erläutert habe, liegen die Stromgestehungskosten bei so ziemlich allen Energieformen derzeit bei 6-8 ct/kWh. Man nennt dies auch die „Flat Energy World„. Nun haben wir uns mit den Gründen für die Steigerung der Strompreise beschäftigt, nun geht es um die Auswirkungen und hier nehme ich ein sehr plakatives Beispiel, dass mich auch selbst betrifft. 
 

Klimaanlage als Kostenfalle, was tun?

Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt wie Greta Thurnberg verteufelt werde, ja ich nutze eine Klimaanlage und ich bin auch der Meinung, dass diese Zukunft auf Grund des Klimawandels zunehmen werden und es in 10 Jahren niemanden mehr geben wird, der eine Klimaanlage ohne Photovoltaikanlage haben wird, weil diese beiden Geräte einfach das perfekte Team sind und so zumindest dieses Gerät zu 100% CO2 neutral betrieben werden kann. Bis dahin schauen wir uns alle möglichen Lösungen an. 

1.  Klimaanlage nicht mehr einschalten

Die evidenteste und nachhaltigste Lösung in diesem Sommer ist natürlich die Anlage nicht einzuschalten.   

2. Klimaanlage mit Sonnenstrom/Photovoltaik betreiben

Wenn es die Möglichkeit gibt und ein Dach vorhanden ist, ist die absolut günstigste Möglichkeit die Klimaanlage zu betreiben eine eigene Photovoltaikanlage. Während der Strom vom Netz im Haushalt zwischen 15 und 20 ct/kWh kostet, kostet der Strom vom eigenen Dach je nach Anlagengröße nur 5-8 ct/kWh. Also in jedem Fall um 50% weniger. Wer hier nicht investiert, der hat das Sparen vielleicht einfach nicht nötig und will auch nichts für unsere Zukunft hier am Schulungsplaneten machen ;-).

3. Klimaanlage durch Smart-Meter mit Negativpreisen von günstigen Sonnenstrom betreiben

Diese dritte Lösungsmöglichkeit ist für jene von Ihnen, die kein eigenes Dach haben, oder die wie ich in einer Mietwohnung sind, die einfachste und günstigste Lösung. Nachdem mein Strompreis mit Stichtag 1.1.2019 von 3,5 ct auf 5,5 ct/kWh gestiegen ist, hab ich mich mit meinem Stromanbieter Awattar in Verbindung gesetzt und um Lösungsvorschläge gebeten und siehe da, ich habe einen genialen Vorschlag bekommen. Ich weiß ja, dass der Strom an der Börse in Zukunft genau dann günstig sein wird, wenn sehr viel Sonnenstrom im Netz ist und ratet mal, was zu diesem Zeitpunkt auch laufen kann? Richtig, die Klimaanlage! Wie schon oben erwähnt, sind diese beiden Geräte einfach das perfekte Team. Dass ich dieses Wissen schon sehr bald praktisch umsetzen kann, hätte ich nicht gedacht. 

Simon Schmitz der Geschäftsführer von meinem Energieversorger hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass sie einen Tarif haben, bei dem ich auch an der Börse „mitspielen“ kann und von potenziell niedrigeren Preisen durch viele Photovoltaikanlagen im Sommer profitieren kann. Dazu braucht es allerdings einen Smart-Meter und der Roll-Out der Geräte in ganz Wien dauert noch einige Zeit, AUSSER man lässt sich vorreihen! Dass der Energieversorger verpflichtet ist, den Zähler innerhalb von 6 Monaten zu tauschen, wusste ich bislang nicht und natürlich habe ich das gleich gemacht. Wie das genau funktioniert, erkläre ich euch in der kommenden Serie. Mein Weg zum eigenen Smart-Meter! Ja, richtig erkannt, ein richtiger „Cliffhanger“ heute :-)

Wer das nicht mehr erwarten kann, kann mich auch direkt kontaktieren über das Kommentarfeld oder office@dachgold.at. 

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

5 Comments

  1. Liebe Cornelia,
    wenn ich nur deinen Optimismus teilen könnte, dass der Strompreis auf einer marktwirtschaftlichen Basis zustande käme. Sehe ich leider weder jetzt noch erwarte ich es in absehbarer Zeit …

    LG Antonio

    • Ich bin da nicht so pessimistisch.

      Unser Viehbestand wurde nie auf Hitzeresistenz selektiert. Und da Stallhaltung vorherrscht werden die Bauern ihre Ställe kühlen müssen. Können ja keine Kadaver an die Fleischbearbeiter liefern.

      Da gute geplante Kühlanlagen, inklusive thermischer Sanierung die auch Sommertemperaturen berücksichtigt (so ändern sich die Zeiten) aber sehr effektiv sind entsteht für die Bauern erheblicher Überschussstrom wenn sie Ställe und Scheunen massiv solariseren.

      Was fehlt ist ein fairer Zugang zum Netz. Das wird schon, der politische Druck baut sich auf.

  2. Eine Verdoppelung ist schon gewaltig. Vielen Dank für die Erläuterung zu den Umständen, die dazu geführt haben. Ich muss zugeben ich habe schon ein wenig Angst, denn im letzten Jahr hatten wir das erste Mal eine Klimaanlage im Einsatz.

    • Sie müssen keine Angst haben, wenn sie sich ein wenig die internationale Entwicklung ansehen. Welches Problem haben wir hier in Österreich eigentlich?
      Ein historisch gewachsenes meine ich und es ist XXXXXL.

      XXXXXL Berge -> XXXXXL Wasserkraft -> XXXXXL Netz -> XXXXXL Verfilzung Politik und Stromwirtschaft. Eventuell habe ich zu wenig Xen verwendet um die Größe des Problems zu veranschaulichen. Sollte die Notation wechseln. Also auf ein neues. Wir haben ein XnL Problem

      X3L Berge -> X4L Wasserkraft -> X7L Netz -> X11L Verfilzung Politik und Stromwirtschaft. So sieht es hübsch aus und dürfte gefühlt hinhauen.

      Was also tun? Das Netz dem Filz entreißen und den internationalen Stand der Technik antizipieren – also systemisch denken & vorzugsweise auf den Grundlagen der Physik aufbauen und nicht irgendwelcher Parteiinteressen. Dann wird alles gut.

      #Kältewende wäre auch nicht schlecht. Kann man Fußboden- Wand- und Deckenthermie in kalt und warm betreiben, kann man es mit pfiffiger Hybrid-PV
      auch.

      Geht wie?

      Im Sommer speist man in Wärmepuffer um die Panele zu kühlen und Wärme zu haben. Die Abfuhr von Wärme wirkt nämlich auch kühlend auf die Panele und das gesamte Dachsystem. Boltzmann lässt grüßen.

      Im Winter speist man (nächtens) in Kältepuffer um die Panele zu heizen und Kälte zu haben. Die Abfuhr von Kälte wirkt nämlich auch heizend auf die Panele und das gesamte Dachsystem. Boltzmann lässt noch einmal grüßen. Außerdem erspart man sich nerviges Schneeschaufeln am Dach.

      Und richtig gute Stromspeicher sind 2020 am Markt: http://www.ambri.com/

      Nie wieder für Strom, Wärme und Kälte zahlen. Begreift das die hiesige Politik? Auf Gemeindeebene einige. Auf Bundesebene habe ich noch niemand getroffen.

  3. Liebe Cornelia,

    das klingt alles ganz toll – aber hast Du schon mal geschaut, wieviele negative Strompreise im Sommer derzeit existieren?
    Wir haben uns mal die Arbeit gemacht und auf dem BHKW-Infozentrum in der Rubrik Wirtschaftlichkeit einen Bericht dazu verfasst.

    Im Sommer 2016 waren es im Juni bis August gerade einmal zwei Stunden.
    Im Jahre 2017 immerhin schon 15 negative Stundenkontrakte – und im heißen Sommer 2018? Da waren es Null.

    In Österreich dürften zukünftig aufgrund der deutlichen Reduktion der Übertragungskapazität aus dem deutschen Strommarkt eher weniger negativen Strompreise zu Stande kommen.

    Negative Strompreise sind vorrangig getrieben von Erzeugungsspitzen aufgrund der Windkraft – und nicht aufgrund von PV-Anlagen.
    Das wird sich auch zukünftig nicht ändern, da PV-Anlagen (zumindest in Deutschland) deutlich weniger Leistung als Windkraft aufweisen und nun mal physikalisch bedingt tagsüber Strom produzieren, wenn die Stromnutzung in den Gebäuden ebenfalls sehr hoch ist.
    Außerdem hast Du ja richtig erkannt, dass verstärkt Klimaanlagen eingesetzt werden, was den Strombedarf in Zeiten starker Sonneneinstrahlung erhöht.

    Daher:
    in der Theorie interessant aber bei Strombezug aus dem öffentlichen Netz in der Realität ohne Bedeutung.

    Liebe Grüße aus Rastatt
    Markus

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