Letzte Photovoltaikförderung am 11. März?

Vermeintliches Ökostromgesetz neu

Aufdachanlage Photovoltaik Trafomodern, (c) Tony Gigov/Tausendundein Dach

Da es in Österreich nicht immer einfach ist, Regierungsaussagen, tagesaktuellen Hickhack und die tatsächliche Förderlandschaft zu durchschauen, gibt es heute mal wieder ein Update zur aktuellen Fördersituation in Österreich.

  • Was hat es mit der aktuellen Ökostromgesetz/Biogasdebatte auf sich
  • Wann gibt es die angekündigte letzte große Förderung für Anlagen größer 5 kWp und was ist dafür zu tun?
  • Was kommt danach? Ausblick Erneuerbaren-Ausbau Gesetz (EAG)

Die Absage der SPÖ am 14. Februar für die Verlängerung Biomasse KWK Anlagen, hat mit dem neuen Ökostromgesetz, welches die Photovoltaik betrifft, überhaupt nichts zu tun. Es handelt sich lediglich um die Novellierung eines Teilgesetzes, welches seit Jahren in Kraft ist.
Da ich keine Biomasseexpertin bin, will ich mich dazu nicht im Detail äußern, aber über kurz oder lang wird es auch sehr viele erneuerbare Kraftwerke brauchen, die die Volatilität der „freien Erneuerbaren“ kompensieren können. Da nicht jede Energieform das Glück hat, dass der Input der Energie gratis ist wie bei der Sonne oder beim Wind, wird Biomasse nie so günstig sein können wie Photovoltaik- oder Windkraft. Hier eine marktfähige Lösung zu finden, wird ein wichtiges Element des großen EAG (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz), welches derzeit ausgearbeitet wird und auf das ich später noch eingehe.

11. März 2019 vorerst letzte Chance

Nachdem im Jänner zum vorerst letzten Mal die Tarifförderung ausgeschüttet wurde, steht nun die nächste Solarlotterie vor der Tür. Am 11. März wird zum 2. und letzten Mal der Sondertopf für Großanlagen und Speicher vergeben. Die Folgeförderung durch das EAG (Erneuerbare-Ausbau-Gesetz) ist leider noch lange nicht fertig, also herrscht ab 11. März große Ungewissheit und es wäre ratsam sich die Förderung zu sichern, da danach 9 Monate Zeit für die Umsetzung sind. 

Förderung für Photovoltaik

Bis 100 kWp werden mit einem Investitionszuschuss von 250 Euro pro kWp gefördert.
Von 100-500 kWp wird die gesamte Anlage mit 200,-/kWp gefördert. Wenn die Anlage also knapp über 100 kWp groß ist, sollte überlegt werden ob man nicht unter 100 kWp bleibt. 

Förderung  für den Stromspeicher

Am 11.3 gibt es zusätzlich zur Photovoltaik auch eine Speicherförderung von 500,- pro kWh. Es können bis zu 10 kWh Speicherkapazität pro installierter Engpassleistung gefördert werden. Maximal jedoch zwischen 45-65 % der förderbaren Kosten, was wirklich viel ist. Diese Förderung war letztes Jahr x-fach überbucht und ist also am Schwierigsten zu bekommen. Um diese Förderung zu bekommen, ist ein genehmigtes Projekt nötig.

Bei Speichern ist das kein Problem aber bei Photovoltaik hängt es vom Bundesland ab. In Niederösterreich braucht man dafür nur einen genehmigten Zählpunkt und dieser ist in wenigen Wochen beantragbar. In Wien ist die Sache schon etwas schwieriger, aber dort gibt es noch eine zusätzliche Fördermöglichkeit. Im Burgenland kommt es auf die Baubehörden an und welche Genehmigungen nötig sind.

Was kommt danach? Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz EAG NEU

Die Regierung hat mit der #mission2030 ein großes Ziel ausgerufen. 100% erneuerbarer Strom bis 2030. Im derzeitigen Tempo ist das jedoch unmöglich erreichbar (Verzehnfachung der Photovoltaikleistung geplant), deshalb ist ein EAG – das Erneuerbaren Ausbau Gesetz geplant. Ich durfte schon einen Blick auf die groben Züge werfen und im Grunde gibt es vielversprechende Punkte, aber es ist so umfassend, dass ich es für Unmöglich halte, dass es dieses Jahr noch in Kraft tritt. Wie wir wissen, ist die Regierung erst am 14. Februar an einer vergleichbar winzigen Änderung bei der Energiepolitik gescheitert.

Wenn dieses Gesetz also bis Ende des Jahres nicht in Kraft tritt, bleibt das alte Ökostromgesetz erhalten und es gibt im Jänner noch eine OeMag Tarifförderung, wie auch dieses Jahr mit einer automatisierten 8% Absenkung, was einen Tarif von ca. 7ct/kWh bedeutet.

Aber auch dafür müssen die Projekte bald gestartet werden. Die Förderung wird im neuen Gesetz übrigens nicht steigen, es soll nur hoffentlich planbarer werden und vor allem komplexe Energieeinheiten ermöglichen. Ich hoffe auch wirklich, dass der leidige Deckel fällt. Was vor einigen Jahren noch als Aprilscherz hier herhalten musste, ist jetzt so realistisch wie nie. Die Erneuerbaren sind so günstig geworden, dass sie nur mehr eine „Notstromversorgung“ in Form einer kleinen Prämie von 2-3 ct/kWh auf den aktuellen Strompreis brauchen, aber es braucht eben für private Investitionen zumindest ein kleines Stück Planbarkeit. Die Energieversorger alleine werden den nötigen Umbau einfach nicht schaffen und auch diese brauchen für ihre Shareholder ein klares Signal.

Was also tun?

Im ersten Schritt ist es wichtig, sich die Mittel vom 11. März zu sichern, dafür braucht es einen genehmigten Zählpunkt vom Netzbetreiber und falls nötig auch alle Baugenehmigungen. In vielen Bundesländern gab es Vereinfachungen des Genehmigungsverfahrens, diese Bundesländer haben bei diesem vorerst letzten Rennen die Nase vorn.

Wichtig ist auch, Wien hat als einziges Bundesland eine konstante Förderung für größere Anlagen und kleine Speicher, die zwar auch ihre Tücken hat, aber für Projekte aus Wien ist die März Förderlotterie nicht ganz so relevant wie in den anderen Bundesländern.

Es gäbe noch Bücher zu füllen mit Geschichten über die österreichische Energiepolitik, aber Sie sind nun zumindest besser informiert als 90% der Bevölkerung.

Bei Fragen einfach kommentieren oder ein Mail an mich. office@dachgold.at.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

3 Comments

  1. #CleanEnergyWillWin –

    Die Solarbranche sollte freiwillig raus aus der Förderung und Kohle, Öl, Gas, Holz und Atom einfach in Grund und Boden performen.

    Billige Stromspeicher stehen vor dem Durchbruch, das ist geritzt: http://www.ambri.com/news/

    Und es gibt schöne Innovationen bei Montagesystemen: https://ennogie.com/

    Die Netzgebühren gehören überdacht – z.B. als Gemeindegebühr gestalten.
    Gebühren werden nur für Strom außerhalb der Gemeinde (oder sonstiger Verbrauchergemeinschaft) bezahlt. Das wäre einmal etwas;)

    • Gemeindegebühren sind eine tolle Idee!!! Ja, klar wärs einfacher wenn der Markt fair wäre und Kostenwahrheit herrschen würde. Es gäbe auch sinnvollere Anreizsysteme, aber das ist eben das was derzeit da ist…

      • Danke für die !!!

        An sich triviale Netzplantechnik – wie bekomme ich ein robustes, faires Netz. Messen was in eine Gemeinde rein und raus geht und – ganz gemein – aus welchen Quellen es der Distanz wegen kommt, Je weiter weg, je mehr. Zu dem Gemessenen wird sich ein Preis finden lassen.

        Die Gemeinheit lässt sich steigern – keine gemessenen Netzgebühren zu den „Nachbarn“ in den Verbrauchergemeinschaften, sondern einfach nur die Betriebskosten. So geht Wirtschaftsaufschwung, so geht neuer Stil, so geht Wohlstand, so geht #CleanEnergyWillWin.

        Können wir mit St. Leonhard am Hornerwald gleich anfangen: https://www.meinbezirk.at/krems/c-lokales/der-sonnenkoenig-des-bezirks_a1505381

        Der Typ der das aus – eigentlich in – den Boden gestampft hat, weiß was er tut und will, denn er weiß auch um die schwere der ökologischen Krise. Ist ja genug in der Welt herum gekommen: http://www.carbon-climate-protection.com/portfolio/

        Google Earth Pro – „Zaiserhof“. Der Standort der Anlage ist genial, der Hof ist genial. Man muss genau hinsehen um die Brillanz der Standortwahl zu erkennen. Denksportaufgabe für Solarfreaks;)

        Der Viehbestand in Österreich wurde nie auf Hitzeresistenz gezüchtet. Die Wetterlagen im Sommer sind so, dass Bauern die ihre Ställe nicht kühlen schnell aufgeben werden müssen.

        Förderlandwirtschaft die wir haben werden es die wenigstens tun, da ihnen das Förderwesen das Hirn verrottet hat. Das ist dann auch das finale und politisch gewollte Ende der kleinteiligen Landwirtschaft.

        Kleinbauern die Kleinbauern bleiben wollen drehen besser ihr Hirn auf. Am Zaiserhof haben sie es getan.

        Ganz allgemein bin ich ja der Meinung, Waldviertel ist für Österreich was Neuseeland für die Welt ist. Dort haben sie den Leuten noch nicht komplett ins Hirn g………

        Mütterlicherseits halber Waldviertler, demnach ein halb volles Hirn. Shit happens.

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